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Brille als Werbungskosten absetzen?

Die Kosten für eine Brille sind leider nicht als Werbungskosten von der Steuer absetzbar. Aber unter Umständen als außergewöhnliche Belastung.

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Brille als Werbungskosten absetzen?

Auch wenn Sie eine Brille ausschließlich am Arbeitsplatz tragen – die Kosten können Sie nicht als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung eintragen. Denn die Brille korrigiert Ihre Sehschwäche. Hätten Sie keine Sehschwäche, müssten Sie die Brille gar nicht erst tragen, so die Begründung des Bundesfinanzhofs in einem Urteil von 2005. Dementsprechend ist die Brille ein medizinisches Hilfsmittel, kein Arbeitsmittel.

Zwei Hintertürchen zum Abzug als Werbungskosten

Keine Regel ohne Ausnahme: In zwei Fällen können Sie die Kosten einer Brille doch als Werbungskosten absetzen.

  1. Ist klar bewiesen, dass Ihre Sehschwäche auf Ihre Tätigkeit am Bildschirm zurückgeführt werden kann, können Sie die Kosten für die Brille als Werbungskosten absetzen.
  2. Dient die Brille einem Schutzzweck, oder müssen Sie die Brille aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen tragen, ist ein Werbungskostenabzug auch möglich.

Medizinische Hilfsmittel als außergewöhnliche Belastung absetzen

Immerhin kann man die Kosten für medizinische Hilfsmittel wie eine Prothese oder ein Hörgerät als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Gehört eine Brille auch zu den medizinischen Hilfsmitteln? Unser Video gibt in Sekundenschnelle eine Antwort auf diese Frage:

Die Antwort lautet also "Ja!". Es gibt allerdings einen Haken: Außergewöhnliche Belastungen können Sie nicht in voller Höhe absetzen. Erst die Kosten, die eine "zumutbare Belastungsgrenze" überschreiten, können in der Steuererklärung eingetragen werden. Diese Grenze berechnet das Finanzamt für jeden Steuerzahler individuell, nämlich anhand des Jahreseinkommens, Familienstands und Anzahl der Kinder. Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Überblick Krankheitskosten: Was Sie wie von der Steuer absetzen können. Außerdem müssen Sie etwaige Erstattungen der Krankenkasse abziehen.

Werbungskosten steuerlich günstiger als außergewöhnliche Belastungen

Steuerlich gesehen spielt es eine große Rolle, ob Sie Kosten als Werbungskosten oder als außergewöhnliche Belastung absetzen können. Werbungskosten können Sie uneingeschränkt und in voller Höhe von der Steuer absetzen. Bei den außergewöhnlichen Belastungen können Sie erst – wie oben beschrieben – die Kosten absetzen, die die zumutbare Belastungsgrenze überschreiten.

So kam es zu diesen Regelungen

Fast zehn Jahre ist es her, als der Fall eines Professors den Bundesfinanzhof, also das höchste Gericht für Steuern in Deutschland, beschäftigte. Der Mann arbeitete 1995 als Professor an einer Universität. Er kaufte für 1.461 DM eine sogenannte Bildschirm-Arbeitsbrille und gab die Kosten dafür in seiner Steuererklärung an – und zwar als Werbungskosten. Das Finanzamt ließ sich das nicht gefallen und lehnte den Werbungskostenabzug ab.

Auch eine augenärztliche Bescheinigung half nicht weiter

Der Professor legte eine augenärztliche Bescheinigung vor. Die Brille sei quasi eine Sonderanfertigung für den Computerarbeitsplatz und als gewöhnliche Korrekturbrille nicht zu gebrauchen. Denn der obere Teil der Brille berücksichtige die Distanz zum Bildschirm, der untere Teil die Distanz zur Tastatur. Dieses Argument überzeugte die Richter des Finanzgericht Baden-Württembergs, die mittlerweile für den Fall zuständig waren, zumindest teilweise. Das Finanzgericht entschied, dass die Kosten immerhin anteilig – 244 DM um genau zu sein – als Werbungskosten in der Steuererklärung eingetragen werden dürfen. Das Finanzamt wollte das nicht akzeptieren und legte Revision ein.

Bundesfinanzhof stellt klar: Kosten sind keine Werbungskosten

Das rief Jahre später die Richter des Bundesfinanzhofs auf den Plan, die nun als höchste richterliche Instanz eine endgültige Entscheidung treffen mussten. Und diese Entscheidung fiel nicht gut aus für den Professor: Die Kosten der Brille können seit der BFH-Entscheidung 2005 nicht als Werbungskosten abgesetzt werden. Die Richter begründeten das Urteil damit, dass die Kosten in erster Linie entstanden sind, um "körperliche Mängel" – also eine allgemeine Sehschwäche – zu beheben. In einem solchen Fall gehören die Ausgaben zur privaten Lebensführung, können also nicht in der Steuererklärung eingetragen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Behebung des Mangels auch im beruflichen Interesse liegt.

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