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Poker: Gewinne sind steuerpflichtig

Der Bundesfinanzhof hat entschieden: Bei Gewinnen aus Pokerturnieren kann Einkommensteuer fällig werden. Lesen Sie mehr!

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Poker: Gewinne sind steuerpflichtig

In Deutschland zählt Poker zu den Glücksspielen, genau wie beispielsweise Lotto oder Sportwetten. Da vor allem das Glück über Sieg oder Niederlage entscheidet, sind die Gewinne steuerfrei. So die Rechtslage bisher. Entsprechend schockiert waren deutsche Pokerspieler, als das Finanzgericht (FG) Köln 2012 verkündete, sie müssen auf Poker-Gewinne Steuern zahlen. Einen Schritt weiter gingen sogar die Kollegen des FG Münster: In ihren Augen unterliegen Poker-Gewinne sogar der Umsatzsteuer. Eine endgültige Entscheidung zu diesem Thema muss der Bundesfinanzhof (BFH), Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, fällen.

BFH: Gewinne können steuerpflichtig sein

Und zumindest für den Fall des FG Köln liegt seit September 2015 eine Entscheidung des BFH vor. Die Richter sind sich einig, dass "Gewinne aus der Teilnahme an Pokerturnieren als Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen können". Damit bestätigt der BFH die Entscheidung des FG Köln aus 2012 und folgt der Begründung der Nordrhein-Westfalen.

FG Köln: Gewinne nur dank persönlicher Fähigkeiten

Wie das FG Köln begründete? Nun, die Richter aus Köln waren sich sicher, dass der Pokerspieler im verhandelten Fall die Preisgelder überwiegend dank seiner Fähigkeiten gewonnen habe – und dass die Siege weniger vom Zufall abhängig seien. Konsequenz: Poker ist kein Glücksspiel, sondern eher ein Geschicklichkeitsspiel. Der Spieler mit den besten analytischen und psychologischen Fähigkeiten gewinne, so das FG Köln.

Hobbyspieler haben Glück, bei Profis liegen die Karten anders

Da der Pokerspieler "über Jahre hinweg erfolgreich an namhaften, mit hohen Preisgeldern dotierten Turnieren" teilgenommen habe, sei er ein Profispieler und die Gewinne steuerpflichtig, so die Einschätzung der Richter aus Köln. Gewinnt hingegen ein Hobbyspieler eher zufällig, so bleibt der Gewinn nach wie vor steuerfrei.

FG Münster: Zweiter Fall in Sachen Poker

Doch nicht nur die Richter aus Köln mussten sich mit dem Thema Pokern und Steuern auseinandersetzen. Auch die Kollegen aus Münster bekamen einen solchen Fall auf den Tisch: Ein Mann nahm über einen Zeitraum von mindestens neun Jahren an Pokerturnieren, Cash-Games und Internetveranstaltungen teil. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit den Preisgeldern, die er gewann – denn bei seinem Arbeitgeber hatte er unbezahlten Urlaub genommen. Allerdings gab er die Gewinne nicht in der Steuererklärung an.

Finanzamt führte Betriebsprüfung durch und schätzte die Gewinne

Womit der Spieler anscheinend nicht gerechnet hatte: Auch die Beamten des Finanzamts surfen im Internet… Und genau dort fanden Sie ein Video-Interview mit dem Spieler und wurden auf seine Gewinne aufmerksam. Daraufhin führten die Beamten eine Betriebsprüfung durch und schätzten die Umsätze des Pokerspielers. Er klagte gegen dieses Vorgehen, doch die Richter des Finanzgerichts Münster lehnten die Klage ab. Durch die Teilnahme an den Turnieren habe der Pokerspieler eine Leistung erbracht und wollte Geld gewinnen – entsprechend sei er als Unternehmer anzusehen. Und damit wird Umsatzsteuer fällig.

Urteil aus Münster noch offen

Mit dem Urteil aus Münster muss sich der BFH noch befassen – und eine endgültige Entscheidung treffen. Für viele Beobachter eine spannende Angelegenheit. Denn zum einen betrifft es hunderte andere Pokerspieler deutschlandweit, zum anderen hat die Entscheidung auch steuerrechtliche Konsequenzen.

In Zukunft Verluste geltend machen?

Zurück zum Urteil der Kölner Richter und des BFH. Offen bleibt nun eine Frage: Wenn das Pokern als zu versteuerndes Gewerbe gehandelt wird, können dann auch die Verluste in die Steuererklärung eingetragen werden? Es bleibt also spannend.

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