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Minijob: Was ist das?

Wer bis zu 450 Euro im Monat verdient oder nur für kurze Zeit beschäftigt ist, ist ein sogenannter Minijobber. Wir erklären, welche Regeln – auch steuerlich – gelten.

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Minijob: Was ist das?

Kellner, Kassierer oder Putzkraft – etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland arbeiten als Minijobber. Sie sind sogenannte geringfügig Beschäftigte und arbeiten in vielen verschiedenen Branchen – im Handel, der Gastronomie oder im Gesundheitswesen. Frauen sind dabei wesentlich häufiger Minijobber als Männer. So waren Ende 2015 laut der zuständigen Bundesbehörde, der sogenannten Minijobzentrale, etwa 60 Prozent der Geringverdiener weiblich. Unter den Minijobbern finden sich außerdem zahlreiche Rentner, Studenten oder Nebenjobber, die sich zu ihrem Hauptberuf etwas hinzuverdienen möchten.

Aber: Mehr als drei Millionen Aushilfen arbeiten illegal in Deutschlands Privathaushalten. Das ergab eine im August 2016 veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Acht von zehn Putzfrauen, Küchenhilfen oder Gärtner sind weder gegen Unfälle noch gegen Altersarmut abgesichert. Und auch der Arbeitgeber nimmt einige Risiken in Kauf und kann sogar mit Geldbußen bestraft werden. Dabei hat eine offizielle Haushaltshilfe, die beispielsweise im Rahmen eines Minijobs angestellt ist, für beide Seiten Vorteile: Für den Arbeitnehmer ist der Verdienst weitgehend abgaben- und steuerfrei und auch der Arbeitgeber profitiert und kann seine Kosten steuerlich geltend machen.

Das Besondere an einem Minijob

Arbeitnehmer können 450 Euro im Monat hinzuverdienen, ohne dass Sozialabgaben oder Steuern fällig werden. Einzige Voraussetzung: Der Verdienst wird vom Arbeitgeber pauschal mit zwei Prozent versteuert. Selbst von der seit 2013 eingeführten Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung kann sich ein Arbeitnehmer mit einem entsprechenden Antrag beim Arbeitgeber befreien lassen.

Was ist ein 450-Euro-Minijob?

Die meisten der geringfügig Beschäftigten arbeiten in einem 450-Euro-Minijob. Das heißt, sie dürfen regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Ist ein Minijobber das ganze Jahr über beschäftigt, darf er also maximal 5.400 Euro einnehmen. Ob er in wenigen, einzelnen Monaten mehr als 450 Euro verdient und in anderen weniger, spielt keine Rolle, solange er insgesamt nicht mehr als 5.400 Euro im Jahr hinzuverdient.

Zu der Jahressumme von 5.400 Euro zählen nicht nur die laufenden, sondern auch einmalige Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Das ist wichtig zu wissen, denn wer neben seinem monatlichen Gehalt von 450 Euro einmal im Jahr auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld von etwa 150 Euro erhält, überschreitet die 5.400 Euro Jahresgehalt und gilt nicht mehr als Minijobber.

In Sachen Urlaubsgeld gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit: Hier kann der Arbeitgeber weiterhelfen und dem Arbeitnehmer als freiwillige Zahlung die sogenannte Erholungsbeihilfe zahlen. Das Gute daran: Eine Anrechnung auf die 450-Euro Grenze findet in diesem Fall nicht statt.

Übrigens:

Auch für Minijobs gilt der gesetzliche Mindestlohn. Die Anzahl der Stunden, die im Rahmen eines Minijobs geleistet werden, ist daher durch die Höhe des Mindestlohns begrenzt. 

Was ist ein kurzfristiger Minijob?

Neben dem 450-Euro-Minijob gibt es noch den weniger häufigen, sogenannten kurzfristigen Minijob. Wie der Name schon sagt, ist diese Beschäftigung von vorneherein nur von kurzer Dauer. Für Schüler und Studenten etwa, die in den Ferien arbeiten möchten, kann ein kurzfristiger Mini-Job sinnvoll sein. Das Arbeitsverhältnis darf im kurzfristigen Minijob nicht länger als drei Monate dauern, wenn an fünf Tagen pro Woche gearbeitet wird. Wird wöchentlich weniger oft gejobbt, gilt derzeit eine Grenze von insgesamt 70 Arbeitstagen im Jahr. Wie viel Geld der Schüler, Student oder Nebenjobber dabei hinzuverdient, ist unerheblich. Der kurzfristige Minijob darf jedoch nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Das heißt, er muss für den Arbeitnehmer von „untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung“ sein.

Welche Sozialabgaben muss ein 450-Euro-Minijobber zahlen?

Prinzipiell gilt: Ein 450-Euro-Minijobber ist nicht verpflichtet, in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Seit Januar 2013 muss er jedoch einen Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten und hat damit einen, wenn auch niedrigen, Anspruch auf eine Rente. Wie hoch der Beitrag ist, hängt davon ab, ob der Mini-Job im gewerblichen Bereich ausgeübt wird oder in einem Privathaushalt. Im gewerblichen Bereich liegt der Eigenanteil derzeit bei 3,7 Prozent, die vom monatlichen Bruttogehalt abgezogen werden. Im privatem Bereich bei 13,7 Prozent. Wer keinen Rentenbeitrag leisten möchte, kann einen entsprechenden Antrag beim Arbeitgeber einreichen und sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Das ist sogar nicht nur zu Beginn, sondern auch noch während eines Arbeitsverhältnisses möglich. Vorab sollte man sich jedoch über die rentenrechtlichen Auswirkungen informieren.

Im Gegensatz zum Arbeitnehmer zahlt der Arbeitgeber in einem 450-Euro-Minijob neben der Unfallversicherung einen pauschalen Beitrag zur Krankenversicherung und zur Rentenversicherung. Wie hoch die pauschalen Versicherungsbeiträge für den Arbeitgeber letztlich ausfallen, hängt auch hier davon ab, ob der Minijob im gewerblichen Bereich oder in einem Privathaushalt ausgeübt wird.

Mit welchen Sozialabgaben muss ein kurzfristiger Minijobber rechnen?

Der klare Vorteil des von vorneherein zeitlich begrenzten Minijobs: Sowohl für den Student im Ferienjob als auch für den Arbeitgeber fallen keinerlei Sozialabgaben an – auch keine Rentenversicherung.

Übrigens:

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Minijobzentrale in Essen, die Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Mini-Job ist.

Ist ein Minijob steuerpflichtig?

Ja, ein Minijob ist prinzipiell steuerpflichtig, unabhängig davon ob es sich um einen 450-Euro-Job oder um einen kurzfristigen Minijob handelt. Die Einnahmen aus dem Minijob können dabei entweder pauschal besteuert werden oder individuell nach den steuerlichen Besonderheiten des Arbeitnehmers auf seiner elektronischen Lohnsteuerkarte.

Welche Art der Besteuerung gewählt wird, entscheidet der Arbeitgeber. Wenn er die einheitliche sogenannte Pauschsteuer wählt, sind für den 450-Euro-Minijobber allerdings keine Steuern fällig: Denn allein der Arbeitgeber zahlt dann die Lohnsteuer in einer Höhe von zwei Prozent des monatlichen Bruttogehaltes. Darin sind auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag enthalten. Seinen Verdienst muss der Arbeitnehmer dann auch nicht mehr in der Steuererklärung angeben. Dennoch kann es für den Arbeitnehmer unter Umständen günstiger sein, individuell besteuert zu werden.

Anders sieht es bei einem kurzfristigen Minijob aus. Alle Einnahmen aus dieser Beschäftigung müssen stets versteuert werden. Auch hier gilt: Der Verdienst kann entweder pauschal oder individuell nach den Merkmalen auf der elektronischen Lohnsteuerkarte besteuert werden. Die Pauschale Besteuerung ist aber weitaus höher: Sie liegt bei 20 Prozent.

Unser Tipp:


Wer prüfen möchte, welche Art der Besteuerung des Minijobs in seinem individuellen Fall am günstigsten ist, dem helfen unsere Berater gerne weiter.

Kann man mehrere Minijobs gleichzeitig annehmen?

Ja, das ist möglich. Wer zwei oder sogar mehrere 450-Euro-Minijobs nebeneinander ausübt, muss aber Folgendes beachten: Der Verdienst aller Minijobs zusammen darf nicht die monatliche 450 Euro-Grenze überschreiten. Denn, liegt der Verdienst darüber, handelt es sich bei sämtlichen Beschäftigungen nicht mehr um Minijobs. Sie sind dann nicht mehr steuer- und sozialversicherungsfrei. Außerdem muss der Arbeitnehmer den Arbeitgeber über weitere Minijobs bei anderen Arbeitgebern informieren.

Wer hauptberuflich arbeitet und in die Sozialversicherungen einzahlt, kann nebenbei ebenfalls einen Minijob ausüben. Dieser Minijob ist dann weder steuer- noch sozialversicherungspflichtig. Doch Vorsicht: Neben dem Hauptberuf darf nur ein einziger Minijob zusätzlich angenommen werden.

Minijob: Sind die Fahrtkosten absetzbar?

Nein, ein Minijobber kann seine Fahrtkosten zum Arbeitsplatz steuerlich nicht geltend machen. Denn in der Regel wird ein 450 Euro-Minijob pauschal vom Arbeitgeber versteuert, sodass der Beschäftigte keinerlei Steuern zahlen muss. Folglich muss er seinen Verdienst auch nicht in der Steuererklärung angeben und kann keine Werbungskosten, wie Fahrten zur Arbeitsstätte, Fortbildungskosten oder Fachliteratur absetzen.  

Allerdings kann der Arbeitgeber weiterhelfen und den Minijob aufwerten: Er kann dem Minijobber die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz erstatten, ohne dass das zusätzliche Geld auf den Minijob-Verdienst von 450 Euro angerechnet wird. Für den Beschäftigten bleibt der Bonus seines Arbeitgebers damit steuerfrei. Neben einer Fahrtkostenerstattung oder einem Fahrtkostenzuschuss kann der Arbeitgeber auch Benzingutscheine an den Minijobber ausstellen. Der Arbeitgeber hat auch noch weitere Möglichkeiten seinem Minijob-Mitarbeiter Gutes zu tun: Andere Werbungskosten wie Fortbildungen oder Fachliteratur kann er dem Minijobber ebenfalls steuerfrei erstatten.

Übrigens:


Neben dem Minijob und einer regulären Anstellung gibt es noch eine weitere Art der Beschäftigung, die genau dazwischen liegt: Den sogenannten Midijob. Als Midijobber gilt, wer regelmäßig mehr als 450 Euro verdient, aber weniger als 850 Euro. Etwas umständlich wird beim Midijob auch von einer Beschäftigung in der sogenannten Gleitzone gesprochen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Minijob und Midijob: Was ist der Unterschied?

In der nachfolgenden Tabelle haben wir für Sie die wichtigsten Infos zum Thema Minijob aus Arbeitnehmersicht übersichtlich zusammengestellt:

  450-Euro-Minijob Kurzfristiger Minijob
Hinzuverdienstgrenze Hinzuverdienstgrenze liegt bei 450 Euro im Monat bzw. 5.400 Euro im Jahr Keine Hinzuverdienstgrenze
Zeitliche Begrenzung Keine zeitliche Begrenzung Nicht länger als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage im Jahr
Sozialabgaben Verpflichtender Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 3,7 % des Bruttogehaltes (Befreiung ist aber möglich) Keine Sozialabgaben
Steuer Steuerfrei für den Arbeitnehmer, wenn der Arbeitgeber das Gehalt pauschal mit 2 % versteuert Besteuerung erfolgt pauschal mit 20 % oder nach den individuellen Merkmalen auf der elektronischen Lohnsteuerkarte
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