Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Personalrabatt von einer Fremdfirma ist meistens steuerfrei

Rabatte und Vergünstigungen, die ein Arbeitnehmer von einer Fremdfirma – also einem Dritten – erhält, sind im Einzelfall nicht steuerpflichtig.

Mit anderen teilen
Personalrabatt von einer Fremdfirma ist meistens steuerfrei

Manche Arbeitnehmer bekommen von Dritten Rabatte oder Vergünstigungen, wenn Sie deren Ware kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Diese "Dritten" können zum Beispiel Fremdfirmen, aber auch Unternehmen sein, die zum Konzern des Arbeitgebers gehören. Früher waren diese Preisvorteile steuerpflichtig – später mehr dazu. Am 18.10.2012 befasste sich der Bundesfinanzhof mit diesem Thema und entschied, dass diese Vorteile, die Dritte einräumen, unter bestimmten Voraussetzungen nicht als Arbeitslohn versteuert werden müssen – also steuerfrei bleiben.

Ist der Preisvorteil eine Gegenleistung, besteht die Steuerpflicht weiterhin

Die obersten Richter machten nur eine Einschränkung: "Arbeitslohn kann (ausnahmsweise) auch bei der Zuwendung eines Dritten anzunehmen sein, wenn diese ein Entgelt 'für' eine Leistung bildet, die der Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses für seinen Arbeitgeber erbringt (...)." Kurz gesagt: Ist der Preisvorteil eine Gegenleistung, ist es steuerpflichtiger Arbeitslohn. Sie möchten im Detail lesen, wie die Richter ihr Urteil begründen? Im Internet finden Sie unter dem Aktenzeichen VI R 64/11.

Der konkrete Fall: ein "Mitarbeiter-Vorteilsprogramm"

Geklagt hatte eine Trägerin eines Krankenhauses, die dort 750 Mitarbeiter beschäftigte. Eine Fremdfirma lieferte aufgrund eines Versorgungsvertrags Apothekenartikel aller Art in dieses Krankenhaus. Die Klägerin initiierte ein sogenanntes Mitarbeiter-Vorteilsprogramm: Ihre Mitarbeiter konnten sich ebenfalls Apothekenartikel liefern lassen – mit erheblichem Nachlass. Das Finanzamt sah die Rabatte als Arbeitslohn an und forderte Lohnsteuer. Der BFH sah das allerdings anders: Der Preisvorteil stelle keinen Arbeitslohn von dritter Seite dar und sei dementsprechend nicht lohnsteuerpflichtig.

Früher waren Preisvorteile als geldwerter Vorteil steuerpflichtig

Das Erstaunliche: Mit seinem Urteil hat der Bundesfinanzhof gegen eine langjährige Praxis entschieden. Bekam ein Mitarbeiter früher Rabatte und Vergünstigungen auf Waren oder Dienstleitungen von Fremdfirmen, so musste er diesen Vorteil als Arbeitslohn versteuern. Zumindest dann, wenn der Arbeitgeber an der Rabattvereinbarung mitgewirkt hatte. Einen Freibetrag gab es nicht.

Auch Rabatte beim Abschluss von Versicherungsverträgen sind steuerfrei

In einem weiteren Urteil (Aktenzeichen VI R 62/11) entschied der BFH 2014, dass auch bei Rabatten beim Abschluss von Versicherungsverträgen kein Arbeitslohn vorliegt – sofern neben Arbeitnehmern von Geschäftspartnern auch ein weiterer Personenkreis wie zum Beispiel Arbeitnehmer weiterer Unternehmen in den Genuss des Rabattes kommen. Die Richter des BFH betonten in diesem Urteil, dass das Finanzgericht im Einzelfall entscheiden muss, ob eine Zuwendung "durch das Dienstverhältnis veranlasst" ist und damit als Arbeitslohn zählt, oder nicht.

Vergünstigungen auf selbst hergestellte Waren

Falls Sie übrigens von Ihrem eigenen Arbeitgeber Vergünstigungen auf selbst hergestellte Waren oder Dienstleistungen aus dem eigenen Haus bekommen, ist dieser Bonus auch als geldwerter Vorteil steuerpflichtig. Immerhin gibt es aber einen sogenannten Personalrabattfreibetrag in Höhe von 1.080 Euro pro Jahr. Waren und Dienstleistungen aus dem eigenen Unternehmen sind bis zu diesem Betrag also steuerfrei.

Übrigens:

Am 20. Januar 2015 hat das Bundesministerium der Finanzen ein sogenanntes BMF-Schreiben verschickt und darin die Rechtssprechung des Bundesfinanzhofs weitgehend übernommen.

Mit anderen teilen