Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Motoryacht: Behindertengerechter Umbau nicht absetzbar

Menschen mit Behinderung können den behindertengerechten Umbau einer Yacht nicht von der Steuer absetzen – es fehlt die Zwangsläufigkeit.

Mit anderen teilen
Motoryacht: Behindertengerechter Umbau nicht absetzbar

So entschied das Niedersächsische Finanzgericht. Kosten für einen behindertengerechten Umbau können nur dann als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden, wenn sie zwangsläufig entstehen – zum Beispiel, wenn man eine Rollstuhlrampe oder ein behindertengerechtes Bad in den eigenen vier Wänden benötigt. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Behindertengerechter Umbau am Haus von der Steuer absetzen. Die Kosten für den Umbau einer Motoryacht entstehen hingegen nicht zwangsläufig und sind deshalb auch nicht absetzbar.

Der konkrete Fall

Der Mann, der vor dem Niedersächsischen Finanzgericht klagte, ist seit 1970 querschnittsgelähmt und seither auf einen Rollstuhl angewiesen. Sein Grad der Behinderung ist 100. Vor fünf Jahren kaufte der Kläger ein Boot, dessen Vorbesitzer einen behinderten Sohn hatte und das Boot entsprechend mit Liften ausgestattet hatte.

Menschen mit Behinderung

Oft haben Menschen mit Behinderung höhere finanzielle Belastungen als der Otto-Normal-Bürger. Deshalb räumt der Fiskus Menschen mit Behinderung einige Steuervergünstigungen ein, zum Beispiel den Behinderten-Pauschbetrag. Lesen Sie mehr dazu in unserem


TOP THEMA
Menschen mit Behinderung - Die wichtigsten Vergünstigungen auf einen Blick


Doch in den letzten Jahren verschlimmerte sich der Gesundheitszustand des Mannes. Er ließ das Boot entsprechend behindertengerecht umbauen: bodenebene Nasszelle, herausziehbarer Waschtisch, entsprechender Toilettenbereich und eine absenkbare Koje. Die Kosten für die Umbauten gab der Mann als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung an.

Finanzamt erkannte die Kosten des behindertengerechten Umbaus nicht an

Das Finanzamt lehnte eine Anerkennung der Kosten ab. Die Begründung: Die Yacht des Klägers sein kein "existenziell notwendiger Gegenstand". Außerdem gehöre das Boot nicht zum individuellen Wohnumfeld des Mannes. Deshalb sei ein Abzug der Kosten als außergewöhnliche Belastung nicht möglich. Der Mann klagte, der Fall wanderte vor das Niedersächsische Finanzgericht (NFG).

NFG: Boot dient der Freizeitgestaltung

Die Richter des NFG stärkten den Kollegen aus dem Finanzamt den Rücken: Die Kosten sind nicht absetzbar, weil sie dem Kläger nicht zwangsläufig entstanden seien. Außerdem sei das Boot ein Hobby und diene der Freizeitgestaltung, "welche deutlicher dem rein privaten und damit steuerrechtlich irrelevanten Bereich zugeordnet werden kann", so die Richter. Der Mann hätte zu jedem Zeitpunkt die Entscheidungsfreiheit gehabt, sich ein anderes Hobby zu suchen oder sein bisheriges Hobby aufzugeben. Wer sich für die ausführliche Urteilsbegründung interessiert, findet Informationen im Internet unter dem Aktenzeichen 2 K 176/13.

Übrigens:

Der Bundesfinanzhof hat die Entscheidung des NFG am 02.06.2015 bestätigt: Der behindertengerechte Umbau einer Motoryacht kann nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden. Die Kosten seien "in erster Linie Folge eines frei gewählten Konsumverhaltens", so die Richter des Bundesfinanzhofs. Das ausführliche Urteil ist unter dem Aktenzeichen VI R 30/14 zu finden.

Mit anderen teilen