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Altersteilzeit: Eine Alternative zu Vollzeit?

Nicht jeder möchte bis zum Schluss durcharbeiten. Welche Auswirkungen eine Altersteilzeit auf Ihr Gehalt und Ihre Steuer haben kann, erklären wir hier.

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Altersteilzeit: Eine Alternative zu Vollzeit?

Beruflich kürzer zu treten – das wünschen sich viele ältere Arbeitnehmer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der eine braucht die Zeit zum Erholen, der andere plant eine große Reise oder möchte mehr für seine Enkelkinder da sein.

Doch was bedeutet Altersteilzeit überhaupt? Das Altersteilzeitgesetz (AltTZG) bietet älteren Arbeitnehmern die Möglichkeit, Ihre Arbeitszeit bis zum Ruhestand zu halbieren. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Ein Anspruch auf Altersteilzeit besteht nicht. Im öffentlichen Dienst, aber auch in vielen Unternehmen gibt es hierzu entsprechende Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen.

Voraussetzungen für die Altersteilzeit

Kurt hat die letzten Jahre viel und hart gearbeitet. Nun ist er fast 60 und überlegt, in Altersteilzeit zu gehen. Dafür muss er zunächst einige Bedingungen erfüllen:

  • Er ist mindestens 55 Jahre alt.
  • Er war in den letzten fünf Jahren vor Beginn der Altersteilzeit mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig in Voll- oder Teilzeit beschäftigt.
  • Seine Altersteilzeit muss mindestens bis zum Rentenbeginn reichen.
  • Sein Verdienst in der Altersteilzeit muss über 450 Euro im Monat liegen.

Wie genau die Verteilung der Arbeitszeit aussehen soll, legt das Altersteilzeitgesetz nicht fest. Ob Kurt beispielsweise wöchentlich 50 Prozent weniger arbeitet (Teilzeit- oder Gleichverteilugsmodell) oder ob er zunächst einige Jahre weiter voll tätig ist und sich anschließend um dieselbe Anzahl an Jahre freistellen lässt (Blockmodell), muss er vertraglich mit seinem Arbeitgeber regeln.

Pros und Kontras der Altersteilzeit

Die Vorteile der Altersteilzeit lassen sich leicht zusammenfassen: Im Gegensatz zum sogenannten Vorruhestand ist Kurt als Arbeitnehmer bis zum Ruhestand angestellt. Das heißt: Sein Arbeitgeber zahlt über den kompletten Zeitraum die Sozialversicherungsbeiträge weiter. Außerdem stockt er seinen Lohn um mindestens 20 Prozent auf und zahlt zudem einen Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, der in der Regel 80 Prozent des Vollzeitgehaltes entspricht. Ein weiteres Pro: Die Zusatzzahlungen des Arbeitgebers sind steuerfrei.

Der Nachteil: Kurt erhält für die halbe Arbeit auch nur den halben Lohn. Trotz der zusätzlichen sogenannten Aufstockungsbeiträge, fällt das Gehalt insgesamt niedriger aus als bei einer Vollzeitbeschäftigung. Und das kann sich auch auf seine Altersrente nach der Altersteilzeit auswirken.

Welche finanziellen Änderungen es gibt

Mit welchem Nettogehalt Kurt in etwa rechnen muss, wenn er seine Arbeitszeit nach dem Altersteilzeitgesetz (AltTZG) verringern, zeigt ihm der Teilzeitrechner beziehungsweise Altersteilzeitrechner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Entscheidet er sich für das Blockmodell, sollte sich Kurt im Vorfeld über einige Fragen Gedanken machen: Was passiert, wenn der Arbeitgeber Insolvenz anmeldet? Wird das Gehalt auch in der Freistellungsphase weitergezahlt? Hier ist es wichtig, sich über eine Insolvenzversicherung zu informieren.

Übrigens:

Vor einigen Jahren hat die Bundesagentur für Arbeit das Altersteilzeit-Modell gefördert und die Aufstockungsbeiträge für den Arbeitgeber übernommen. Diese Förderung wurde Ende 2009 eingestellt und ist mittlerweile, bis auf wenige Ausnahmen, ausgelaufen.

Was bei der Steuererklärung zu beachten ist

Während der Altersteilzeit wird das Gehalt wie üblich versteuert. Das gilt auch für das Gehalt, das Kurt in der Freistellungsphase erhält. Die zusätzlichen Leistungen vom Arbeitgeber sind dagegen steuerlich begünstigt. Das heißt: Sowohl der Aufstockungsbeitrag des Arbeitgebers als auch der Zusatzbeitrag zur Rentenversicherung sind steuerfrei und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 28 EStG).

Ähnlich wie andere Lohnersatzzahlungen unterliegt der Aufstockungsbeitrag jedoch dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Aus diesem Grunde, kann es gegebenenfalls zu einer Nachzahlung von Steuern kommen. Daher muss Kurt alle Leistungen in seiner Steuererklärung angeben. Das heißt: wenn Sie in Altersteilzeit gehen und steuerfreie Aufstockungsbeiträge von Ihrem Arbeitgeber erhalten, sind Sie verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. 

ÜBRIGENS:

Kurt ist verheiratet und hat Steuerklasse V (5). Daher kann der Wechsel in eine andere Lohnsteuerklasse vor dem Bezug des Altersteilzeitgehaltes vorteilhaft für ihn sein. Wechselt er in Steuerklasse III (3) oder IV (4), erhöht sich in der Regel mit dem Wechsel das Nettoeinkommen und er profitiert von höheren Zusatzleistungen seines Arbeitgebers.

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