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Poker: Gewinne sind steuerpflichtig

Einkommensteuer oder sogar Umsatzsteuer? Welche Steuern bei Gewinnen aus Pokerturnieren fällig werden, zeigen wir Ihnen hier!

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Poker: Gewinne sind steuerpflichtig

Der 31.10.2012 wird vielen Pokerspielern lange im Gedächtnis bleiben. Denn an diesem Tag entschied das Finanzgericht (FG) Köln, dass erfolgreiche Pokerspieler auf die Poker-Gewinne Steuern zahlen müssen. Ein schwerer Schlag für alle Pokerspieler, denn bis zu diesem folgenschweren Urteil zählte Poker – genau wie Lotto – zu den Glücksspielen. Da vor allem das Glück bei einem solchen Spiel über Sieg oder Niederlage entscheidet, sind die Gewinne steuerfrei.

Einige Jahre später ging das FG Münster sogar noch einen Schritt weiter: In den Augen der Richter unterliegen Poker-Gewinne sogar der Umsatzsteuer. Beide Urteile wanderten vor den Bundesfinanzhof (BFH), Deutschlands höchstes Gericht für Steuern. Wir zeigen Ihnen, welche Entscheidung final gefällt wurde und wie Sie Gewinne aus einem Pokerspiel richtig versteuern.

BFH: Poker-Gewinne können steuerpflichtig sein

Kurz zur Erinnerung: Die Richter aus Köln entschieden, dass Gewinne aus Pokerspielen steuerpflichtig sind. Und das sieht auch der BFH so. Die Richter sind sich einig, dass „Gewinne aus der Teilnahme an Pokerturnieren als Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen können“. Damit bestätigt der BFH die Entscheidung des FG Köln aus 2012 und folgt der Begründung der Nordrhein-Westfalen.

Gewinne nur dank persönlicher Fähigkeiten

Wie das FG Köln begründete? Nun, die Richter aus Köln waren sich sicher, dass der Pokerspieler im verhandelten Fall die Preisgelder überwiegend dank seiner Fähigkeiten gewonnen habe – und dass die Siege weniger vom Zufall abhängig seien. Konsequenz: Poker ist kein Glücksspiel, sondern eher ein Geschicklichkeitsspiel. Der Spieler mit den besten analytischen und psychologischen Fähigkeiten gewinne, so das FG Köln.

Hobbyspieler haben Glück, bei Profis liegen die Karten anders

Da der Pokerspieler „über Jahre hinweg erfolgreich an namhaften, mit hohen Preisgeldern dotierten Turnieren“ teilgenommen habe, sei er ein Profispieler und die Gewinne steuerpflichtig, so die Einschätzung der Richter aus Köln. Gewinnt hingegen ein Hobbyspieler eher zufällig, so bleibt der Gewinn nach wie vor steuerfrei.

Umsatzsteuer auf Pokergewinne?

Doch wie gesagt haben sich nicht nur die Kölner mit dem Thema Poker und Steuern auseinander gesetzt. Auch die Kollegen aus Münster bekamen einen solchen Fall auf den Tisch: Ein Mann nahm über einen Zeitraum von mindestens neun Jahren an Pokerturnieren, Cash-Games und Internetveranstaltungen teil. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit den Preisgeldern, die er gewann – denn bei seinem Arbeitgeber hatte er unbezahlten Urlaub genommen. Allerdings gab er die Gewinne nicht in der Steuererklärung an.

Finanzamt führte Betriebsprüfung durch und schätzte die Gewinne

Womit der Spieler anscheinend nicht gerechnet hatte: Auch die Beamten des Finanzamts surfen im Internet… Und genau dort fanden Sie ein Video-Interview mit dem Spieler und wurden auf seine Gewinne aufmerksam. Daraufhin führten die Beamten eine Betriebsprüfung durch und schätzten die Umsätze des Pokerspielers. Er klagte gegen dieses Vorgehen, doch die Richter des Finanzgerichts Münster lehnten die Klage ab. Durch die Teilnahme an den Turnieren habe der Pokerspieler eine Leistung erbracht und wollte Geld gewinnen – entsprechend sei er als Unternehmer anzusehen. Und damit wird Umsatzsteuer fällig.

BFH: Poker-Gewinne unterliegen nicht der Umsatzsteuer

Auch mit diesem Urteil befasste sich der BFH und entschied am 30.08.2017: Ein Pokerspieler muss von seinen Spielgewinnen keine Umsatzsteuer abführen – Pokerspieler können also zumindest hinsichtlich der Umsatzsteuer aufatmen.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass das Preisgeld beziehungsweise die Spielgewinne nicht für die Teilnahme an einem Turnier gezahlt werden, sondern für die „Erzielung eines bestimmten Wettbewerbsergebnisses“. Entsprechend wird keine Umsatzsteuer fällig. Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn der Veranstalter des Turniers den Pokerspieler dafür bezahlt, dass er beim Pokerturnier mitmacht, zum Beispiel in Form eines Antrittsgelds.

Auch bei diesem Fall betonten die Richter des BFH, dass Pokergewinne – auch wenn sie nicht der Umsatzsteuer unterliegen – trotzdem steuerpflichtig sein können. Da es sich gegebenenfalls um Einkünfte aus Gewerbebetrieb handelt, wird Einkommensteuer fällig.

Zukunft: Verluste geltend machen?

Zurück zum Urteil der Kölner Richter und des BFH. Offen bleibt nun eine Frage: Wenn das Pokern als zu versteuerndes Gewerbe gehandelt wird, können dann auch die Verluste in die Steuererklärung eingetragen werden? Es bleibt also spannend.

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Quellen

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