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Kindergeld für Pflegekind ab zwei Jahren Pflege

Pflegeeltern bekommen dann Kindergeld für ihr Pflegekind, wenn sie planen, es mehr als zwei Jahre lang zu betreuen.

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"Pflegekindschaftsverhältnis" lautet die offizielle Bezeichnung, wenn ein Kind nicht mehr bei seiner leiblichen Familie, sondern im Haushalt und unter der Obhut einer Pflegefamilie lebt. Ist das der Fall, steht der Pflegefamilie ein Pflegegeld zu – gedacht vor allem für die Unterhaltskosten des Kindes – sowie Kindergeld.

Wichtige Voraussetzung für das Kindergeld ist, dass das Pflegeverhältnis für einen längeren Zeitraum geplant ist. Ein Baustein, um den Kindern emotionale Sicherheit geben zu können. Bei Kleinkindern muss es mindestens ein Jahr sein, bei Schulkindern zwei Jahre, ansonsten gibt es keinen Anspruch auf Kindergeld.

Bundesfinanzhof bekräftigt gültige Praxis

Das stellte auch der Bundesfinanzhof (BFH) fest. Im konkreten Fall war ein schulpflichtiges Pflegekind lediglich 19 Monate in der Obhut einer Familie gewesen. Deshalb stünde den Pflegeeltern kein Kindergeld für das Kind zu, urteilte der BFH (Aktenzeichen III B 176/11).

Damit bekräftigt der BFH die bislang gültige Praxis und Beurteilung der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit, zuständig für alle Fragen rund um Kindergeld und Kinderzuschlag. In der "Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetzes (DA-Kg)" heißt es:

"Die [...] erforderliche familienähnliche Bindung muss von vornherein auf mehrere Jahre angelegt sein. Maßgebend ist nicht die tatsächliche Dauer der Bindung, wie sie sich aus rückschauender Betrachtung darstellt, sondern vielmehr die Dauer, die der Bindung nach dem Willen der Beteiligten bei der Aufnahme des Kindes zugedacht ist. Dabei kann bei einer von den Beteiligten beabsichtigten Dauer von mindestens zwei Jahren im Regelfall davon ausgegangen werden, dass ein Pflegekindschaftsverhältnis [...] begründet worden ist. Das Gleiche gilt, wenn ein Kind mit dem Ziel der Annahme als Kind in Pflege genommen wird." (DA-Kg Pflegekind A 11.3 Abs. 2)

Hintergründe zum Thema Pflegekind

Vernachlässigung, psychische oder physische Gewalt: Oft haben Kinder, die Pflegeeltern brauchen, eine längere Leidensgeschichte hinter sich. In manchen Fällen ist die finanzielle Not der Eltern der Grund dafür, in anderen eine Erkrankung, in schlimmen Fällen Drogenabhängigkeit oder Alkoholismus.

Tausende Kinder mit einem entsprechenden Schicksal nimmt der Staat jedes Jahr in seine Obhut. Sie werden im Kinderheim, Kinderdorf oder in Einrichtungen für betreutes Wohnen untergebracht. 2017 lebten etwa 81.000 Kinder und Jugendliche in einer Pflegefamilie. Verglichen mit dem Jahr 2008 ist das eine Steigerung um fast 35 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Die Vermittlung von Pflegekindern übernehmen das Jugendamt oder anerkannte freie Träger. Die Bewerbung verläuft ähnlich wie ein Adoptionsverfahren. Nur die Anforderungen unterscheiden sich etwas, denn ein Kind mit solchen Erfahrungen in die Familie aufzunehmen und ihm Sicherheit zu geben, das erfordert viel Geduld und Mut.  Emotionale und finanzielle Sicherheit sind für den Gesetzgeber mit die wichtigsten Anforderungen an eine Pflegefamilie. Gibt es in der Pflegefamilie bereits Kinder, soll das Pflegekind laut Gesetz mindestens zwei Jahre jünger als das jüngste Kind in der Familie sein.

Keine gesetzlichen Vorgaben existieren hinsichtlich der Familienstruktur: Alleinstehende, unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften oder Verheiratete können gleichermaßen ein Pflegekind aufnehmen. Sogar Wohngemeinschaften kommen in Frage.

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