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Was muss ich alles rund ums Kindergeld wissen?

Fragen über Fragen: Wie beantragt man Kindergeld? In welcher Höhe gibt es Kindergeld? Wir haben die Antworten.

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Was muss ich alles rund ums Kindergeld wissen?

Nahrung, Windeln, Kleidung, Spielzeug, Bücher – um ein Kind großzuziehen, braucht man neben Liebe und Geduld auch viel Geld. Rund 120.000 Euro nehmen Eltern so im Schnitt in die Hand, bis ihr Kind volljährig ist. Das hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Um Familien zu fördern und Eltern unter die Arme zu greifen, gibt es vom Staat eine monatliche Finanzspritze: das Kindergeld. Der Staat möchte dadurch sicherstellen, dass Eltern immer genug Geld für lebenswichtige Dinge wie Essen oder Kleidung für ihr Kind haben.

Wer bekommt Kindergeld?

Der staatliche Zuschuss wird immer an die Person ausgezahlt, die das Kind in ihrem Haushalt aufgenommen hat. Das können neben den leiblichen Eltern auch die Stiefeltern, die Großeltern oder die Pflegeeltern sein.

Gibt es auch Kindergeld für adoptierte Kinder?

Ein adoptiertes Kind unterscheidet sich – rein rechtlich gesehen – nicht vom leiblichen Nachwuchs. Also steht Ihnen auch für ein adoptiertes Kind das monatliche Kindergeld zu.

Gibt es Kindergeld fürs Enkelkind?

Lebt ein Kind im Haushalt der Großeltern, haben Oma und Opa Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag – je nachdem, was für die Großeltern steuerlich günstiger ist. Doch auch wenn das Kind nicht im Haushalt der Großeltern lebt, sie dem Enkelkind aber eine Unterhaltsrente zahlen, steht Ihnen unter Umständen das Kindergeld zu. Damit das Kindergeld auf das Konto der Großeltern überwiesen wird, sollte der Elternteil, der bisher das Kindergeld bekommen hat, einen Antrag bei der Familienkasse stellen. Oder aber die Großeltern stellen den Antrag selbst und der Elternteil stimmt in einem formlosen Schreiben zu.

Bekomme ich das Kindergeld automatisch ab der Geburt meines Kindes?

Nein, Sie müssen das Kindergeld in der Regel bei der Familienkasse der Agentur für Arbeit beantragen. Die benötigten Formulare gibt es direkt bei der Familienkasse oder auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit.

Kann man Kindergeld auch nachträglich beantragen?

Wer vor lauter Aufregung über das Baby vergessen hat, den Antrag zu stellen, kann das auch nachträglich tun. Sie können das Kindergeld rückwirkend für die letzten vier Jahre und das aktuell laufende Jahr beantragen. Alle Ansprüche, die noch älter sind, sind allerdings verjährt.

Kindergelderhöhung

Das Kindergeld wird regelmäßig erhöht. Die nächste Erhöhung kommt am 1. Januar 2017. Dann wird das Kindergeld monatlich um jeweils 2 Euro je Kind angehoben. Das Kindergeld wird automatisch auf die neuen Beiträge erhöht, als Kindergeldberechtigter müssen Sie sich um nichts kümmern.


Wie ist die Höhe des Kindergelds?

Egal ob Tellerwäscher oder Millionär, jeder bekommt Kindergeld in gleicher Höhe. Denn der staatliche Zuschuss richtet sich nur nach der Anzahl der Kinder, nicht nach der Höhe des Einkommens. Für das erste und zweite Kind bekommt man monatlich je 190 Euro. Für das dritte Kind erhöht sich das Kindergeld auf 196 Euro, für jedes weitere Kind gibt es 221 Euro.

Ein Beispiel: Familie Schmidt hat drei Kinder. Sie bekommen monatlich 190 Euro + 190 Euro + 196 Euro, also insgesamt 576 Euro Kindergeld. Im Mai 2016 erblickte das vierte Kind der Familie das Licht der Welt. Das Kindergeld erhöhte sich damit für die gesamte Familie um 221 Euro auf 797 Euro monatlich.

Wann sind die Auszahlungstermine des Kindergelds?

Die Auszahlung des Kindergelds kann sowohl zu Beginn, Mitte oder Ende des Monats erfolgen. So finden Sie heraus, wann Sie mit der Auszahlung rechnen können: Die Familienkasse, manchmal auch Kindergeldstelle genannt, teilt Familien schriftlich eine Kindergeldnummer zu. Die Endziffer dieser Zahlenkolonne zeigt Ihnen, zu welchem Zeitpunkt die Überweisung des Kindergeldes erfolgt. Endet die Kindergeldnummer auf 0 oder 1, bekommen Sie das Geld am Monatsanfang überwiesen. Bei den Endziffern 2 bis 7 geht das Geld Mitte des Monats bei Ihnen ein, endet die Zahl auf 8 oder 9 am Monatsende.

Auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit können Sie einen Überweisungsplan finden. Der dort angegebene Überweisungstag ist gleichzeitig auch der Buchungstag, an dem das Kindergeld auf Ihrem Konto gutgeschrieben wird.

Gibt es eine Altersgrenze?

Grundsätzlich haben Eltern minderjähriger Kinder – also Kinder unter 18 Jahren – einen Anspruch auf Kindergeld. Unter bestimmten Voraussetzungen allerdings auch darüber hinaus, nämlich bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.

Mein Kind ist über 18 – in welchen Fällen gibt es trotzdem Kindergeld?

Bis zum 25. Geburtstag Ihres Kinders bekommen Sie Kindergeld, wenn...

  • ...Ihr Kind für einen Beruf ausgebildet wird oder studiert – auch bei der zweiten Ausbildung oder dem Zweitstudium.
  • ...Ihr Kind auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz warten muss.
  • ...Ihr Kind einen Freiwilligendienst wie das freiwillige soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst leistet.
  • ...Ihr Kind eine Pause von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungen macht. Die Familienkasse spricht hier von einer "Zwangspause".

Besondere Regelungen gibt es für Kinder mit Behinderung. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Kind mit Behinderung: Diese Steuervergünstigungen gibt es.

Übrigens:

Der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, hat am 03. September 2015 entschieden, dass ein konsekutives Masterstudium Teil der Erstausbildung sein kann. Die Konsequenz dieses Urteils ist, dass Ihnen als Eltern auch im konsekutiven Masterstudium Ihres Kindes noch Kindergeld zusteht. Was konsekutiv bedeutet? Nun, es meint, dass Ihr Kind nach Abschluss eines Bachelorstudiums ein Masterstudium beginnt, dass inhaltlich und zeitlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist.

Muss ich das Kindergeld für Kinder unter 25 Jahren erneut beantragen?

Leider ja. Ihr Anspruch auf Kindergeld endet automatisch mit Ablauf des Monats, in dem Ihr Kind das 18. Lebensjahr vollendet. Sie können zwar unter den oben genannten Voraussetzungen auch über den 18. Geburtstag Ihres Kindes hinaus Kindergeld bekommen, müssen dafür aber der Familienkasse einen Nachweis bringen und das Kindergeld erneut beantragen. Die Familienkasse schickt Ihnen dann einen schriftlichen Kindergeldbescheid zu.

Gibt es auch Kindergeld für ein Kind mit Nebenjob?

Nehmen wir einmal an, Ihr Kind steckt mitten im ersten Studium und jobbt nebenbei in einem Café, um sich etwas dazuzuverdienen. Gute Nachricht für Sie als Eltern: Ist das Studium die erste Berufsausbildung Ihres Kindes, ist es egal, wie viel Geld es im Nebenjob verdient. Sie haben auf jeden Fall Anspruch auf Kindergeld.

Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn Ihr Kind eine zweite Berufsausbildung macht. Wenn Sie als Eltern weiterhin Kindergeld erhalten wollen, darf der Nachwuchs nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten. Sonst gilt der Nebenjob als Haupttätigkeit – damit entfällt der Anspruch auf Kindergeld.

Übrigens:

Im Zweitstudium ist die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit entscheidend. Das bedeutet: Im Durchschnitt darf Ihr Kind maximal 20 Wochenstunden arbeiten. Es kann also auch in einer Woche mehr als 20 Stunden arbeiten, wenn es in der darauffolgenden Woche entsprechend weniger als 20 Stunden arbeitet.

Mein Kind arbeitet und studiert berufsbegleitend. Bekomme ich Kindergeld?

Die erste Ausbildung ist fertig, das Kind berufstätig – jetzt bekommen Eltern kein Kindergeld mehr. Auch dann nicht, wenn das Kind ein berufsbegleitendes Studium beginnt.

Mein Kind ist zwar unter 25, aber verheiratet. Und nun?

Ist Ihr Kind unter 25 Jahren alt, erlernt gerade einen Beruf und heiratet, steht Ihnen trotzdem Kindergeld zu. Ob Ihr Kind verheiratet ist oder nicht, spielt keine Rolle. Das hat der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, entschieden. Doch hier gelten die gleichen Regeln wie oben: Ist das Kind in der ersten Ausbildung, kann es nebenbei so viel verdienen, wie es möchte – Sie bekommen weiterhin Kindergeld. Steckt das Kind allerdings in der zweiten Ausbildung und arbeitet mehr als 20 Wochenstunden, erlischt Ihr Anspruch auf Kindergeld.

Gibt es Kindergeld für arbeitslose Kinder?

Bis zum 21. Lebensjahr bekommen Sie auch für ein Kind, das arbeitslos ist, Kindergeld. Voraussetzung: Ihr Kind ist bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet.

Brauche ich die Steuer-ID meines Kindes?

Ja, Sie müssen die Steuer-Identifikationsnummer Ihres Kindes in der Anlage Kind Ihrer Steuererklärung eintragen. Seit 1. Januar 2016 müssen Sie Ihre und die Steuer-ID Ihres Kindes übrigens auch bei der Familienkasse angeben. Die Familienkasse möchte durch die Steuer-ID sicherstellen, dass Doppelzahlungen vermieden werden.

Falls Sie schon Kindergeld beziehen, solllten Sie im Laufe des Jahres 2016 die erforderlichen Angaben schriftlich an Ihre Familienkasse weitergeben – sonst gibt es künftig kein Kindergeld mehr.

Sie können die Steuer-ID Ihres Kindes nicht finden? Unser Artikel Was ist eine Steuer-ID und wo bekomme ich die her? erklärt Ihnen, wie Sie an die Steuer-ID Ihres Kindes kommen.

Übrigens:

Die Beraterinnen und Berater der VLH beantworten im Rahmen einer Mitgliedschaft alle Fragen zum Thema Kindergeld – das ganze Jahr über ohne Aufpreis. Sie übernehmen sogar den Antrag auf Kindergeld für Sie. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

Was ist der Kinderfreibetrag?

Wer Kindergeld bekommt, hat auch das Recht auf den sogenannten Kinderfreibetrag. Allerdings kann man nicht beides haben: Entweder Sie bekommen Kindergeld oder den Kinderfreibetrag. Das Finanzamt prüft, was für Sie finanziell günstiger ist. Wie das funktioniert, zeigt unsere Infografik: 

 

Und was ist der Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag ist eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für Geringverdiener. Kinderzuschlag gibt es, ähnlich dem Kindergeld, für Kinder unter 25 Jahre, die unverheiratet sind und im Haushalt der Eltern leben. Außerdem müssen Sie folgende Voraussetzungen erfüllen, um den Kinderzuschlag zu erhalten:

  • Sie müssen Anspruch auf Kindergeld haben.
  • Sie als Eltern erreichen die Mindesteinkommensgrenze von 900 Euro für Ehepaare, bzw. 600 Euro für Alleinerziehende.
  • Ihr Einkommen übersteigt nicht Ihre persönliche Höchsteinkommensgrenze, die die Familienkasse individuell berechnet.
  • Sie dürfen kein Arbeitslosengeld II bekommen.

Haben Sie Anspruch auf Kinderzuschlag, bekommen Sie seit 01.07.2016 bis zu 160 Euro je Kind und Monat zusätzlich ausbezahlt. (Bis zum 30.06.2016 waren es höchstens 140 Euro pro Kind und Monat.)

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