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Die wichtigsten Vergünstigungen auf einen Blick

Menschen mit Behinderung stehen im täglichen Leben Vergünstigungen zu. Was viele nicht wissen: Das gilt auch im Steuerrecht. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Vorteile.

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Menschen mit Behinderung: Die wichtigsten Vergünstigungen auf einen Blick

7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen lebten Ende 2015 in Deutschland. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Doch wann ist man behindert? Das Sozialgesetzbuch definiert das so: Menschen sind behindert, wenn ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Das ist der Fall wenn "ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht".

Der "Grad der Behinderung" (GdB) zeigt die Schwere der Beeinträchtigung

Wie stark ein Mensch beeinträchtigt ist, zeigt der "Grad der Behinderung" (GdB). Er kann zwischen 20 und 100 liegen und wird von einem ärztlichen Gutachter festgestellt. Ab einem GdB von 50 gilt ein Mensch als schwerbehindert und bekommt einen entsprechenden Ausweis. Wer einen GdB von 30 oder 40 hat, kann beim Versorgungsamt eine Bescheinigung beantragen. Nur mit Ausweis oder Bescheinigung erhalten Menschen mit Behinderung Steuervergünstigungen.

Steuervergünstigungen gleichen finanzielle Nachteile aus

Oft haben Menschen mit Behinderung eine höhere finanzielle Belastung als der Otto-Normal-Bürger. So benötigen Sie speziellen Wohnraum, haben höhere Krankheitskosten und auch das Arbeitsleben unterliegt bestimmten Regelungen. Um diese behinderungsbedingten Nachteile oder Mehraufwendungen abzumildern, werden Menschen mit Behinderungen sogenannte Nachteilsausgleiche gewährt. Auch der Fiskus räumt Menschen mit Behinderung eine Reihe von Vergünstigungen ein:

1. Behinderten-Pauschbetrag für typische Kosten

Bei einer Behinderung entstehen ganz regelmäßig "typische" Kosten zum Beispiel für Medikamente, Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder den erhöhten Wäschebedarf. Für diese Kosten können Menschen mit Behinderung einen Pauschbetrag geltend machen. Die Höhe des Pauschbetrags richtet sich nach dem GdB. Bei einem GdB von 100 liegt er beispielsweise bei 1.420 Euro im Jahr. Wann sich der Pauschbetrag erhöht und welche Regelung bei behinderten Kindern gilt, können Sie in unserem Steuer ABC Was ist der Behinderten-Pauschbetrag? nachlesen.

2. Typische Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzen

Nehmen wir an, Sie müssen pro Jahr mehr Geld ausgeben, als der Pauschbetrag abdeckt. Dann können Sie die Kosten auch als außergewöhnliche Belastung absetzen. Nachteil: Sie müssen alle Kosten einzeln mit Rechnungen nachweisen. Außerdem wirken sich die Kosten in der Steuer nur aus, wenn sie die "zumutbare Belastung" übersteigen. Was damit gemeint ist, erklärt Ihnen unser Steuer ABC Was sind außergewöhnliche Belastungen?.

3. Anerkennung weiterer Kosten als außergewöhnliche Belastung

Egal, ob Sie sich bei den typischen Kosten für den Pauschbetrag oder die außergewöhnlichen Belastungen entscheiden – unregelmäßige und besondere Kosten können Sie zusätzlich als außergewöhnliche Belastungen angeben. Dazu gehören die Kosten einer Kur, außerordentliche Krankheitskosten (zum Beispiel für eine Krankheit, die nicht mit der Behinderung zusammenhängt), Aufwendungen für Pflegebedürftigkeit oder für eine Haushaltshilfe. Sie dürfen diese Kosten allerdings nur in Ihre Steuererklärung eintragen, wenn die Kosten nicht von einem Dritten – wie zum Beispiel der Krankenkasse – getragen werden.

4. Fahrtkosten zur Arbeit sind Werbungskosten

Menschen mit Behinderung dürfen bei Fahrten zur Arbeit anstatt der Pendlerpauschale die tatsächlichen gefahrenen Kilometer als Werbungskosten absetzen. Das heißt: Anders als bei der Pendlerpauschale dürfen sie die Kilometer sowohl für den Hin- als auch für den Rückweg angeben. Zusätzlich können sie auch die Parkgebühren in ihrer Steuererklärung eintragen. Das gilt für Menschen mit einem GdB von mindestens 70 oder einem GdB von 50 bis 70, wenn sie in Ihrer Bewegungsfähigkeit erheblich eingeschränkt sind. Das kennzeichnen die Buchstaben "G" (geh- und sehbhindert) oder "aG" (außergewöhnliche Gehbehinderung) im Behindertenausweis.

Doch Vorsicht: Wird im Laufe eines Jahres der Grad der Behinderung von 80 oder mehr auf weniger als 50 herabgesetzt, ist das schon ab dem im Bescheid genannten Zeitpunkt in der Steuererklärung zu berücksichtigen. Das gilt nicht nur für Fahrten zur Arbeit, sondern auch für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung.

5. Privatfahrten mit dem Pkw sind außergewöhnliche Belastungen

Menschen mit Behinderung können auch Privatfahrten als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Allerdings nur in einem angemessenen Rahmen. Doch was ist angemessen? Der Fiskus definiert das so: Bei Menschen mit einem GdB von mindestens 80 sind bis zu 3.000 Kilometer pro Jahr angemessen. Bei hilflosen, blinden oder außergewöhnlich gehbehinderten Menschen gehen bis zu 15.000 Kilometer durch. Für jeden gefahrenen Kilometer können Sie 0,30 Cent ansetzen. Bei 3.000 Kilometern sind das also 900 Euro pro Jahr.

6. Behindertengerechter Umbau gilt als außergewöhnliche Belastung

Rollstuhlrampe oder ein behindertengerechtes WC – oft sind einige Umbauten nötig, damit ein Mensch mit Behinderung sich in seinen eigenen vier Wänden ohne fremde Hilfe bewegen kann. Die Kosten für den Umbau können Sie als außergewöhnliche Belastung absetzen. Lesen Sie mehr dazu in unserer Nachricht Behindertengerechter Umbau am Haus von der Steuer absetzen.

Kinder mit Behinderung sind ohne Altersgrenze begünstigt

Für ein Kind mit Behinderung bekommen Sie Kindergeld oder den Kinderfreibetrag und die Kinderbetreuungskosten – ganz egal, wie alt Ihr Kind ist. Voraussetzung: Die Behinderung des Kindes ist vor dem 25. Geburtstag eingetreten und das Kind ist nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen.

Außerdem haben auch Kinder mit Behinderung Anspruch auf den Behinderten-Pauschbetrag. Nimmt das Kind ihn nicht selbst in Anspruch, können die Eltern den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen. Zusätzlich zum Behinderten-Pauschbetrag können Eltern die Kosten für eine Privatschule absetzen, wenn das Kind ausschließlich aufgrund der Behinderung diese Schule besucht.

Übrigens:

Ihre Beraterin oder Ihr Berater der VLH unterstützt Sie gerne bei Ihrer Steuererklärung, werden Sie Mitglied! Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

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