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Wie funktioniert das mit dem Kinderfreibetrag?

Der Staat unterstützt Eltern mit dem sogenannten Kinderfreibetrag: 7.812 Euro dürfen Eltern pro Kind im Jahr 2020 verdienen und einnehmen, ohne dafür Steuern zu zahlen.

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Jeder, der auf irgendeine Art und Weise Geld einnimmt – zum Beispiel dadurch, dass er arbeiten geht oder eine Wohnung vermietet – muss dafür Steuern zahlen. Ganz bestimmte Personengruppen müssen für spezielle Kosten keine Steuern zahlen, sie erhalten sogenannte Freibeträge.

Das gilt auch für Frauen und Männer mit leiblichen und adoptierten Kindern sowie – je nach Betreuungsumfang – mit Pflegekindern: Sie können 7.812 Euro im Jahr einnehmen, ohne dafür Steuern zu zahlen. Das ist der so genannte Kinderfreibetrag 2020 inklusive dem Erziehungs- oder Betreuungsfreibetrag. Damit will der Staat erreichen, dass Eltern genug Geld übrig bleibt, um für ihre Kinder Dinge wie Essen, eine Wohnung, Betreuung oder eine Ausbildung zahlen zu können.

Genau den gleichen Zweck hat auch das Kindergeld: Für jedes erste und zweite Kind bekommen die Eltern seit dem 1. Juli 2019 204 Euro, für das dritte 210 Euro und für jedes weitere 235 Euro, und zwar jeden Monat steuerfrei. Sowohl Kindergeld als auch Kinderfreibetrag sind also steuerbegünstigt. Der große Unterschied ist aber: Das Kindergeld zahlt der Staat jeden Monat an die Eltern aus, den Kinderfreibetrag nicht. Stattdessen zieht das Finanzamt die 7.812 Euro Kinderfreibetrag rückwirkend von Ihrem zu versteuernden Jahreseinkommen ab.

Übrigens:

Was umgangssprachlich als Kinderfreibetrag bezeichnet wird, ist genau genommen eine Summe aus zwei Freibeträgen: dem eigentlichen Kinderfreibetrag, der 2020 auf 5.172 Euro erhöht wurde, plus dem Erziehungsfreibetrag von 2.640 Euro. Insgesamt ergeben sich so 7.812 Euro Steuervergünstigung für Eltern.

Was gilt für mich, Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

Eltern dürfen nur eine Form der Steuererleichterung bekommen: Kindergeld oder Kinderfreibetrag. Wenn Sie Ihre Steuererklärung ans Finanzamt abgegeben haben, prüfen deshalb die Finanzbeamte, was für Sie günstiger ist und womit Sie der Staat finanziell mehr unterstützt ("Günstigerprüfung").

Sie möchten einen schnellen Überblick zum Thema Kinderfreibetrag? Schauen Sie sich unser Video an:

Wie rechnet das Finanzamt?

Wir erklären es an einem Beispiel: Nehmen wir einmal an, zwei Vollzeit arbeitende Ehepartner mit kleinem Sohn haben ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro, das sie versteuern müssen. Das Finanzamt berechnet jetzt, wie viel Steuern sie bezahlen müssten, und zwar erst ohne und dann mit dem Kinderfreibetrag.

Ohne den Kinderfreibetrag müssten sie 7.428 Euro Steuern (ohne Solidaritätszuschlag) zahlen. Mit dem Kinderfreibetrag werden von den 50.000 Euro die 7.812 Euro abgezogen, damit schrumpft ihr zu versteuerndes Einkommen auf 42.188 Euro. Dann müssten Sie nur noch rund 5.276 Euro Steuern zahlen.

Und jetzt kommt der eigentliche Knackpunkt: Die Differenz zwischen den Steuern, die Sie mit und ohne Kinderfreibetrag bezahlen müssten, beträgt 2.152 Euro. So viel Steuern würden Sie also mit dem Kinderfreibetrag sparen.

In den letzten zwölf Monaten haben Sie aber insgesamt 2.448 Euro Kindergeld für Ihren Sohn bekommen – das ist mehr, als Sie durch den Kinderfreibetrag sparen. Der Freibetrag ist also finanziell ungünstiger für sie. Deshalb rechnet der Finanzbeamte für sie nicht mit dem Kinderfreibetrag.

Übrigens:

Für Alleinerziehende lohnt sich der Kinderfreibetrag ab rund 33.500 Euro zu versteuerndem Einkommen im Jahr, für Eheleute ab 63.500 Euro. Und zwar, nachdem Sie alle Kosten, die Sie von der Steuer absetzen können, abgezogen haben.

Unsere Infografik zeigt Ihnen anschaulich, wie so eine weitere Rechnung in Sachen Kinderfreibetrag 2020 aussehen kann:


 

Kann ich mir den Kindergeld-Antrag sparen, wenn sich für mich der Kinderfreibetrag sowieso mehr lohnt?

Das Kindergeld wird Ihnen nach der Geburt Ihres Kindes nicht automatisch aufs Konto überwiesen. Stattdessen müssen Sie den Staat informieren, dass Sie Nachwuchs bekommen haben. Zuständig dafür sind die Familienkassen. Sie müssen lediglich das nötige Formular ausfüllen und den Geburtsschein Ihres Kindes vorlegen. Seit 1. Januar 2018 kann das Kindergeld allerdings nur noch sechs Monate rückwirkend ausbezahlt werden.

Auch wenn Sie sicher sind, dass bei Ihnen der Kinderfreibetrag angewendet wird, sollten Sie auf jeden Fall Kindergeld beantragen. Denn erstens bekommen Sie das Kindergeld jeden Monat auf Ihr Konto überwiesen und nicht erst am Ende des Jahres rückwirkend angerechnet. Zweitens geht das Finanzamt bei allen Eltern davon aus, dass sie Kindergeld beantragt und erhalten haben und rechnet diesen Betrag bei der Steuererklärung mit ein – ganz gleich, ob Sie es tatsächlich beantragt haben oder nicht. Denn dafür sind Sie nämlich selbst verantwortlich.  

Wem steht der Kinderfreibetrag zu?

Der Kinderfreibetrag steht beiden Elternteilen je zur Hälfte zu, nämlich bis das Kind 18 ist, oder aber bis es 25 Jahre alt ist, wenn es so lange noch eine Ausbildung macht oder studiert. Auf Antrag kann der Kinderfreibetrag auch auf einen Stiefeltern- oder Großelternteil übertragen werden, wenn das Kind bei einem von ihnen lebt.

Übrigens:

Mit einem Schreiben vom 17.01.2014 hat das Bundesfinanzministerium klar gestellt, dass die Gleichstellung von Lebenspartnern mit Ehegatten auch bei der Übertragung und Gewährung von Kinderfreibeträgen greift.


Das bedeutet: Adoptieren eingetragene Lebenspartner gemeinsam ein Kind oder adoptiert ein Lebenspartner das Kind des anderen Lebenspartners, stehen beiden Adoptiveltern Kinderfreibeträge zu. Das Gleiche gilt auch für Stiefeltern, wenn ein Stiefelternteil das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat.

Wie errechnet sich der Kinderfreibetrag bei mehreren Kindern?

Eltern erhalten für jedes Kind einen vollen Kinderfreibetrag. Diesen teilen sie sich nach dem sogenannten Halbteilungsprinzip. Bei verheirateten Paaren, die beide die Steuerklasse IV (4) haben, wird der gleiche Kinderfreibetrag angerechnet. Hier wird bei einem Kind der Zähler 1,0 und bei zwei Kindern entsprechend der Zähler 2,0 für jedes Elternteil angerechnet. Bei Eheleuten mit den Steuerklassen III (3) und V (5) hingegen wird der gesamte Kinderfreibetrag komplett bei dem Partner mit der Steuerklasse III (3) berücksichtigt. Für unverheiratete Paare mit der Steuerklasse I (1) oder II (2) gilt pro Kind der Zähler 0,5.

Wie verteilt sich der Kinderfreibetrag bei Trennung oder Scheidung?

Im Falle einer Trennung oder Scheidung gilt: Bei beiden Eltern wird der Kinderfreibetrag jeweils zur Hälfte berücksichtigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder beim Vater oder bei der Mutter leben. Kommt ein Elternteil seiner Unterhaltspflicht nicht zu mindestens 75 Prozent nach, dann werden dem betreuenden Elternteil die vollen 7.812 Euro angerechnet.

Wie funktioniert eine Übertragung des Kinderfreibetrags?

Wie schon erwähnt, steht eigentlich beiden Elternteilen der Kinderfreibetrag zu. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Kinderfreibetrag aber auch auf einen Elternteil übertragen werden.

Für eine Übertragung...

  • müssen beide Elternteile eine getrennte Einkommensteuererklärung abgeben.
  • muss der antragstellende Elternteil seine Unterhaltsverpflichtung erfüllen – das ist in der Regel der Fall, wenn das Kind bei diesem Elternteil lebt.
  • muss der andere Elternteil seiner Unterhaltsverpflichtung weniger als 75 Prozent nachkommen oder nicht unterhaltspflichtig sein.

Konsequenz des Ganzen: Wird der Kinderfreibetrag auf einen Elternteil übertragen, bekommt dieser Elternteil auch den Ausbildungsfreibetrag.

Eine Übertragung des Kinderfreibetrags ist übrigens auch auf Stiefeltern oder Großeltern möglich. Voraussetzung ist, dass das Kind in deren Haushalt lebt, oder sie gegenüber dem Kind unterhaltspflichtig sind.

Übrigens

In unserem Nachbarland Österreich gibt es neben dem Kinderfreibetrag und dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, der dort allerdings Alleinerzieherabsetzbetrag heißt, auch noch den Alleinverdienerabsetzbetrag. Dieser ist als Entlastung für Familien mit mindestens einem Kind gedacht, in denen nur ein Elternteil berufstätig ist beziehungsweise der andere Elternteil sehr geringe Einkünfte hat. Diesen Absetzbetrag für Alleinverdiener gibt es in Deutschland nicht.

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