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Behindertengerechter Umbau am Haus von der Steuer absetzen

Müssen Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung behindertengerecht umbauen lassen, können Sie die Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

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Behindertengerechter Umbau am Haus von der Steuer absetzen.

Schlaganfall, eine schwere Krankheit oder ein Unfall verändern das ganze Leben. Wer früher einfach seinen Alltag gelebt hat, kommt jetzt vielleicht nicht mehr ohne fremde Hilfe zurecht. Immerhin: Wer sein Haus behindertengerecht umbauen muss, kann das als "außergewöhnliche Belastungen" absetzen.

Erstritten hat dieses Recht ein Mann, der 1999 nach einem Schlaganfall stark gehbehindert war. Statt in ein Pflegeheim zu ziehen, wollte er zusammen mit seiner Frau im eigenen Haus bleiben. Dazu ließen die beiden ihr Einfamilienhaus umbauen: Eine Rollstuhlrampe, ein behindertengerechtes Bad und die Umwandlung des Arbeitszimmers in ein Schlafzimmer – Kostenpunkt damals um die 140.000 D-Mark, also etwa 70.000 Euro.

Behindertengerechter Umbau ist kein Luxus

Weil die Krankenkasse keinen Euro davon bezahlte, gab das Ehepaar die Summe in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung an. Doch das zuständige Finanzamt lehnte ab. Begründung: Laut Gesetz sei die Absetzbarkeit solcher Kosten ausgeschlossen, wenn der Steuerpflichtige durch seine Ausgaben einen "Gegenwert" erhalte.

Zu Deutsch: Die Kosten lassen sich nicht absetzen, weil der gehbehinderte Mann schließlich was für sein Geld bekommt, nämlich ein schönes neues Bad, eine Rollstuhlrampe usw.

Doch ein körperlich schwer Beeinträchtigter lässt sein Haus nicht aus Lust am Luxus behindertengerecht umbauen, wie der Bundesfinanzhof (BFH) im Oktober 2009 entschied (Az. VI R 7/09). Der erlangte Gegenwert trete im konkreten Fall in den Hintergrund, so der BFH.

Hohe Kosten, kleiner Steuervorteil

Die steuerliche Wirkung außergewöhnlicher Belastungen hängt in der Hauptsache von zwei Faktoren ab: Liegen die Ausgaben unter der sogenannten zumutbaren Belastungsgrenze, kann man sie gar nicht von der Steuer absetzen. Sind die Kosten extrem hoch haben sie aber in der Regel nur einen vergleichsweise kleinen steuerlichen Effekt.

Warum ist der Effekt oft unverhältnismäßig klein? Weil man jedes Jahr nur maximal so viel Steuern zurückerstattet bekommt, wie man gezahlt hat. Denn laut Einkommensteuergesetz lassen sich auch die Kosten eines behinderungsbedingten Um- oder Neubaus nicht auf mehrere Veranlagungszeiträume verteilen.

Im Zweifel Einspruch einlegen

Das Finanzgericht Saarland entschied 2013 in einem Fall (Az. 1 K 1308/12), dass beim behindertengerechten Umbau eines Hauses, eine Aufwandsverteilung auf bis zu fünf Jahre möglich ist. Begründet wurde die Rechtsprechung dadurch, dass eine besonders kostenintensive außergewöhnliche Belastung zum überwiegenden Teil steuerlich wirkungslos bliebe, wenn sie nicht auf mehrere Veranlagungszeiträume verteilt würde.

Im April 2015 argumentierte das Finanzgericht Baden-Württemberg wieder genau gegenteilig und entschied, dass eine Ver­tei­lung von außer­gewöhn­li­chen Be­las­tun­gen auf meh­re­re Jah­re nicht möglich ist. Weil dieses Urteil von der Entscheidung des FG Saarland abweicht, hat das FG Baden-Württemberg die Revision zugelassen (BFH, Az. VI R 36/15).

Daher gilt: Im Zweifel Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen und auf die beiden noch nicht entschiedenen Revisionsverfahren beim BFH verweisen. 

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