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Künstliche Befruchtung von der Steuer absetzen

Ob IUI, IVF oder ICSI, es gibt viele Methoden der künstlichen Befruchtung – doch alle sind teuer. Immerhin können Sie unter Umständen die Kosten absetzen.

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Künstliche Befruchtung von der Steuer absetzen

Der Traum vom eigenen Baby bleibt für manche Paare auf natürlichem Weg unerfüllt. Eine künstliche Befruchtung kann eine Chance sein, den Kinderwunsch dennoch zu erfüllen. Doch so unterschiedlich wie die Gründe einer Unfruchtbarkeit, sind auch die Methoden der künstlichen Befruchtung. Und: Jede Methode hat ihren Preis. Wir geben einen Überblick über die gängigsten Methoden und durchschnittliche Kosten:

  • Die am häufigsten angewendete Methode ist die Insemination (IUI), also eine Samenübertragung. Kostenpunkt: ab 100 Euro zuzüglich Kosten für Medikamente.
  • Eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) ist eine Befruchtung im Reagenzglas und damit aufwendiger. Kostenpunkt rund 1.500 Euro inklusive Medikamente.
  • Die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) bietet sich vor allem für Paare an, bei denen die Fruchtbarkeit des Mannes stark eingeschränkt ist. Kostenpunkt rund 1.800 Euro inklusive Medikamente.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel nur einen Teil der Kosten – nämlich 50 Prozent der mit dem Behandlungsplan genehmigten Kosten. Es gibt allerdings auch Krankenkassen, die bis zu 100 Prozent der Kosten übernehmen. Grundsätzlich müssen aber bei allen Kassen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Nur verheiratete Paare bekommen einen Zuschuss.
  • Beide Partner müssen mindestens 25 Jahre alt sein.
  • Die Frau darf nicht älter als 40 Jahre, der Mann nicht älter als 50 Jahre sein.
  • Der behandelnde Arzt muss der Überzeugung sein, dass „hinreichend Aussicht auf Erfolg besteht“.

In der Regel zahlen die Krankenkassen maximal drei Behandlungszyklen.

Kosten der künstlichen Befruchtung von der Steuer absetzen

Egal ob IUI, IVF oder ICSI, wer einen Teil der Kosten der künstlichen Befruchtung selbst tragen muss, kann die Ausgaben in seiner Steuererklärung eintragen – und zwar als außergewöhnliche Belastung. Denn steuerlich gesehen gehören die Kosten einer künstlichen Befruchtung zu den Krankheitskosten. Das ist deshalb so wichtig, weil so die Kosten für die IUI, IVF oder ICSI als „Heilbehandlung“ gelten. Genau wie bei einer Physiotherapie oder Kur können alle Kosten rund um die Heilbehandlung – dazu zählen die Behandlung selbst, Kosten für Medikamente und Fahrten – von der Steuer abgesetzt werden. Eingetragen werden die Kosten im Mantelbogen auf Seite 3. Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie die Kosten in Ihrer Steuererklärung eintragen müssen, wenden Sie sich an eine Beraterin oder einen Berater der VLH. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche

Übrigens:

Es spielt seit Ende 2010 keine Rolle mehr, ob die Ehefrau empfängnisunfähig oder der Mann zeugungsunfähig ist – die Kosten der Kinderwunschbehandlung können in beiden Fällen abgesetzt werden. Das war früher nicht so. War der Mann zeugungsunfähig, konnten die Kosten der künstlichen Befruchtung mit dem Samen eines fremden Dritten nicht in die Steuererklärung eingetragen werden.

Künstliche Befruchtung bei unverheirateten Paaren

Ist ein Paar nicht verheiratet, dürfen die Kosten für eine In-Vitro-Fertilisation als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden – das hat der Bundesfinanzhof 2007 entschieden. Wichtig: Unverheiratete Paare müssen darauf achten, dass die Behandlungsmethode mit den Richtlinien der Berufsordnung für Ärzte in Einklang steht. Der behandelnde Arzt muss demnach davon überzeugt sein, dass das Paar in einer „festgefügten Partnerschaft“ lebt und der Mann die Vaterschaft anerkennen wird. Es darf nur der Samen des Partners verwendet werden.

Künstliche Befruchtung bei gleichgeschlechtlichen Paaren

2015 hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft die Kosten für eine IVF nicht als außergewöhnliche Belastung absetzen können. Die Richter begründeten die Entscheidung damit, dass die Kinderlosigkeit der Frau maßgeblich darin begründet sei, „dass sie in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, in der die Zeugung eines Kindes auf natürlichem Wege ausgeschlossen ist“. Das Finanzgericht Münster hat die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen. Jetzt muss der Bundesfinanzhof entscheiden: Aktenzeichen VI R 47/15.

Künstliche Befruchtung im Ausland

Wer sich für die Kinderwunschbehandlung eine Klinik im Ausland – zum Beispiel Dänemark oder Tschechien – aussucht, kann die Kosten grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung absetzen. Aber: Die Behandlung im Ausland darf nicht gegen das deutsche Embryonenschutzgesetz verstoßen. Behandlungen, die nach dem Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten sind, können auch nicht in der Steuererklärung eingetragen werden. Das haben mehrere Finanzgerichte in den vergangenen Jahren immer wieder betont.

Übrigens:

Eine Abgeordnete der Partei DIE LINKE stellte kürzlich die Frage, warum die Kosten einer künstlichen Befruchtung absetzbar, die Kosten einer Adoption hingegen nicht absetzbar seien und ob somit nicht eine Diskriminierung zu Lasten von Adoptionen bewirkt werde. Diese Frage beantwortete der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Michael Meister am 08.12.2015 (Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode, Drucksache 18/6997).

In Kürze: Entstehen einem Ehepaar aufgrund organisch bedingter Sterilität eines Partners Kosten für eine Adoption, ist das steuerlich irrelevant, weil keine medizinische Leistung vorliegt, „mit der die Krankheitsfolge der Kinderlosigkeit überwunden wird.“

 

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