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Flexirente: Die wichtigsten Regelungen auf einen Blick

Sie wollen als Rentner/in etwas dazuverdienen? Wir erklären Ihnen die wichtigsten Regeln rund um die sogenannte Flexirente – für Altersrentner und Frührentner.

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Stand Dezember 2021 haben mehr als 6,5 Millionen Menschen einen 450-Euro-Job. Immerhin 16,8 Prozent davon sind 65 Jahre und älter. Das veröffentlichte die Minijob-Zentrale im 4. Quartalsbericht 2021. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Rentner/innen mit einem Nebenjob kontinuierlich an, während die Anzahl der Minijobber insgesamt seit 2004 um 5,8 Prozent gesunken ist. Das heißt: Insgesamt waren hierzulande 7 Prozent der Menschen im Alter ab 65 erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. 2009 betrug ihr Anteil noch 4 Prozent.

Die Gründe für den Anstieg bei den Ü-65 sind vielfältig: Viele Rentnerinnen und Rentner brauchen einen Job, weil die monatlichen Rentenzahlungen nicht zum Leben reichen. Oder weil sie sich mit dem zusätzlichen Geld besondere Wünsche erfüllen möchten. Es gibt aber auch Rentner/innen, die einen Nebenjob haben, weil sie sich fit fühlen und gerne unter Menschen sind. Oder weil der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin noch nicht vollständig auf sie verzichten kann.

Wer sich als Rentner/in etwas hinzuverdienen möchte, sollte sich im Vorfeld informieren. Denn je nachdem, ob man Frührentner/in oder Altersrentner/in ist, gelten seit Einführung der sogenannten Flexirente unterschiedliche Regelungen.

Flexirente für einen flexibleren Renteneinstieg

Seit 1. Januar 2017 gibt es die Flexi-Rente. Das Flexirentengesetz schafft mehr Anreize für ältere Arbeitnehmer/innen, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten und sorgt dafür, dass Rentnerinnen und Rentner den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand individueller gestalten können. Die Flexi-Rente hat neue Hinzuverdienstgrenzen im Gepäck.

Übrigens:

Die Hinzuverdienstgrenze für Rentner/innen wird im Rahmen einer Prognose festgelegt. Jeweils zum 1. Juli überprüft die Rentenversicherung dann den Hinzuverdienst rückwirkend. War die Rente im abgelaufenen Kalenderjahr zu niedrig, gibt es eine Nachzahlung. War die Rente allerdings zu hoch, müssen sich Rentner/innen auf eine Rückzahlung einstellen.

Frührentner: 6.300 Euro anrechnungsfrei hinzuverdienen

Sie entschließen sich dazu, vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente zu gehen? Das können Sie natürlich tun, müssen aber lebenslange Abschläge in Kauf nehmen. Viele Frührentner/innen haben deshalb einen Nebenjob, um die Rente aufzubessern.

Dank Flexirente können Sie als Frührentner/in seit 1. Juli 2017 bis zu 6.300 Euro brutto pro Kalenderjahr hinzuverdienen – und zwar ohne Rentenkürzung. Verdienen Sie im Nebenjob mehr als 6.300 Euro jährlich, wird der darüber hinausgehende Verdienst zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Das ist dann eine Teilrente.

Corona-Regelung:

Für 2020 wurde die ursprüngliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro auf 44.590 Euro erhöht. Die vorübergehend Erhöhung der Verdienstgrenzen sollte Personalengpässe entgegenwirken, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind.

Für 2021 steigt die Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Altersrenten von 44.590 Euro nochmal auf 46.060 Euro an. Das heißt: Rentnerinnen und Rentner konnten bis zu 46.060 Euro im Kalenderjahr 2021 sowie im Kalenderjahr 2022 hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wurde.

Wichtig: Die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze ist vorübergehend und gilt für Neu- und Bestandsrentner/innen. Keine Änderungen gibt es hingegen bei den Hinzuverdienstregelungen für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und bei der Anrechnung von Einkommen auf Hinterbliebenenrenten.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung.

Außerdem gibt es eine Obergrenze. Um Ihre individuelle Obergrenze zu berechnen, müssen Sie zuerst die gekürzte Rente und den Hinzuverdienst addieren. Liegt dieser Betrag über Ihrem bisherigen Einkommen – die Rentenversicherung rechnet dabei mit dem höchsten Einkommen der letzten 15 Jahre, dem sogenannten Hinzuverdienstdeckel – wird der darüber liegende Betrag zu 100 Prozent auf Ihre verbliebene Teilrente angerechnet. Es lohnt sich also, im Vorfeld genau zu rechnen und sich Rat bei seinem Rentenberater oder seiner Rentenbearterin einzuholen.

ÜBRIGENS:

Bis 2017 gab es keine jährliche Hinzuverdienstgrenze, sondern eine monatliche. Wer als Frührentner/in einen Nebenjob hatte, durfte höchstens 450 Euro pro Monat verdienen, zwei Mal pro Jahr auch bis zu 900 Euro. Das sind in Summe zwar auch 6.300 Euro pro Jahr, dank Flexirente kann der Betrag jetzt aber auch innerhalb weniger Monate eingenommen werden.

Verdiente man früher mehr als 450 Euro pro Monat, wurde die Rente je nach Höhe des Hinzuverdienstes auf zwei Drittel, die Hälfte oder schlussendlich auf Null gekürzt.

Rentenversicherungspflicht für Frührentner mit Nebenjob

Ein weiterer, wichtiger Aspekt für Frührentner/innen: Wer eine vorgezogene Altersrente erhält und nebenbei noch arbeitet, hat im Nebenjob eine Rentenversicherungspflicht. Immerhin erhöht sich durch die Beiträge regelmäßig der Rentenanspruch.

Frührente und Flexirentengesetz: ein Beispiel

Klaus hat sich entschlossen, bereits vier Jahre vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter etwas kürzer zu treten und in den Ruhestand zu gehen. Ihm war bewusst, dass seine Rente dadurch gekürzt wird und er hat dies eingehend mit seiner Rentenberaterin durchgerechnet. Seit 2019 erhält er eine vorgezogene Altersrente von 850 Euro pro Monat.

Um die vorgezogene Altersrente etwas aufzustocken, nimmt Klaus einen Nebenjob an und verdient zusätzlich zur Rente noch 800 Euro monatlich dazu. Das sind 9.600 Euro pro Jahr. Zieht man jetzt die 6.300 Euro ab, die Klaus regulär anrechnungsfrei dazu verdienen darf, bleiben noch 3.300 Euro übrig – auf den Monat heruntergerechnet 275 Euro.

Von diesem Betrag werden Klaus 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Das sind 110 Euro. Seine monatliche Rente wird also aufgrund des Nebenjobs von 850 Euro auf 740 Euro gekürzt.

Zusammenfassung Flexi-Rente für Frührentner

  • Frührentner/innen können normalerweise bis zu 6.300 Euro / Jahr anrechnungsfrei hinzuverdienen.
  • Darüber hinausgehender Verdienst wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.
  • Die Obergrenze muss individuell errechnet werden.
  • Es besteht eine Rentenversicherungspflicht im Nebenjob.

Altersrentner: Unbegrenzt hinzuverdienen und Rente aufbessern

Generell gilt: Wenn Sie das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben und eine volle gesetzliche Rente beziehen, dürfen Sie nebenbei so viel einnehmen wie Sie wollen. Sie müssen die Beschäftigung auch nicht Ihrem Rentenversicherungsträger melden. Die Altersrente wird Ihnen voll ausgezahlt. Wenn Sie allerdings mehr als 450 Euro im Monat hinzuverdienen, sind Sie sozialversicherungspflichtig und müssen Ihre zusätzlichen Einnahmen versteuern.

Seit Einführung des Flexirentengesetzes gibt es zwei Neuerungen für Altersrentner/innen: Wer später in Rente geht, bekommt einen Rentenzuschlag. Wer Beiträge in die Rentenversicherung zahlt, erhöht ebenfalls die Rentenzahlungen. Aber der Reihe nach:

Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, bekommt Rentenzuschlag

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Regelaltersgrenze erreicht. Die liegt aktuell je nach Geburtsjahr zwischen 65 und 67 Jahren. Aufgrund des Fachkräftemangels bittet Sie Ihr/e Arbeitgeber/in, noch nicht in Rente zu gehen, sondern ein Jahr dranzuhängen. Das tun Sie – und profitieren auch davon. Denn dank Flexirentengesetz bekommen Sie für jeden Monat, den Sie über Ihre Regelaltersgrenze hinaus weiter arbeiten und keine Rente beziehen, einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent. Arbeiten Sie also ein Jahr länger, bekommen Sie einen Zuschlag von 6 Prozent.

Als Altersrentner durch Beiträge in die Rentenversicherung die Rente erhöhen

Sobald Sie die Regelaltersgrenze erreichen, haben Sie seit 1. Januar 2017 die Wahl: Arbeiten Sie neben Ihrer Rente weiter, sind Sie ab Erreichen der Regelaltersgrenze grundsätzlich versicherungsfrei. Sie können also auf Ihre Beiträge zur Rentenversicherung verzichten. Sie können aber auch auf die Versicherungsfreiheit nicht in Anspruch nehmen und weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Das hat den Vorteil, dass sich ein Mal jährlich Ihre Rente durch die von Ihnen und Ihrem Arbeitgeber bzw. Ihrer Arbeitgeberin gezahlten Beiträge weiter erhöht.

Altersrente und Flexirente: ein Beispiel

Christin hat im Dezember 2019 die Regelaltersgrenze erreicht. Sie bekommt zwar jetzt Rente, arbeitet aber weiterhin im Nebenjob auf 450 Euro Basis bei ihrem Arbeitgeber – und zwar das komplette Jahr 2020. Das ganze Jahr über zahlen sowohl Christin als auch ihr Chef die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das sind bei Christin insgesamt etwa 200 Euro. Dadurch erhöht sich Christins Rente ab 1. Juli 2021 um rund 4,80 Euro pro Monat.

Zusammenfassung: Flexirente für Altersrentner

  • Altersrentner/innen dürfen neben der Rente unbegrenzt hinzuverdienen.
  • Wer die Regelaltersrente erst später in Anspruch nimmt, bekommt einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent pro Monat.
  • Wer weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung zahlt, erhöht die Rente zusätzlich.

Fazit: Rente ist ein komplexes Thema und für jede Person individuell anders. Egal, ob Sie früher in Rente gehen möchten oder neben der Regelaltersrente zusätzlich Geld verdienen möchten, empfiehlt es sich, vorab von der Rentenversicherung beraten zu werden. Dort gibt es auch Informationen zu Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen.

Übrigens:

Wenn Sie Fragen rund um die Einkommensteuererklärung haben, stehen Ihnen unsere Beraterinnen und Berater gerne zur Seite. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie hier: Beratersuche.

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