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Was sind Zählkinder?

Kinder, die beim Ex-Partner leben, sind sogenannte Zählkinder – und können den Anspruch auf Kindergeld erhöhen.

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Was sind Zählkinder?

Eins vorweg: Kindergeld bekommt immer nur ein Erwachsener aufs Konto überwiesen – also in der Regel Mutter oder Vater. Im Amtsdeutsch ist das der "vorrangig berechtigte Elternteil". Aber der zweite Elternteil geht nicht ganz leer aus: Das Kind zählt als sogenanntes Zählkind. Nein, das ist kein Schreibfehler. Das Zählkind bezieht sich auf das Verb "zählen" und ist sozusagen eine rechnerische Größe.

Wie sieht eine konkrete Beispielrechnung aus?

Lisa und Daniel haben zwei gemeinsame Kinder. Doch die Ehe scheitert. Daniel zieht aus, die Kinder bleiben bei Lisa. Sie bekommt monatlich Kindergeld in Höhe von:
190 Euro + 190 Euro = 380 Euro.

Wenige Jahre später ist Daniel glücklich mit Nina verheiratet und hat auch mit ihr zwei gemeinsame Kinder. Die beiden Kinder aus erster Ehe sind nun Zählkinder. Dadurch gelten die beiden neuen Sprösslinge aus der Ehe mit Nina nicht als Kind eins und zwei, sondern als Kind drei und vier. Beantragt Daniel das Kindergeld, sieht die Rechnung entsprechend so aus:

196 Euro + 221 Euro = 417 Euro

Fazit: Nina und Daniel bekommen durch die Zählkinder-Regelung 37 Euro Kindergeld pro Monat mehr. Das sind im Jahr immerhin 444 Euro.

Was bringt mir diese Regelung?

Durch die Zählkinderregelung bekommen Sie mehr Kindergeld. Für Zählkinder bekommen Sie zwar kein Kindergeld, sie verschieben aber die Reihenfolge der Kinder, so dass für jüngere Kinder der jeweils höhere Kindergeldsatz gezahlt wird.

 

Übrigens:

Beim Kindergeld kommt es nicht etwa auf die Höhe des Einkommens an, sondern nur auf die Anzahl der Kinder. Für die ersten beiden Kinder gibt es je 190 Euro, für das dritte 196 Euro und das vierte 221 Euro monatlich.

Muss man bei der Zählkind-Regelung etwas beachten?

Ja, Sie müssen darauf achten, wer der vorrangig berechtigte Partner ist und somit das Kindergeld bezieht. In unserem Beispiel mit Nina und Daniel muss Daniel der Kindergeldberechtigte für seine jüngeren Kinder sein, damit die Kinder aus erster Ehe als Zählkinder angerechnet werden. Wäre Nina an seiner Stelle, würden sie nur Kindergeld für die beiden gemeinsamen Kinder bekommen – ohne Rücksicht auf die Zählkinder.

Wie läuft das bei einer Patchworkfamilie?

Bei Stieffamilien, neudeutsch Patchworkfamilien genannt, bringen oft beide Partner Kinder mit in die neue Ehe. Dann funktioniert das alles ein bisschen anders. Hier kann es sich lohnen, eine sogenannte Berechtigtenbestimmung festzulegen. Was das bedeutet, zeigt ein weiteres Beispiel:

Marie ist geschieden und hat aus erster Ehe drei Kinder. Sie heiratet den Witwer Christian, der eine Tochter in die Ehe mitbringt. Marie bekommt für ihre drei Kinder 576 Euro Kindergeld im Monat, Christian für seine Tochter 190 Euro. Der Patchworkfamilie stehen also monatlich 766 Euro Kindergeld zu.

Legen die beiden nun durch eine Berechtigtenbestimmung fest, dass Marie auch das Kindergeld für Christians Tochter bekommt, erhöht sich das monatliche Kindergeld. Christians Tochter ist dann rechnerisch das vierte Kind – für das es 221 Euro gibt. Die Familie bekommt also monatlich 797 Euro. Das sind immerhin 31 Euro mehr pro Monat, aufs Jahr gerechnet ein Vorteil von 372 Euro.

Wo kann ich die Berechtigtenbestimmung beantragen?

Die Berechtigtenbestimmung muss schriftlich bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. Aber Achtung: Bei einer Trennung bekommt wieder der Elternteil das Kindergeld, der gemeinsam mit dem Kind in einem Haushalt lebt.

Die Themen Zählkind und Berechtigtenbestimmung sind recht komplex. Bei tiefer gehenden Fragen stehen Ihnen unsere Beraterinnen und Berater gerne zur Verfügung. Werden Sie Mitglied und finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

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