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Ehrenamt und Steuer: Diese Freibeträge gibt es

Übungsleiterfreibetrag, Ehrenamtsfreibetrag und Betreuerfreibetrag: Wer sich ehrenamtlich engagiert, kann bei der Steuererklärung profitieren.

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Ehrenamt und Steuer: Diese Freibeträge gibt es

Rund 31 Millionen Menschen üben in ihrer Freizeit eine ehrenamtliche Tätigkeit aus, das sind 43,6 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Quelle dieser Information ist eine repräsentative Befragung, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im April 2016 in Berlin vorgestellt hat.

Bei Ehrenamtlichen steht nicht der Verdienst im Vordergrund, sondern die Freude darüber, anderen helfen zu können. Davon profitiert vor allem der soziale Sektor, der ohne den Einsatz der vielen freiwilligen Helfer oftmals an seine Grenzen stoßen würde. Um das soziale Engagement der Deutschen weiter zu fördern, hat die Politik Anreize geschaffen. Zum Beispiel Steuervorteile für ehrenamtlich Tätige. Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Steuervergünstigungen im Ehrenamt.

1. Übungsleiterfreibetrag: 2.400 Euro / Jahr

Übungsleitern steht der Übungsleiterfreibetrag in Höhe von 2.400 Euro pro Jahr zu. Das bedeutet, dass die Vergütung bis zur Höhe des Übungsleiterfreibetrags steuer- und sozialversicherungsfrei bleibt.

Um in den Genuss der Übungsleiterpauschale zu kommen, müssen Sie beispielsweise Trainer in einem Sportverein, Chorleiter in einem Gesangsverein, Leiter einer Volkshochschule oder Ausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr sein. Sprich: Ihre Tätigkeit muss pädagogisch ausgerichtet sein. Weitere Bedingungen:

  1. Die Tätigkeit muss nebenberuflich ausgeübt werden. Konkret bedeutet das: Zeitlich darf das Ehrenamt nicht mehr als ein Drittel einer Vollzeittätigkeit ausmachen.
  2. Die Übungsleiterpauschale können Sie nur in Anspruch nehmen, wenn Sie ehrenamtlich für eine gemeinnützige Organisation oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts – das können Schulen, Gemeinden oder Kirchen sein – arbeiten.
  3. Ihr Ehrenamt muss unmittelbar oder mittelbar gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen.

Dementsprechend können Sie die Übungsleiterpauschale nicht nutzen, wenn Sie zum Beispiel Schriftführer oder Gerätewart im Sportverein sind, in Ihrer Freizeit als Schiedsrichter arbeiten, ehrenamtlich für Gerichte und Notare dolmetschen oder Tiere ausbilden. Immerhin: Gegebenenfalls kommen Sie so aber in den Genuss der Ehrenamtspauschale, im Steuerrecht auch Ehrenamtsfreibetrag genannt.

2. Ehrenamtsfreibetrag: 720 Euro / Jahr

Seit 2007 können Ehrenamtliche, die sich in einem gemeinnützigen Verein oder bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts engagieren, den Ehrenamtsfreibetrag in Höhe von 720 Euro pro Jahr sichern. Auch in diesem Fall bedeutet das, dass eine Aufwandsentschädigung bis zur Höhe der Ehrenamtspauschale steuer- und sozialversicherungsfrei bleibt.

Im Gegensatz zum Übungsleiterfreibetrag darf auch ein Schatzmeister oder Kassenwart, Platzwart oder Zeugwart, Schiedsrichter oder Tierpfleger den Ehrenamtsfreibetrag nutzen. Darüber hinaus ist die Nutzung analog zum Übungsleiterfreibetrag an drei Bedingungen geknüpft:

  1. Es handelt sich um eine nebenberufliche Tätigkeit, darf also zeitlich nur maximal ein Drittel einer Vollzeittätigkeit ausmachen.
  2. Man leistet die freiwillige Arbeit für eine gemeinnützige Organisation oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts.
  3. Das Ehrenamt dient un- und mittelbar gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken.

Übrigens:

Die jeweiligen Pauschalen für das Ehrenamt – also den Übungsleiterfreibetrag und den Ehrenamtsfreibetrag – gibt es jährlich nur einmal, auch wenn Sie mehrere Ehrenämter parallel oder nacheinander ausüben.

3. Betreuerfreibetrag: 2.400 Euro / Jahr

Ist ein Mensch zum Beispiel aufgrund einer Behinderung oder Krankheit nicht mehr in der Lage, rechtliche Angelegenheiten selbst zu regeln, setzt das Amtsgericht einen rechtlichen Betreuer ein. In der Regel übernehmen Familienangehörige diese Aufgabe unentgeltlich.

Betreuern steht der Betreuerfreibetrag in Höhe von 2.400 Euro pro Jahr zu. Zu den Begünstigten zählen ehrenamtliche rechtliche Betreuer, ehrenamtliche Vormünder und ehrenamtliche Pfleger.

Die Entwicklung der Freibeträge im Ehrenamt: 

Jahr Übungsleiterfreibetrag Ehrenamtsfreibetrag Betreuerfreibetrag
2016 2.400 Euro 720 Euro 2.400 Euro
2015 2.400 Euro 720 Euro 2.400 Euro
2014 2.400 Euro 720 Euro 2.400 Euro
2013 2.400 Euro 720 Euro 2.400 Euro
2012 2.100 Euro 500 Euro 2.100 Euro
2011 2.100 Euro 500 Euro 2.100 Euro
2010 2.100 Euro 500 Euro  
2009 2.100 Euro 500 Euro  
2008 2.100 Euro 500 Euro  
2007 2.100 Euro 500 Euro  
2006 1.848 Euro    

Liegt der Verdienst über den Freibeträgen, werden Steuern fällig

Verdienen ein Übungsleiter oder ein Betreuer mehr als 2.400 Euro und ein Ehrenamtlicher mehr als 720 Euro pro Jahr, muss der Teil der Einnahmen, der den Freibetrag übersteigt, als Einkünfte aus sonstiger selbstständiger Arbeit in der Steuererklärung eingetragen werden – und es werden Steuern fällig.

Steuern sparen durch Verzicht auf Aufwendungsersatz

So weit, so gut. Wer sich ehrenamtlich engagiert, hat oft auch Ausgaben. Zum Beispiel Reisekosten oder Kosten für Telefon und Porto. Sie können auf eine Aufwandsentschädigung des Vereins verzichten und stattdessen eine Spendenbescheinigung bekommen. Steuerrechtlich gesehen ist das dann eine Aufwandsspende. Wie das mit der Aufwandsspende genau funktioniert, erklären wir in unserem Steuer ABC zum Thema Spenden.

Ehrenamtliche Arbeit spenden: die Vergütungsspende

Sie können dem Verein oder der Gemeinde auch Ihre Arbeitszeit „spenden“ und im Gegenzug dafür eine Zuwendungsbestätigung erhalten. Dieses Prinzip nennt sich Vergütungsspende – auch Rückspende genannt –, ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft: 

  • Ihre geleistete Arbeit ist nur dann absetzbar, wenn Sie einen rechtswirksamen Vergütungsanspruch haben. Das bedeutet auch, dass zum Beispiel der Verein finanziell in der Lage sein muss, Ihre Vergütung auch wirklich bezahlen zu können.
  • In einem zweiten Schritt müssen Sie auf Ihren Vergütungsanspruch verzichten. Wichtig: Der Verzicht muss innerhalb von drei Monaten nach der Tätigkeit erklärt werden und darf nicht im Vorfeld schon vertraglich vereinbart worden sein.

Sie erhalten dann eine Zuwendungsbestätigung über die Höhe Ihrer Vergütung und können diesen Betrag als Sonderausgabe in Ihrer Steuererklärung eintragen.

Übrigens:

Sie haben noch Fragen in Sachen Ehrenamt und Steuer? Unsere Beraterinnen und Berater sind gerne für Sie da. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

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