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Minijob: Was ist das?

Wer bis zu 450 Euro im Monat verdient oder nur für kurze Zeit beschäftigt ist, gilt als Minijobber. Wir erklären, welche Regeln – auch steuerlich – gelten.

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Minijob: Was ist das?

Veronika arbeitet als Kassiererin auf 450-Euro-Basis, macht also eine geringfügige Beschäftigung. Daher gilt sie - wie etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland - als Minijobber. Auch ihre Schwester Miriam arbeitet zurzeit in einem Minijob. Sie verdient allerdings mehr als 450 Euro. Dafür ist ihre Arbeit als Kellnerin auf die drei Sommermonate begrenzt. Die beiden Schwestern stehen dabei stellvertretend für die 60 Prozent weiblichen Minijobber, die laut Minijobzentrale 2015 gemeldet waren. Unter den Minijobbern finden sich außerdem zahlreiche Rentner, Studenten oder Nebenjobber, die sich zu ihrem Hauptberuf etwas hinzuverdienen möchten.

Übrigens:

Mehr als drei Millionen Aushilfen arbeiten illegal in Deutschlands Privathaushalten. Das ergab eine im August 2016 veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Dabei hat eine offizielle Haushaltshilfe, die beispielsweise im Rahmen eines Minijobs angestellt ist, für alle Seiten Vorteile. Mehr dazu in unserem Artikel zum Thema Haushaltshilfe.

Was ist ein 450-Euro-Job?

Die meisten geringfügig Beschäftigte arbeiten in einem 450-Euro-Minijob - so wie Veronika. Das heißt, sie dürfen regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Sind Minijobber das ganze Jahr über beschäftigt, können sie also maximal 5.400 Euro einnehmen. Ob sie in wenigen, einzelnen Monaten mehr als 450 Euro verdienen und in anderen weniger, spielt dabei keine Rolle, solange sie insgesamt nicht mehr als 5.400 Euro im Jahr bekommen.

Wichtig: Zur Jahressumme von 5.400 Euro zählen nicht nur die laufenden, sondern auch einmalige Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Wenn Veronika die Summe von 5.400 Euro Jahresgehalt auch nur um wenige Euro überschreitet, gilt sie nicht mehr als geringfügig Beschäftigte. Daher gibt es in Sachen Urlaubsgeld noch eine andere Möglichkeit: Ihr Arbeitgeber kann Veronika als freiwillige Zahlung eine sogenannte Erholungsbeihilfe überweisen. Eine Anrechnung auf die 450-Euro Grenze findet in diesem Fall nicht statt.

Übrigens:

Auch für die geringfügige Beschäftigung gilt der gesetzliche Mindestlohn. Die Anzahl der Stunden, die im Rahmen eines 450-Euro-Minijobs geleistet werden, ist daher durch die Höhe des Mindestlohns begrenzt.

Es gibt zwei Arten von Minijobs

Neben dem 450-Euro-Job gibt es noch die weniger häufige, sogenannte kurzfristige Beschäftigung, die als Minijob gilt. Veronikas Schwester Miriam hat eine solche Beschäftigung als Kellnerin in einem Biergarten hat. Die Bedingung: Sie darf nicht länger als drei Monate arbeiten, damit ihr Aushilfsjob ein kurzfristiger Minijob ist. Nur von Juni bis August serviert sie daher an fünf Tagen pro Woche durstigen Touristen Getränke und kleine Gerichte. Würde sie in ihrem Arbeitsverhältnis wöchentlich weniger oft arbeiten, gilt derzeit eine Grenze von insgesamt 70 Arbeitstagen pro Jahr, die nicht überschritten werden darf, um weiterhin als Minijobber zu gelten. Wie viel Geld Miriam dabei verdient, ist unerheblich.

Wichtig: Miriams Job darf nicht dauerhaft, regelmäßig oder berufsmäßig ausgeübt werden. Das heißt, die Tätigkeit als Kellnerin muss für Miriam von „untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung“ sein sonst ist es kein Minijob mehr. Eine Entscheidungshilfe zur Prüfung der Berufsmäßigkeit findet man bei der Minijob-Zentrale.

Übrigens:

Diese Art des Minijobs wird vor allem von Schülern und Studierenden genutzt, die in den Ferien arbeiten und sich schnell etwas dazuverdienen möchten. Was dabei alles beachtet werden muss, erklärt unser Artikel zum Thema Ferienjob.

Minijobber müssen keine Sozialabgaben zahlen

Veronika und Miriam müssen beide keine Sozialabgaben zahlen. Denn für jeden Minijob gilt: Minijobber sind nicht verpflichtet, in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Seit Januar 2013 können Arbeitnehmer mit 450-Euro-Minijob jedoch einen Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten und haben damit einen, wenn auch niedrigen, Anspruch auf Rente. Wie hoch der Beitrag ist, hängt davon ab, ob der Minijob im gewerblichen Bereich ausgeübt wird oder in einem Privathaushalt. Wenn Veronika keinen Rentenbeitrag leisten möchte, kann sie einen entsprechenden Antrag beim Arbeitgeber einreichen und sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Das ist für sie nicht nur zu Beginn, sondern sogar noch während eines Arbeitsverhältnisses möglich. Miriam hat diese Möglichkeit bei ihrer kurzfristigen Beschäftigung nicht.

Übrigens:

Im Gegensatz zum Arbeitnehmer zahlt der Arbeitgeber in einem 450-Euro-Job neben der Unfallversicherung einen pauschalen Beitrag zur Krankenversicherung und zur Rentenversicherung. Wie hoch die pauschalen Versicherungsbeiträge für den Arbeitgeber letztlich ausfallen, hängt auch hier davon ab, ob der Minijob im gewerblichen Bereich oder in einem Privathaushalt ausgeübt wird.

Weitere Informationen zum Thema Sozialabgaben im Minijob erhalten Sie bei der Minijobzentrale, die Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um den Minijob ist.

Ist ein Minijob steuerpflichtig?

Ja, ein Minijob ist prinzipiell steuerpflichtig, unabhängig davon ob es sich um einen 450-Euro-Job oder um einen kurzfristigen Minijob handelt. Die Einnahmen aus dem Minijob können dabei entweder pauschal versteuert werden oder individuell nach Lohnsteuerkarte. Welche Art der Besteuerung gewählt wird, entscheidet der Arbeitgeber.

Pauschal versteuern oder nach Lohnsteuerkarte

Veronikas Arbeitgeber hat die einheitliche Pauschalversteuerung gewählt. Daher sind für sie als 450-Euro-Minijobber keine Steuern fällig: Denn allein ihr Arbeitgeber zahlt die Lohnsteuer in einer Höhe von zwei Prozent des monatlichen Bruttogehaltes. Darin sind auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag enthalten. Ihren Verdienst als Kassiererin muss Veronika daher auch nicht mehr in der Steuererklärung angeben. Dafür kann sie allerdings auch keine Fahrtkosten oder andere Werbungskosten absetzen.

Übrigens:

Minijobber können sich die Fahrtkosten zur Arbeit vom Arbeitgeber erstatten lassen, ohne dass das Geld auf den Minijob-Verdienst von 450 Euro angerechnet wird – entweder als Fahrtkostenerstattung oder als Fahrtkostenzuschuss.

Pauschalsteuer

Eine Pauschalsteuer, selten auch Pauschsteuer genannt, ist für alle Steuerzahler gleich, egal wie ihre wirtschaftlichen Verhältnisse sind. Sie wird oft aus Vereinfachungsgründen angewendet und auch als Kopfsteuer bezeichnet.

Die Kellnerin Miriam versteuert ihr Einkommen nach Lohnsteuerkarte. Denn erstens liegt bei der kurzfristigen Beschäftigung die pauschale Steuer bei 25 Prozent und zudem ist sie an verschiedene Bedingungen geknüpft. Daher hat sich ihr Arbeitgeber dagegen entschieden die einheitliche Pauschalsteuer für Miriam zu zahlen.

Wie die meisten Steuerzahler hat Miriam Steuerklasse I (1). Sie muss für ihren Minijob als Kellnerin monatlich Steuern zahlen, da in dieser Steuerklasse ab 945 Euro Monatslohn Steuern fällig werden - und das verdient sie als Kellnerin in den Sommermonaten locker. Hätte sie Steuerklasse V (5) oder IV (6) müsste sie sogar schon ab dem ersten Euro Lohnsteuer zahlen. Macht Miriam allerdings am Ende des Jahres eine Steuererklärung und bleibt ihr Jahresverdienst unter dem Grundfreibetrag, bekommt sie die komplette Steuer wieder zurück.

Übrigens:

Wer prüfen möchte, welche Art der Besteuerung des Minijobs in seinem individuellen Fall am günstigsten ist, dem helfen unsere Berater gerne weiter.

Minijob: Die verschiedenen Arten im Vergleich

Veronika und Miriam machen beide einen Minijob. Dennoch gelten für sie ganz unterschiedliche Regeln. In der nachfolgenden Tabelle haben wir die wichtigsten Infos zum Thema Minijob aus Arbeitnehmersicht noch einmal übersichtlich zusammengestellt:

  450-Euro-Minijob Kurzfristige Beschäftigung
Hinzuverdienstgrenze Hinzuverdienstgrenze liegt bei 450 Euro im Monat bzw. 5.400 Euro im Jahr Keine Hinzuverdienstgrenze
Zeitliche Begrenzung Keine zeitliche Begrenzung Nicht länger als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage im Jahr
Sozialabgaben Verpflichtender Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 3,7 % des Bruttogehaltes (Befreiung ist aber möglich) Keine Sozialabgaben
Steuer Steuerfrei für den Arbeitnehmer, wenn der Arbeitgeber das Gehalt pauschal mit 2 % versteuert Besteuerung erfolgt pauschal mit 20 % oder nach den individuellen Merkmalen auf der elektronischen Lohnsteuerkarte

Mehrere Minijobs sind auch möglich

Wer zwei oder sogar mehrere 450-Euro-Minijobs nebeneinander ausübt, muss Folgendes beachten: Der Verdienst aller Minijobs zusammen darf nicht die monatliche 450 Euro-Grenze überschreiten. Denn, liegt der Verdienst darüber, handelt es sich bei sämtlichen Beschäftigungen nicht mehr um Minijobs. Ähnliches gilt für die kurzfristige Beschäftigung: Als Minijobber mit mehreren Minijobs in einem Kalenderjahr dürfen Sie insgesamt maximal drei Monate bzw. 70 Arbeitstage erreichen.

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