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bAV: So funktioniert die private Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge, kurz bAV, ist eine Betriebsrente. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich Steuervorteile sichern können.

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bAV: So funktioniert die private Altersvorsorge

Frank macht sich Sorgen um seine Tochter Marleen. Er hat gelesen, dass Berufseinsteiger zusätzlich zur gesetzlichen Rente in die private Altersvorsorge investieren müssen, um einen komfortablen Lebensabend zu haben. Ein Freund hat ihm von der betrieblichen Altersvorsorge erzählt.

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eine freiwillige Zusatzrente und ergänzt die gesetzliche Rente. Seit 2002 können Arbeitnehmer, die Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung sind, einen Teil Ihres Bruttolohns direkt für eine bAV abzweigen. Das nennt man Entgeltumwandlung. Und darauf hat seit 2002 jeder Arbeitnehmer sogar einen gesetzlichen Anspruch.

Der Arbeitgeber führt die bAV durch

Anders als bei der Riester-Rente, können sich Sparer die Anlageform bei der bAV nicht selbst aussuchen. Der Arbeitgeber übernimmt das. Er kümmert sich auch um die Gehaltsumwandlung, überweist also monatlich einen Teil ihres Bruttogehalts direkt in die bAV. Das sichert den Arbeitnehmer zum einen für das Alter ab, zum anderen im Fall von Invalidität oder Tod.

Übrigens:

Ist man als Arbeitnehmer an einer betrieblichen Altersvorsorge interessiert, muss man seinen Arbeitgeber selbst auf die Betriebsrente ansprechen. Er ist außerdem nicht dazu verpflichtet, sich am Aufbau der bAV finanziell zu beteiligen. Die monatlichen Beiträge können vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer jeweils alleine getragen werden. Denkbar ist aber auch, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge gemeinsam aufbringen. Achtung bei Tarifverträgen: Wer nach Tarif bezahlt wird, kann sein Gehalt nur umwandeln, wenn der Tarifvertrag das ausdrücklich zulässt.

Der Arbeitgeber wählt zwischen fünf Formen der bAV-Durchführung

Jedem Arbeitgeber stehen fünf unterschiedliche Modelle für die bAV zur Auswahl. Er selbst sucht den Anbieter der Versicherung oder des Fonds aus und ist Vertragspartner. Er kann zwischen folgenden Anlageformen wählen:

1. Direktversicherung

Die Direktversicherung ist in der Regel eine Lebens- oder Rentenversicherung. Mit einem solchen Versicherungsunternehmen schließt der Arbeitgeber einen Vertrag ab. Zugunsten des Mitarbeiters überweist er jeden Monat dann einen Teil des Gehalts an den Versicherer. Dieses Geld wird verzinst.

2. Pensionskasse

Eine Pensionskasse ist eine eigenständige Versorgungseinrichtung und wird oft von einem oder mehreren Unternehmen gegründet. Das Geld wird in der Regel sicher angelegt, beispielsweise in einer Rentenversicherung.

3. Unterstützungskasse

Bei der Unterstützungskasse gründen ein oder mehrere Unternehmen eine selbstständige Versorgungseinrichtung. Im Falle einer Insolvenz des Arbeitgebers sind die Arbeitnehmer über den Pensions-Sicherungs-Verein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (PSVaG) abgesichert.

4. Pensionsfonds

Im Gegensatz zur Pensionskasse dürfen Pensionsfonds das Geld der Anleger auch in börsennotierte Anlagen investieren. Das bedeutet, dass die Renditechancen höher sind, aber auch das Risiko steigt. Im schlimmsten Fall erhält man im Alter also nur das eingezahlte Kapital wieder ausgezahlt, im besten Fall eine deutlich höhere monatliche Auszahlung.

5. Direktzusage

Vor allem Großunternehmen greifen oft zur Direktzusage, auch Pensionszusage genannt. Anders als bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds gibt der Arbeitgeber unmittelbar die Versorgungszusage. Das heißt, dass er dem Arbeitnehmer zusagt, dass er bei Erreichen des Rentenalters eine vorher vereinbarte Leistung erhält. Dafür muss der Arbeitgeber selbst Rückstellungen bilden und das Geld anlegen. Er schaltet keine Versicherung oder einen Fonds zwischen.

Der Staat finanziert die betriebliche Altersvorsorge mit

Ein entscheidender Vorteil der bAV: Der Staat verzichtet in der Ansparphase auf Steuern und Sozialabgaben. Einzahlungen in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds sind bis zu einer Grenze von vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (West) steuer- und sozialabgabenfrei. 2017 sind das 3.048 Euro im Jahr, also 254 Euro monatlich. Einzahlungen bis zu dieser Höhe sind steuer- und sozialabgabenfrei. Zusätzlich ist ein Festbetrag von 1.800 Euro steuerfrei, aber sozialversicherungspflichtig.

Zurück zu Frank und seiner Tochter Marleen: Nehmen wir an, Marleen hat sich für eine private Altersvorsorge mit der bAV entschieden und ihr Chef überweist die monatlichen Beiträge. Ein Rechenbeispiel: Marleen verdient 2.000 Euro brutto im Monat. Davon blieben ihr netto – nach Abzügen der Steuern und den Beiträgen zur Sozialversicherung – rund 1.370 Euro. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass Marleen jeden Monat 254 Euro von ihrem Bruttogehalt in eine Direktversicherung abzweigt, bleiben ihr netto rund 1.230 Euro. Das heißt: Marleen zahlt zwar 254 Euro in die betriebliche Altersvorsorge, hat aber nur rund 140 Euro weniger Nettolohn. Marleen könnte dank Festbetrag jeden Monat weitere 150 Euro steuerfrei einzahlen, müsste allerdings dafür Sozialabgaben zahlen.

Direktzusage und Unterstützungskasse sind Sonderfälle

Bei der Direktzusage und der Unterstützungskasse bleiben die Beiträge steuerfrei – in unbegrenzter Höhe. Zahlt nur der Arbeitgeber, sind seine Beiträge zusätzlich ohne Einschränkung sozialversicherungsfrei. Anders liegt der Fall, wenn der Arbeitnehmer die Gehaltsumwandlung alleine vornimmt: Dann sind die Beiträge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze sozialversicherungsfrei. Nachteil der Direktzusage: Beim Ausscheiden aus dem Unternehmen kann die Direktzusage nicht mit privaten Beträgen fortgeführt werden.

Unverfallbarkeit der Ansprüche – zwei Szenarien

Beiträge, die der Arbeitnehmer selbst in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt hat, sind sofort unverfallbar. Was bedeutet unverfallbar? Nehmen wir an, Marleen wechselt nach einigen Jahren den Job. Beiträge aus der Entgeltumwandlung – also wenn Marleen selbst zahlt – verfallen auch bei einem Wechsel des Arbeitgebers nicht, sind unverfallbar.

Anders sieht die Sachlage aus, wenn der Arbeitgeber die Beiträge gezahlt hat. Dann werden sie erst unverfallbar, wenn der Arbeitnehmer mindestens 25 Jahre alt ist und die Versorgungszusage mindestens seit fünf Jahren besteht. Sobald die Anwartschaften unverfallbar geworden sind, gibt es auch nach einem Betriebswechsel später die Betriebsrente vom früheren Arbeitgeber.

Schutz vor Insolvenz und Arbeitgeberwechsel

Die bAV ist geschützt – und zwar vor der Insolvenz des Arbeitgebers. Bei einer Direktzusage, Unterstützungskasse oder einem Pensionsfonds sind die unverfallbaren Anwartschaften auf Betriebsrente vom Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) abgesichert. Bei einer Direktversicherung oder einer Pensionskasse spielt die Insolvenz des Arbeitgebers keine Rolle, da es sich um wirtschaftlich unabhängige Versicherungen handelt. Somit gibt es im Alter immerhin die garantierte Rente, auch wenn es den früheren Arbeitgeber dann nicht mehr gibt.

Wenn sich bei einem Arbeitgeberwechsel alle Beteiligten – der alte und der neue Arbeitgeber und der Arbeitnehmer – einig sind, können die bereits gezahlten Beiträge zur bAV zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden. Wer die Anwartschaft auf eine bAV aus einer Pensionskasse, einer Direktversicherung oder einem Pensionsfonds erworben hat, hat sogar einen rechtlichen Anspruch darauf, dass das bereits angesparte Kapital bei einem Arbeitgeberwechsel übertragen wird.  

Übrigens:

Ein steuerlich wichtiger Hinweis bei einem Arbeitgeberwechsel: Das angesparte Kapital kann nur bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (West) der gesetzlichen Rentenversicherung ohne steuerliche Nachteile übertragen werden. 2017 sind das aber immerhin bis zu 76.200 Euro.

Betriebsrente ist später voll steuerpflichtig

Was viele, die in private Altersvorsorge investieren, nicht wissen: Die Betriebsrente ist in der Auszahlungsphase voll steuerpflichtig. Dieses Prinzip wird nachgelagerte Besteuerung genannt. Wer gesetzlich kranken- und pflegeversichert, muss in der Auszahlungsphase auch Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Etwas anders verhält es sich bei der Auszahlung der Leistungen aus der Direktzusage und der Unterstützungskasse: Auch diese Leistungen sind voll steuerpflichtig, allerdings werden zuerst die Freibeträge für Versorgungsbezüge abgezogen. Die Höhe des Freibetrags richtet sich nach dem Jahr des Versorgungsbeginns.

Reform der Betriebsrente ab 2018

Die Betriebsrente stärken um Geringverdiener besser vor Altersarmut zu schützen – das ist die Idee der Koalition aus CDU und SPD. Konkret sollen Arbeitgeber ab 2018 einen staatlichen Zuschuss von bis zu 144 Euro erhalten, wenn Sie bei Arbeitnehmern mit einem monatlichen Einkommen von bis zu 2.200 Euro bis zu 480 Euro jährlich in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen.

Außerdem soll ab 2018 das Haftungsrisiko der Arbeitgeber reduziert werden: Sie müssen dann weder für die Höhe noch für die Auszahlung der Betriebsrente garantieren. Aber: Dafür müssen Sie die neue Form der Betriebsrente auf Grundlage von Tarifverträgen anbieten. Durch diese Änderungen verspricht sich die Politik, dass sich Arbeitgeber stärker bei der bAV engagieren.

Eine weitere Änderung betrifft die Entgeltumwandlung. Alle Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel zur Entgeltumwandlung.

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