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Progressionsvorbehalt: Warum Lohnersatzleistungen die Steuer erhöhen

Ob Arbeitslosengeld oder Mutterschaftsgeld: Entgeltersatzleistungen sind eigentlich steuerfrei. Dennoch müssen Sie meistens in die Steuererklärung eingetragen werden.

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Progressionsvorbehalt: Lohnersatzleistung erhöht Steuersatz

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen - aus welchem Grund auch immer - das volle Gehalt nicht mehr zahlt, erhalten Sie Entgeltersatzleistungen, auch Lohnersatzleistungen oder Einkommensersatzleistungen genannt. Diese müssen Sie in der Regel jeweils bei der zuständigen Stelle selbstständig beantragen.

Folgende staatliche Zahlungen zählen zu den Lohnersatzleistungen:

Diese Lohnersatzleistungen sind für Sie steuerfrei, jedoch unterliegen sie dem Progressionsvorbehalt. Das heißt: Sie werden zur Berechnung Ihres Steuersatzes erfasst und führen so zu einem höheren Prozentsatz, mit dem Ihr übriges Einkommen versteuert wird. Deswegen müssen Sie in Ihrer Steuererklärung alle Lohnersatzleistungen angeben.

Progressionsvorbehalt beeinflusst den Steuersatz

Ein Beispiel macht das Prinzip Progressionsvorbehalt klarer: Harald ist drei Monate arbeitslos, bevor er eine neue Stelle findet. Während der Arbeitslosigkeit hat er von der Agentur für Arbeit 3.780 Euro Arbeitslosengeld steuerfrei bekommen. Danach hat er neun Monate in seinem neuen Job gearbeitet und steuerpflichtiges Einkommen in Höhe von 31.500 Euro verdient.

Bei Harald läge der persönliche Steuersatz 2016 für die 31.500 Euro bei 19,1 Prozent. Nun addieren aber die Finanzbeamten die 3.780 Euro Arbeitslosengeld I zum Lohn dazu. Das macht 35.280 Euro. Erst dann berechnen Sie den Steuersatz. Der liegt nun bei 20,6 Prozent. Der Progressionsvorbehalt erhöht also Haralds Steuersatz um 1,5 Prozent.

Übrigens:

Auch Einkünfte, die durch ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen zwei Staaten in Deutschland steuerfrei sind, können dennoch dem Progressionsvorbehalt unterliegen.

Ab 410 Euro muss eine Steuererklärung abgegeben werden

Wenn Sie steuerfreie Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten, besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Zu diesem Zweck sollten Sie automatisch, von jeder Stelle von der Sie Lohnersatzleistungen erhalten, eine "Bescheinigung für das Finanzamt" bekommen haben, oder Sie finden einen Eintrag darüber auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung.

Zudem melden die Behörden seit 2011 die gezahlten Einkommensersatzleistungen elektronisch an das Finanzamt.

Übrigens:

Zeiten in denen Sie Entgeltersatzleistungen erhalten haben, werden rentenrechtlich als Beitragszeiten berücksichtigt.

Lohnersatzleistungen in die Steuererklärung eintragen

Lohnersatzleistungen, die auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung stehen, tragen Sie in Anlage N Ihrer Steuererklärung ein. Hier ist eine Zeile explizit für Kurzarbeitergeld, den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld sowie Zuschläge und Aufstockungsbeiträge ausgewiesen.

Alle anderen Lohnersatzleistungen vermerken Sie im Mantelbogen unter „Sonstige Angaben und Anträge“. In der Zeile für „Einkommensersatzleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen“, können Sie Ihr bezogenes Arbeitslosengeld, Elterngeld, Insolvenzgeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld und/oder andere vergleichbare Leistungen eintragen.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass jede Lohnersatzleistung nur einmal in Ihrer Steuererklärung steht, also entweder in Anlage N oder im Mantelbogen.

Übrigens:

Das Pflegeunterstützungsgeld ist eigentlich auch eine Entgeltersatzleistung, unterliegt aber nicht dem Progressionsvorbehalt und muss daher auch nicht in der Steuererklärung angeben werden.

Auch Lohnersatzleistungen aus dem EU-Ausland sind steuerfrei

Beziehen Sie Lohnersatzleistungen aus einem Land der Europäischen Union (EU), Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz, sind diese in Deutschland steuerfrei. Sie unterliegen aber auch dem Progressionsvorbehalt. Das heißt: Ab 410 Euro müssen Sie die Lohnersatzleistungen in Ihre Steuererklärung eintragen.

Übrigens:

Die Steuerfreiheit gilt seit 29. Februar 2012. Davor waren Einkommensersatzleistungen aus dem Ausland steuerpflichtig.

Sie sind unsicher, ob und wo Sie Ihre Lohnersatzleistung eintragen müssen? Unsere Berater machen Ihnen die Steuererklärung.

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