Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Wie funktioniert das mit dem Kinderfreibetrag?

Der Staat unterst├╝tzt Eltern mit dem sogenannten Kinderfreibetrag: 7.620 Euro d├╝rfen Eltern pro Kind im Jahr verdienen und einnehmen, ohne daf├╝r Steuern zu zahlen.

Mit anderen teilen

Jeder, der auf irgendeine Art und Weise Geld einnimmt ÔÇô zum Beispiel dadurch, dass er arbeiten geht oder eine Wohnung vermietet ÔÇô muss daf├╝r Steuern zahlen. Ganz bestimmte Personengruppen m├╝ssen f├╝r spezielle Kosten keine Steuern zahlen, sie erhalten sogenannte Freibetr├Ąge.

Das gilt auch f├╝r Frauen und M├Ąnner mit leiblichen und adoptierten Kindern sowie ÔÇô je nach Betreuungsumfang ÔÇô mit Pflegekindern: Sie k├Ânnen 7.620 Euro im Jahr einnehmen, ohne daf├╝r Steuern zu zahlen. Das ist der so genannte Kinderfreibetrag 2019 inklusive dem Erziehungsfreibetrag. Damit will der Staat erreichen, dass Eltern genug Geld ├╝brig bleibt, um f├╝r ihre Kinder Dinge wie Essen, eine Wohnung, Betreuung oder eine Ausbildung zahlen zu k├Ânnen.

Genau den gleichen Zweck hat auch das Kindergeld: F├╝r jedes erste und zweite Kind bekommen die Eltern 194 Euro, f├╝r das dritte 200 Euro und f├╝r jedes weitere 225 Euro, und zwar jeden Monat steuerfrei. Sowohl Kindergeld als auch Kinderfreibetrag sind also steuerbeg├╝nstigt. Der gro├če Unterschied ist aber: Das Kindergeld zahlt der Staat jeden Monat an die Eltern aus, den Kinderfreibetrag nicht. Stattdessen zieht das Finanzamt die 7.620 Euro Kinderfreibetrag r├╝ckwirkend von Ihrem zu versteuernden Jahreseinkommen ab.

├ťbrigens:

Im Rahmen des sogenannten Familienentlastungsgesetzes (FamEntlastG) wird der Kinderfreibetrag 2020 auf 5.172 Euro erh├Âht. Den Erziehungsfreibetrag dazugerechnet, k├Ânnen sich Eltern 7.812 Euro j├Ąhrliche Steuerverg├╝nstigung sichern.┬á

Was gilt f├╝r mich, Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

Eltern d├╝rfen nur eine Form der Steuererleichterung bekommen: Kindergeld oder Kinderfreibetrag. Wenn Sie Ihre Steuererkl├Ąrung ans Finanzamt abgegeben haben, pr├╝fen deshalb die Finanzbeamten, was f├╝r Sie g├╝nstiger ist und womit Sie der Staat finanziell mehr unterst├╝tzt ("G├╝nstigerpr├╝fung").

Sie m├Âchten einen schnellen ├ťberblick zum Thema Kinderfreibetrag? Schauen Sie sich unser Video an:

Wie rechnet das Finanzamt?

Das ist etwas kompliziert. Wir erkl├Ąren es an einem Beispiel: Nehmen wir einmal an, zwei Vollzeit arbeitende Ehepartner mit kleinem Sohn haben ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro, das sie versteuern m├╝ssen. Das Finanzamt berechnet jetzt, wie viel Steuern Sie bezahlen m├╝ssten, und zwar erst ohne und dann mit dem Kinderfreibetrag.

Ohne den Kinderfreibetrag m├╝ssten Sie 7.582 Euro Steuern (ohne┬áSolidarit├Ątszuschlag) zahlen. Mit dem Kinderfreibetrag, also minus 7.620 Euro, schrumpft Ihr zu versteuerndes Einkommen auf 42.380 Euro. Dann m├╝ssten Sie nur noch rund 5.464 Euro Steuern zahlen.

Und jetzt kommt der eigentliche Knackpunkt: Die Differenz zwischen den Steuern, die Sie mit und ohne Kinderfreibetrag bezahlen m├╝ssten, betr├Ągt 2.118 Euro. So viel Steuern w├╝rden Sie also mit dem Kinderfreibetrag sparen.

In den letzten zw├Âlf Monaten haben Sie aber insgesamt 2.328 Euro Kindergeld f├╝r Ihren Sohn bekommen ÔÇô das ist mehr, als Sie durch den Kinderfreibetrag sparen. Der Freibetrag ist also finanziell nicht g├╝nstiger f├╝r Sie. Deshalb rechnet der Finanzbeamte f├╝r Sie nicht mit dem Kinderfreibetrag.

├ťbrigens:

F├╝r Alleinerziehende lohnt sich der Kinderfreibetrag ab 30.000 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr, f├╝r Eheleute ab 60.000 Euro. Und zwar, nachdem Sie alle Kosten, die Sie von der Steuer absetzen k├Ânnen, abgezogen haben.

Unsere Infografik zeigt Ihnen anschaulich, wie so eine weitere Rechnung in Sachen Kinderfreibetrag 2019 aussehen kann:

 

Kann ich mir den Kindergeld-Antrag sparen, wenn sich f├╝r mich der Kinderfreibetrag sowieso mehr lohnt?

Das Kindergeld wird Ihnen nach der Geburt Ihres Kindes nicht automatisch aufs Konto ├╝berwiesen. Stattdessen m├╝ssen Sie den Staat informieren, dass Sie Nachwuchs bekommen haben. Zust├Ąndig daf├╝r sind die Familienkassen. Sie m├╝ssen lediglich das n├Âtige Formular ausf├╝llen und den Geburtsschein Ihres Kindes vorlegen. Seit 1. Januar 2018 kann das Kindergeld allerdings nur noch sechs Monate r├╝ckwirkend ausbezahlt werden.

Auch wenn Sie sicher sind, dass bei Ihnen der Kinderfreibetrag angewendet wird, sollten Sie auf jeden Fall Kindergeld beantragen. Denn erstens bekommen Sie das Kindergeld jeden Monat auf Ihr Konto ├╝berwiesen und nicht erst am Ende des Jahres r├╝ckwirkend angerechnet. Zweitens geht das Finanzamt bei allen Eltern davon aus, dass sie Kindergeld beantragt und erhalten haben und rechnet diesen Betrag bei der Steuererkl├Ąrung mit ein ÔÇô ganz gleich ob Sie es tats├Ąchlich beantragt haben oder nicht. Denn daf├╝r sind Sie n├Ąmlich selbst verantwortlich. ┬á

Wem steht der Kinderfreibetrag zu?

Der Kinderfreibetrag steht beiden Elternteilen je zur H├Ąlfte zu, n├Ąmlich bis das Kind 18 ist, oder aber bis es 25 Jahre alt ist, wenn es so lange noch eine Ausbildung macht oder studiert. Auf Antrag kann der Kinderfreibetrag auch auf einen Stiefeltern- oder Gro├čelternteil ├╝bertragen werden, wenn das Kind bei einem von ihnen lebt.

├ťbrigens:

Mit einem Schreiben vom 17.01.2014 hat das Bundesfinanzministerium klar gestellt, dass die Gleichstellung von Lebenspartnern mit Ehegatten auch bei der ├ťbertragung und Gew├Ąhrung von Kinderfreibetr├Ągen greift.


Das bedeutet: Adoptieren eingetragene Lebenspartner gemeinsam ein Kind oder adoptiert ein Lebenspartner das Kind des anderen Lebenspartners, stehen beiden Adoptiveltern┬á Kinderfreibetr├Ąge zu. Das Gleiche gilt auch f├╝r Stiefeltern, wenn ein Stiefelternteil das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat.

Wie errechnet sich der Kinderfreibetrag bei mehreren Kindern?

Eltern erhalten f├╝r jedes Kind einen vollen Kinderfreibetrag. Diesen teilen sie sich nach dem sogenannten Halbteilungsprinzip. Bei verheirateten Paaren, die beide die Steuerklasse IV (4) haben, wird der gleiche Kinderfreibetrag angerechnet. Hier wird bei einem Kind der Z├Ąhler 1,0 und bei zwei Kindern entsprechend der Z├Ąhler 2,0 f├╝r jedes Elternteil angerechnet. Bei Eheleuten mit den Steuerklassen III (3) und V (5) hingegen wird der gesamte Kinderfreibetrag komplett bei dem Partner mit der Steuerklasse III (3) ber├╝cksichtigt. F├╝r unverheiratete Paare mit der Steuerklasse I (1) oder II (2) gilt pro Kind der Z├Ąhler 0,5.

Wie verteilt sich der Kinderfreibetrag bei Trennung oder Scheidung?

Im Falle einer Trennung oder Scheidung gilt: Bei beiden Eltern wird der Kinderfreibetrag jeweils zur H├Ąlfte ber├╝cksichtigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder beim Vater oder bei der Mutter leben. Kommt ein Elternteil seiner Unterhaltspflicht nicht zu mindestens 75 Prozent nach, dann werden dem betreuenden Elternteil die vollen 7.620 Euro angerechnet.

Wie funktioniert eine ├ťbertragung des Kinderfreibetrags?

Wie schon erw├Ąhnt, steht eigentlich beiden Elternteilen der Kinderfreibetrag zu. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Kinderfreibetrag aber auch auf einen Elternteil ├╝bertragen werden.

F├╝r eine ├ťbertragung...

  • m├╝ssen beide Elternteile eine getrennte Einkommensteuererkl├Ąrung abgeben.
  • muss der antragstellende Elternteil seine Unterhaltsverpflichtung erf├╝llen ÔÇô das ist in der Regel der Fall, wenn das Kind bei diesem Elternteil lebt.
  • muss der andere Elternteil seiner Unterhaltsverpflichtung weniger als 75 Prozent nachkommen oder nicht unterhaltspflichtig sein.

Konsequenz des Ganzen: Wird der Kinderfreibetrag auf ein Elternteil ├╝bertragen, bekommt dieser Elternteil auch den Ausbildungsfreibetrag.

Eine ├ťbertragung des Kinderfreibetrags ist ├╝brigens auch auf Stiefeltern oder Gro├čeltern m├Âglich. Voraussetzung ist, dass das Kind in deren Haushalt lebt, oder sie gegen├╝ber dem Kind unterhaltspflichtig sind.

Mit anderen teilen
Mit der Nutzung dieser Website erkl├Ąren Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen Schlie├čen