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Zum Arbeiten ins Ausland – was für Grenzgänger steuerlich gilt

In Deutschland wohnen, aber im Nachbarland arbeiten – das kann eine lohnende Alternative sein. Steuerlich gelten für die sogenannten Grenzgänger besondere Regeln.

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Zum Arbeiten ins Ausland - was für Grenzgänger steuerlich gilt

Gerhard wohnt in Kleve, einer Kleinstadt nahe der niederländischen Grenze. Seit nunmehr zwei Jahren pendelt er regelmäßig ins Nachbarland zur Arbeit und zwar in die 30 Kilometer entfernt liegende holländische Stadt Nimwegen. Damit ist Gerhard einer von etwa 250.000 Pendlern, die in Deutschland wohnen und einen Job im europäischen Ausland haben. Diese Arbeitnehmer werden auch als Grenzgänger bezeichnet. Per EU-Definition kommt ein Grenzgänger täglich, mindestens aber einmal die Woche, zurück nach Hause in den sogenannten Wohnsitzstaat.

In welchem Land ist für Grenzgänger die Lohnsteuer fällig?

Für diese besondere Gruppe von Pendlern gibt es kein einheitliches europäisches Gesetz, das regelt, wie das Einkommen des Arbeitnehmers zu versteuern ist. Grundlage für die Besteuerung sind vielmehr einzelne Abkommen zwischen den Staaten. Diese Verträge werden auch als Doppelbesteuerungsabkommen bezeichnet. Ziel der Abkommen ist es, zu vermeiden, dass der Beschäftigte zweimal Steuern zahlen muss.

In der Regel gilt: Arbeitnehmer, die in einem definierten Grenzgebiet eines Landes wohnen und im Grenzgebiet des Nachbarlands arbeiten, müssen in dem Land Steuern zahlen, in dem sie arbeiten, also im sogenannten Tätigkeitsstaat. Zurück zu unserem Beispiel: Gerhard, unser Grenzgänger in die Niederlande, zahlt seine Einkommensteuer also in den Niederlanden und nicht in Deutschland. Das in den Niederlanden versteuerte Gehalt bleibt für Gerhard in Deutschland steuerfrei. Es unterliegt allerdings dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Wenn Gerhard also weitere Einkünfte in Deutschland hat, wird das niederländische Einkommen addiert und treibt den Steuersatz für das übrige steuerpflichtige Einkommen in die Höhe.

Keine Regel ohne Ausnahme

Von der Vorschrift, dass das Gehalt in dem Land besteuert wird, in dem man arbeitet, gibt es jedoch Ausnahmen: Alle Grenzgänger nach Frankreich und alle Grenzgänger nach Österreich zahlen in Deutschland ihre Steuern. Also nicht im Tätigkeitsstaat, sondern im Wohnsitzstaat. Für Grenzgänger in die Schweiz, die mit mehr als 60.000 Pendlern die größte Gruppe darstellt, ist es nochmal komplizierter: Hier muss der Arbeitnehmer in beiden Staaten Steuern zahlen.

Hat ein Grenzgänger Anspruch auf Kindergeld?

Steuerlich nicht ganz einfach ist auch die Frage, in welchem Umfang Grenzgänger von Familienleistungen wie dem Kindergeld profitieren können.

Ist es im Doppelbesteuerungsabkommen nicht explizit geregelt, unterliegen Grenzgänger den Rechtsvorschriften in dem Land, in dem sie arbeiten. Deshalb hatten Grenzgänger in ein anderes EU-Land oder in die Schweiz bislang auch keinen Anspruch auf deutsches Kindergeld. Das hat sich aber geändert: Seit Mitte 2013 können Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und im Nachbarland berufstätig sind, das sogenannte Differenzkindergeld beantragen. Warum das Ganze? Nun, die Arbeit als Grenzgänger sollte nicht zu einer Verringerung oder zu einem Verlust von Sozialleistungen führen, so die Begründung. Bei der Berechnung des Differenzkindergeldes wird für jedes einzelne in Deutschland wohnende Kind des Arbeitnehmers eine Vergleichsrechnung gemacht. Und zwar wird die Höhe der Leistung, die die Eltern vom Tätigkeitsstaat bezogen haben – in der Schweiz ist es die sogenannte Familienzulage – mit dem deutschen Kindergeldanspruch verglichen. Ist der Kindergeldanspruch in Deutschland höher, erhält der Grenzgänger den Differenzbetrag vom Staat ausbezahlt.

Welche Regelungen gelten für Berufskraftfahrer?

Als Lkw-Fahrer ist man häufig im Ausland unterwegs. Werner aus Aachen ist einer von ihnen. Er arbeitet bei einem niederländischen Transport-Unternehmen und verbringt einen Großteil seiner Arbeitszeit in seinem Lkw. Er hat daher keine „ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers“, auch erste Tätigkeitsstätte genannt und zählt im steuerrechtlichen Sinne auch nicht zu den Grenzgängern. Das heißt: Obwohl sein Arbeitgeber in den Niederlanden ansässig ist, ist er in Deutschland steuerpflichtig, wenn er seine Arbeit in Deutschland ausübt, also auf deutschen Straßen unterwegs ist. Ändert sich die Auftragslage und seine Touren führen durch die Niederlande, muss er für die Tage, die er dort tätig ist, in den Niederlanden Steuern zahlen.

Hat Werner auch Fahrten in sogenannte Drittstaaten, zum Beispiel nach Frankreich, zu erledigen, fällt das Besteuerungsrecht Deutschland zu, wenn er sich in jedem einzelnen Drittstaat nicht mehr als 183 Tage im Jahr aufgehalten hat.

Übrigens

Klingt kompliziert? Ist das Thema Grenzgänger leider auch. Aber unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen gerne weiter. Finden Sie hier eine VLH-Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

 

 

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