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Zahnarztkosten: So setzen Sie hohe Rechnung ab

Gebiss oder Zahnersatz: Welche Kosten die Krankenkasse übernimmt und wie Sie die Rechnungen von der Steuer absetzen, erfahren Sie in unserem Top Thema.

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Zahnarztkosten: So setzen Sie hohe Rechnung ab

Werner ist ein typischer "Silver Surfer": Der 63-Jährige ist Internet-affin, sportbegeistert und seit kurzem stolzer Besitzer eines brandneuen Motorrads. Kein Zipperlein plagt den umtriebigen Rentner – einzige Schwachstelle sind seine Zähne. "Das hab‘ ich von meiner Mutter", seufzt Werner immer dann, wenn ihm seine Freunde einen Spezialisten empfehlen oder gut gemeinte Tipps zur Zahnpflege geben.

Im letzten Jahr war es dann soweit: Werner ließ sich ein Zahnimplantat einsetzen. Stolze 1.900 Euro lautete die Rechnung für die Rekonstruktion seines Zahns. Werners erste Frage lautete: "Wie viel davon übernimmt meine Krankenkasse?"

Krankenkassen-Zuschuss: 50 Prozent der Standardlösung

Bis zum Jahr 2005 beteiligten sich die gesetzlichen Krankenkassen prozentual an den Kosten für eine individuelle zahnärztliche Versorgung. Je nach Bonus konnten das zwischen 50, 60 oder 65 Prozent der Behandlungskosten liegen.

Seit dem 1. Januar 2005 gilt eine andere Regel, es werden "befundbezogene Festzuschüsse" gezahlt. Die gesetzlichen Kassen gewähren jetzt nur 50 Prozent der Kosten für eine Standardlösung. Anders gesagt: Jeder Versicherte erhält bei gleichem Befund den gleichen Betrag. Entscheidet sich ein Patient für eine kostspieligere Behandlungsmethode, muss er die Differenz zum Kassenzuschuss selbst zahlen.

Immerhin, seit 2005 bezuschussen Krankenkassen auch den Einsatz von Implantaten.
Für Werner heißt das: Ob er sich für eine Brücke, eine Krone oder ein Zahnimplantat entscheidet, seine Kasse zahlt ihm den Festzuschuss für die Regelversorgung.

Übrigens:

Wie hoch die befundbezogenen Festzuschüsse für eine zahnmedizinische Versorgung sind, bestimmt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Leistungskatalog für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Als oberstes Beschlussgremium der Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen in Deutschland legt der G-BA damit für mehr als 70 Millionen Versicherte fest, in welcher Höhe bestimmte medizinische Versorgungsleistungen von den Kassen erstattet werden.

Rechenbeispiel: 325 Euro Zuschuss für 1.900 Euro-Zahnimplantate

Bevor sich Werner sein Zahnimplantat einsetzen ließ, schickte er den Heil- und Kostenplan seines Zahnarztes an die Krankenkasse. In diesem Plan stand, welches medizinische Problem bei Werner vorlag, für welche Behandlung er sich entschieden hatte und wie viel das kosten sollte. Wenige Tage später antwortete seine Krankenkasse und teilte ihm seinen befundbezogenen Festzuschuss mit:

  • 750 Euro setzte seine Kasse für die Regelversorgung einer Zahnlücke an, wie sie bei Werner vorlag.
  • 325 Euro erhielt Werner als befundbezogenen Festzuschuss (50 Prozent der Regelversorgung).
  • 1.575 Euro musste Werner selbst bezahlen.

Übrigens:

Wäre Werner in den letzten fünf Jahren regelmäßig zum Zahnarzt gegangen, hätte er sich einen Extra-Bonus seiner Krankenkasse in Höhe von 20 Prozent sichern können.

Eigenanteil: Komplett von der Steuer absetzen

Als Werner das Antwortschreiben seiner Krankenkasse erhalten hatte, war er mehr als enttäuscht. Nur 325 Euro Zuschuss – damit hatte er nicht gerechnet. Trotzdem entschied er sich für das kostspielige Implantat.

Zwei Dinge überzeugten Werner davon, sich für eine hochwertigere zahnmedizinische Versorgung zu entscheiden: Erstens gewährte ihm sein Zahnarzt eine Ratenzahlung und zweitens konnte er die 1.575 Euro als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

Alle selbst bezahlten Kosten absetzen

Für ihn wie für alle anderen Patienten auch gilt: Vom Zahnersatz über Zahnimplantate bis zum Knochenaufbau können alle selbst bezahlten Kosten in der Steuererklärung angegeben werden. So urteilte das Finanzgericht Berlin-Brandenburg im November 2007 (EFG 2008 S. 544).

Nach Auffassung der Richter handelt es sich bei Zahnimplantaten "nicht um vorbeugend angefallene Aufwendungen oder um Aufwendungen im Zusammenhang mit sogenannten alternativen oder Außenseitermethoden im Sinne von wissenschaftlich umstrittenen Methoden… Die Methode mit Implantaten ist neben der Möglichkeit einer herausnehmbaren Prothese …heute gängiger Standard und wird entsprechend auch in der Gebührenordnung der Zahnärzte behandelt."

Außergewöhnliche Belastung: Kosten auf einen Schlag angeben

Noch bevor Werner sich das Implantat einsetzen ließ, überlegte er: Sollte er die Ratenzahlung an seinen Zahnarzt über zwei Jahre verteilen? Und dementsprechend in zwei Steuererklärungen angeben? Oder wäre es sinnvoller, alle Kosten in einem einzigen Jahr zu zahlen und abzusetzen?

Unser Tipp: Zahlen Sie hohe Zahnarztrechnungen innerhalb eines Jahres, damit Sie die Kosten auf einen Schlag in Ihrer Steuererklärung angeben können. Das Gleiche gilt für alle anderen Ausgaben, die zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen, wie zum Beispiel die Zahnspange, Medikamente oder eine Kur.

Denn bei außergewöhnlichen Belastungen müssen Sie zunächst eine bestimmte Summe überschreiten, bevor Sie Geld absetzen können. Diese Summe wird die zumutbare Eigenbelastung genannt und anhand von Faktoren wie Familienstand oder Anzahl der Kinder berechnet.

Weil Ihre zumutbare Eigenbelastung jedes Jahr neu berechnet wird, müssen Sie jedes Jahr aufs Neue die finanzielle Grenze überschreiten. Liegen Sie über Ihrer zumutbaren Belastungsgrenze, wirkt sich jeder einzelne Euro steuerlich aus. Liegen Sie allerdings nur einen Cent unter Ihrer Eigenbelastung, können Sie nichts absetzen.

Deshalb: Sammeln Sie alles, was als außergewöhnliche Belastung gilt und setzen Sie Ihre Kosten auf einen Schlag ab. Weitere Details dazu erfahren Sie in unserem Steuer ABC Was sind außergewöhnliche Belastungen?

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