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Photovoltaik: Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Umsatzsteuer

Wer mit einer Photovoltaikanlage zum Stromproduzenten wird, muss dafür Steuern zahlen. Wir erklären, wann welche Steuer anfällt und wie Sie am günstigsten fahren.

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Photovoltaik: Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Umsatzsteuer

Die meisten Besitzer einer Photovoltaikanlage speisen einen Teil des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz ein und erhalten dafür eine Vergütung. Dieser Stromverkauf gilt als gewerbliche Tätigkeit, die versteuert werden muss.

Wann müssen Sie Einkommensteuer zahlen?

Für die Einkommensteuer ist ausschlaggebend, ob Sie mit Ihrer Photovoltaik auf 20 Jahre Betriebszeit einen Gewinn oder Verlust erzielen werden. Dazu werden die Einnahmen durch den Stromverkauf den Ausgaben gegenübergestellt. Die Ausgaben setzen sich aus Anschaffungs- und Betriebskosten der Anlage zusammen.

Sind die Einnahmen höher als die Ausgaben, hält das Finanzamt die Hand auf. Machen Sie mit Ihrer Anlage jedoch insgesamt einen Verlust, wird sie zur „Liebhaberei“ erklärt. Eine Steuererstattung gibt es in diesem Fall nicht. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn Sie glaubhaft machen können, dass Sie Ihre Anlage nicht mit einer Gewinnerzielungsabsicht betreiben, sondern aus Liebhaberei, dann zahlen Sie keine Einkommensteuer.

Hintergrund:

Ältere Photovoltaikanlagen wurden wegen der höheren Zuschüsse immer mit Gewinnerzielungsabsicht errichtet. Das gilt heute so nicht unbedingt. Ob das Finanzamt Ihre Anlage als „Liebhaberei“ anerkennt, liegt jedoch im Ermessen des Amtes.

Etwas verwirrend ist, dass es für den Begriff „gewerbliche Tätigkeit“ zwei Geltungsbereiche gibt: Laut Gewerberecht benötigen Sie in der Regel keinen Gewerbeschein, es sei denn, Sie erzielen einen Gewinn von mehr als 24.500 Euro jährlich. Dann kassiert die Gemeinde – und nicht der Bund – Gewerbesteuer. Im Bereich Steuerrecht werden auf alle gewerblichen Tätigkeiten Steuern fällig, und zwar unabhängig vom Gewerbeschein. 

Wann wird für die Photovoltaikanlage Umsatzsteuer fällig?

Wenn Sie regelmäßig Teile des erzeugten Stroms ins Netz einspeisen, müssen Sie für die Einspeisevergütung, die Sie erhalten, 19 Prozent Umsatzsteuer abführen. Das betrifft auch den von Ihnen selbst verbrauchten Strom. Die Umsatzsteuer ist unabhängig von etwaigen Gewinnen oder Verlusten, die Sie mit Ihrer Photovoltaikanlage machen.
Soweit der Grundsatz. Als privater Betreiber einer PV-Anlage haben Sie jedoch die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:

  1. Regelbesteuerung: Sie erheben Umsatzsteuer auf den ins Netz eingespeisten Strom. Auch für den von Ihnen selbst verbrauchten Strom zahlen Sie Umsatzsteuer. Die Steuer für den eingespeisten Strom holen Sie sich vom Netzbetreiber zurück (Sie schlagen sie auf Ihre Rechnung drauf).
    Dazu müssen Sie in den ersten beiden Jahren eine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung machen. Zusätzlich ist jährlich eine Umsatzsteuererklärung fällig.
    Der Vorteil: Sie können die Vorsteuer absetzen. Das heißt, die Mehrwertsteuer, die Sie bei der Anschaffung der Anlage und für die Betriebskosten zahlen mussten, wird Ihnen vom Finanzamt erstattet. Betriebskosten sind zum Beispiel Handwerkerkosten für Wartung und Reparatur, die Versicherungen der Anlage oder auch für die Reinigung.
    Anschaffungskosten können Sie über 20 Jahre abschreiben – also jedes Jahr ein Zwanzigstel oder fünf Prozent des Anschaffungspreises.

    Zusammengefasst: Sie zahlen Umsatzsteuer auf den eingespeisten Strom – diese holen Sie sich beim Netzbetreiber zurück. Sie zahlen ebenfalls Umsatzsteuer auf den selbst verbrauchten Strom – dieses Geld ist weg, das bekommen Sie nicht erstattet. Aber Sie können die Vorsteuer für Kauf und Betrieb der Anlage vom Finanzamt zurückfordern.

  2. Kleinunternehmerregelung: Sie können sich beim Finanzamt als Kleinunternehmer einstufen lassen, wenn Sie folgende Voraussetzung erfüllen: Im Anschaffungsjahr wird der Umsatz der Photovoltaikanlage voraussichtlich nicht höher als 17.500 Euro und im Folgejahr nicht höher als 50.000 Euro (geschätzt).
    In diesem Fall erhebt das Finanzamt keine Umsatzsteuer. Sie sparen sich viele Formalitäten. Auf den ins Netz eingespeisten Strom dürfen Sie dann keine Umsatzsteuer erheben.
    Der Nachteil: Sie können keinen Vorsteuer-Abzug geltend machen. Das heißt, die Mehrwertsteuer, die bei Anschaffung und Betrieb der Anlage von Ihnen gezahlt wurde, wird nicht erstattet.

    Zusammengefasst: Sie lassen sich als Kleinunternehmer einstufen, sparen sich den Papierkram, zahlen keine Umsatzsteuer und müssen für den eingespeisten Strom auch keine Steuer verlangen. Dafür bleiben alle Ihre Kosten in vollem Umfang bei Ihnen, Sie erhalten keine Vorsteuer-Erstattung vom Finanzamt.

Photovoltaik, Fotovoltaik, Solaranlage… was ist richtig?

Die richtige Schreibweise: Der Duden empfiehlt bei Fotovoltaik die Schreibung mit F – aber weitaus gängiger ist die alte Rechtschreibung mit Ph.
Der Unterschied zwischen Solaranlage und Photovoltaik: Eine Solaranlage erzeugt warmes Wasser durch Sonnenwärme. Eine Photovoltaikanlage dagegen erzeugt Strom. Genau genommen sind beides Solaranlagen, denn beide erzeugen etwas aus Sonnenenergie. Aber es haben sich die getrennten Begriffe etabliert.
Die Solaranlage ist immer für den Eigengebrauch gedacht. Es hätte wenig Sinn, warmes Wasser in ein öffentliches Wassernetz einzuspeisen. Die Photovoltaikanlage (abgekürzt PV-Anlage) erzeugt im Sommer und an sonnigen Tagen meist mehr Strom als verbraucht werden kann. Daher hat sie oft einen Anschluss ans öffentliche Netz. Manche Betreiber speisen ausschließlich ins Netz ein und nutzen den Sonnenstrom gar nicht selbst – das gilt vor allem für ältere Anlagen.

Was ist günstiger? Kleinunternehmerregelung oder Regelbesteuerung?

Für die allermeisten Besitzer einer „haushaltsüblichen“ neueren Photovoltaikanlage mit hohem Eigenverbrauch ist es am günstigsten, zunächst die Regelbesteuerung zu wählen. An diese bleiben Sie für fünf Jahre gebunden. So erhalten Sie die Vorsteuer für die Anschaffungs- und Betriebskosten zurück. Nach Ablauf der fünf Jahre sollten Sie dann zur Kleinunternehmerregelung wechseln. Der Wechsel ist immer zum 1. Januar des Folgejahres möglich.

Nicht wechseln, sondern bei der Regelbesteuerung bleiben sollten Sie, wenn Sie vergleichsweise hohe Betriebskosten haben und wenig Strom selbst verbrauchen.

Rechnerisch gilt: Ist die Vorsteuer höher als die zu zahlende Umsatzsteuer, lohnt sich die Regelbesteuerung. Das ist beispielsweise bei geringem Eigenverbrauch der Fall.

Umgekehrt sollten Sie die Kleinunternehmerregelung wählen, wenn Sie eine vergleichsweise hohe Umsatzsteuer zu zahlen hätten und einen geringeren Vorsteuerbetrag geltend machen könnten. Wenn Sie also viel Strom selbst verbrauchen und niedrige Anlagenkosten haben. Das wäre auch der Fall, wenn in den kommenden Jahren die Photovoltaikanlagen in der Anschaffung immer günstiger werden und gleichzeitig der Strompreis steigt.

Konkret: So gehen Sie bei der Besteuerung der PV-Anlage vor

  1. Beim Finanzamt anmelden: Melden Sie die Installation der Photovoltaikanlage dem Finanzamt. Sie erhalten dann einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.

  2. Beim Ordnungsamt absichern: Erkundigen Sie sich bei Ihrem Ordnungsamt, ob für die Sonnenstromanlage eine Gewerbeanmeldung nötig ist. Meist ist das nicht der Fall. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, fragen Sie lieber schriftlich als telefonisch nach.

  3. Steuererklärung mit Anlage G: Mit der jährlichen Einkommensteuererklärung müssen Sie jetzt auch die Anlage G ausfüllen. Dort tragen Sie den Umsatz aus verkauftem Solarstrom, Betriebskosten, Wertverlust der Anlage und den Wert des selbst verbrauchten Stroms ein. Für letzteren haben Sie die Wahl, ob Sie den Marktwert einer Kilowattstunde Strom ansetzen oder Ihre persönlichen Erzeugungskosten.

  4. Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR): Für die genaue Einnahmen-Überschuss-Rechnung müssen Sie ein gesondertes Formular verwenden, das Sie im Elster-Portal herunterladen können.

  5. Anlage AVEÜR zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Zusätzlich zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung müssen Sie die Anlage AVEÜR ausfüllen. AV steht in diesem Fall für Anlagevermögen. In diesem Formular können Sie die „Abschreibung für Abnutzung“ (AfA) eintragen. Ihre Photovoltaikanlage dürfen Sie hier über 20 Jahre abschreiben – das heißt, jedes Jahr ein Zwanzigstel des Anschaffungspreises geltend machen.

  6. Umsatzsteuererklärung für die PV-Anlage: Wenn Sie Umsatzsteuer zahlen, müssen Sie eine Umsatzsteuererklärung machen. In das entsprechende Formular tragen Sie Ihre Netto-Einkünfte und die gezahlten Vorsteuern ein. In den ersten zwei Jahren nach der Anschaffung der Photovoltaikanlage müssen Sie außerdem eine monatliche Vorsteueranmeldung machen. Dort tragen Sie ein, wieviel Mehrwertsteuer Sie gezahlt haben, um Ihre Anlage zu betreiben.
    Auch wenn Sie die Kleinunternehmerregelung gewählt haben, verlangt das Finanzamt in der Regel eine Umsatzsteuererklärung. Diese fällt dann aber deutlich einfacher aus, Sie müssen nur zwei Zahlen eintragen.

  7. Selbst verbrauchten Strom berechnen: Auf den selbst verbrauchten Strom müssen Sie ebenfalls Umsatzsteuer zahlen. Wieviel Strom Sie verbraucht haben, können Sie mit einem separaten Zähler erfassen. Einen solchen Zähler brauchen Sie auf jeden Fall, wenn die Anlage eine Leistung von mehr als zehn Kilowatt hat. Ist die Anlage kleiner, genügt es, zweimal im Jahr den Wert des Einspeisezählers und die insgesamt erzeugte Strommenge (die der Wechselrichter anzeigt) zu notieren. Ziehen Sie den Einspeisewert vom Gesamtwert ab, um die von Ihnen verbrauchte Strommenge zu berechnen. Hierauf müssen Sie 19 Prozent Steuer entrichten. Den Wert der Kilowattstunde Strom müssen Sie so ansetzen wie Ihr Energieversorger, von dem Sie den zusätzlichen Strom beziehen, wenn Ihre Anlage nicht genügend Energie liefert.

Wichtig:

Lohnsteuerhilfevereine dürfen Steuerpflichtige nicht beraten, wenn sie Einkünfte aus Gewerbebetrieb haben. Das trifft auch auf Besitzer eine Photovoltaikanlage zu. (Beratungsbefugnis, § 4 Nr. 11 StBerG). Bei Fragen zur Besteuerung Ihrer Anlage wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater.

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Quellen

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