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Grundsteuer und Einheitswert - so hängt das zusammen

Der Einheitswert dient als Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Grundsteuer. Doch ab 2025 treten neue Regelungen in Kraft, die bereits 2022 viel Arbeit verursachen.

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Wer eine Immobilie besitzt, zahlt in der Regel Grundsteuer – dabei ist es egal, ob man Großgrundbesitzer/in ist oder nur eine kleine Laube hat. Erhoben wird die Grundsteuer vom Staat, doch die Gemeinde, in der die Immobilie liegt, legt die Höhe des zu zahlenden Betrags fest. Dem Deutschen Städtetag zufolge ist die Grundsteuer mit über 14 Milliarden Euro pro Jahr eine der wichtigsten kommunalen Einnahmequellen.

Übrigens:

Anerkannte Religionsgemeinschaften sind eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Sie sind daher von der Grundsteuer befreit.

Reform der Grundsteuer bis 2025

Zurzeit wird die Grundsteuer reformiert, da das Bundesverfassungsgericht am 10. April 2018 entschieden hat, dass die bisherige Berechnung der Einheitswerte für Grundstücke in Westdeutschland auf dem Stand von 1964 verfassungswidrig ist. Dazu weiter unten mehr. Dem Gesetzgeber wurde daher eine Frist bis Ende 2019 zur Neuregelung der Einheitswertermittlung gegeben.

Dementsprechend hat sich das Bundeskabinett im Sommer 2019 auf eine Reform der Grundsteuer verständigt, die sowohl verfassungskonform ist als auch unbürokratisch umsetzbar ausgestaltet werden kann. Ziel war es, die Grundsteuer als verlässliche Einnahmequelle der Kommunen zu erhalten. Zudem sollten die Gemeinden die Möglichkeit erhalten, für unbebaute Grundstücke einen höheren Hebesatz festlegen zu können, die sogenannte Grundsteuer C. Der Bundesrat gab Ende 2019 seine Zustimmung.

Der komplizierte Plan: Ab 1. Januar 2022 soll die Bewertung der Grundstücke nach dem neuen Recht erfolgten. Allerdings haben die Bundesländer bis zum 31. Dezember 2024 die Möglichkeit, vom Bundesrecht abweichende Regelungen vorzubereiten, sodass dann erst ab 1. Januar 2025 die neuen Regelungen zur Grundsteuer – entweder bundesgesetzlich oder landesgesetzlich – in Kraft treten. Bis dahin gilt das bisherige Recht weiter. 

Übrigens:

Ein Streitpunkt war unter anderem, ob weiterhin Fläche und Wert der Immobilie (Wertmodell) oder nur die Fläche (Flächenmodell) in die Berechnung der Grundsteuer mit einfließen sollen. Das Bundesland Bayern sprach sich unter anderem für das reine Flächenmodell aus, in dem der Wert der Immobilie keine Rolle spielt und somit alle Eigentümer/innen und Mieter/innen in einer Kommune gleich belastet werden – wohlhabende Viertel so hoch wie ärmere Gegenden. Nach dem Wertmodell des Bundes kann sich hingegen in attraktiven Lagen die Grundsteuer erhöhen, was auch Mieter/innen trifft, denn die Last darf auf die Nebenkosten umgelegt werden. Es ist umstritten, welches Modell das gerechtere ist.

Viel Arbeit: Grundsteuererklärung 2022

Nicht nur die Finanzämter, auch die Grund- und Immobilieneigentümer/innen haben 2022 viel zu tun: 36 Millionen Datensätze müssen erneuert werden, um alle Grundstücke frisch bewerten zu können. Viele dieser Informationen haben nur die Grund- und Immobilieneigentümer/innen selbst und daher heißt das für alle Eigentümer/innen, dass sie zwischen dem 1. Juli und 31. Oktober 2022 eine Grundsteuererklärung abgeben müssen. Dafür werden ab März 2022 alle betroffenen Personen angeschrieben. Abgefragt werden Angaben zur Lage des Grundstücks (einschließlich Gemarkung und Flurstück), Grundstücksfläche, Bodenrichtwert, Wohnfläche und gegebenenfalls Grundstücks- oder Gebäudeart sowie das Baujahr. Wichtig dabei: Die Abgabe dieser Feststellungserklärung ist verpflichtend und muss digital abgegeben werden, also beispielsweise über ELSTER.

Mit Hilfe der Angaben aus der Grundsteuererklärung wird dann von den Finanzämtern ein Grundsteuerwert ermittelt: Der Grundstückswert wird dabei künftig in der Regel anhand des Bodenrichtwerts sowie einer statistisch ermittelten Nettokaltmiete berechnet. Der bisherige Einheitswert hat damit ausgedient. 

Im nächsten Schritt wird diese Kennzahl mit einer gesetzlich festgeschriebenen Steuermesszahl multipliziert, um den Grundsteuermessbetrag bzw. Grundsteuerwert zu erhalten. Grund- und Immobilieneigentümer/innen sollen hierüber eine Mittelung vom Finanzamt erhalten, um informiert zu sein, denn erst die Städte und Gemeinden berechnen dann schlussendlich mit einem individuellen Hebesatz die finale Grundsteuer für die jeweiligen Grundstücke und Immobilien und fordern die Eigentümer zur Zahlung auf. Das ist nicht Sache des Finanzamts.

Übrigens:

Die Länder haben mehrheitlich das Berechnungsmodell des Bundes übernommen. In Sachsen und dem Saarland werden geringfügig andere Steuermesszahlen zugrunde gelegt. Und Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen berechnen die Grundsteuer gänzlich anders: Dort geben die Art der Immobilie und das Baujahr den Ausschlag.

Einige werden mehr Grundsteuer zahlen müssen

Durch die neue Berechnung der Grundsteuer kann es dazu kommen, dass manche Eigentümer/innen mehr bezahlen müssen und andere weniger. Die Gemeinden sind aber dazu angehalten, die Grundsteuerzahlungen insgesamt auf einem gleichen Niveau, wie vor der Reform zu halten. Was das für Sie als Eigentümer/in persönlich bedeutet, erfahren Sie allerdings erst 2025. Denn dann verschicken die Städte und Gemeinden zum ersten Mal die neuen Grundsteuerbescheide verschickt.

Wichtig:

Leider dürfen wir als Lohnsteuerhilfeverein in Sachen Grundsteuererklärung nicht für Sie tätig werden, da die Erstellung der Grundsteuererklärung und die Prüfung des Grundsteuerbescheids nicht Teil unserer Beratungsbefugnis ist. Bei Fragen dazu wenden Sie sich daher bitte an eine/n Steuerberater/in oder direkt an die Finanzbehörden.

Ermittlung nach dem Einheitswert bis 2025

Die Grundsteuer wird noch bis 2025 anhand des Einheitswerts errechnet, daher sollte man diesen kennen:

Kurz gesagt, ist der Einheitswert noch bis 2025 in Deutschland die Bemessungsgrundlage, um den Wert eines unbebauten oder bebauten Grundstücks zu bestimmen und daraus die entsprechenden Steuern abzuleiten. Dabei wird versucht, dem tatsächlichen Markt- bzw. Verkehrswert möglichst nahe zu kommen. Doch heute weichen die Einheitswerte stark vom tatsächlichen Wert eines Grundstücks ab. Sie werden nämlich auf Grundlage der Wertverhältnisse zur Zeit des sogenannten Hauptfeststellungszeitpunkts am 1. Januar 1964 (West) bzw. 1. Januar 1935 (Ost) festgelegt. Wegen des hohen Verwaltungsaufwands wurde seither auf weitere Hauptfeststellungen verzichtet. Die Einheitswerte für Grundstücke liegen daher heute deutlich unter den realen Verkehrswerten.

Weil diese Unterscheidung zwischen Ost und West nicht mit dem Gleichheitssatz vereinbar ist, hat das Bundesverfassungsgericht dieses Verfahren als verfassungswidrig eingestuft und die aktuelle Reform veranlasst. Siehe oben.

Übrigens:

Der Einheitswert kommt auch bei der Berechnung der Zweitwohnsitz-Steuer zum Einsatz. Für die Berechnung der Erbschaftssteuer und Grunderwerbssteuer spielt der Einheitswert heute keine Rolle mehr.

Grundsteuer mit dem Einheitswert berechnen

Alle bebauten gemischt genutzten Grundstücke, Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke, Eigentumswohnungen und Geschäftsgrundstücke sowie fast alle Einfamilienhäuser werden grundsätzlich im Ertragswertverfahren bewertet. Das heißt: Um den Einheitswert zu erhalten, wird die Jahresrohmiete (zum 01. Januar 1964 im Westen bzw. 01. Januar 1935 im Osten), die ein fiktiver Mieter für das gesamte Kalenderjahr zu entrichten hätte, mit einem Vervielfältiger multipliziert. Hinzu kommen noch Zuschläge (werterhöhende Umstände) und Abschläge (wertmindernde Umstände). Dabei ist egal, ob die Immobilie tatsächlich vermietet wird oder nicht.

Aus dem Einheitswert des Grundbesitzes wird dann durch die Anwendung einer Grundsteuermesszahl der Grundsteuermessbetrag errechnet. Die Steuermesszahl beträgt zwischen dreieinhalb und sechs Promille. Die kommunalen Grundsteuerbeamten schlagen auf diesen Wert einen kommunal differierenden Hebesatz auf, woraus sich dann die Steuerlast für jeden Immobilienbesitzer ergibt. Dieser Hebesatz kann bis zu 400 Prozent betragen.

(Einheitswert x Grundsteuermesszahl) x Hebesatz = Grundsteuer

Dieses Verfahren – Bewertung, Steuermesszahl, Hebesatz – wird auch nach 2025 erhalten bleiben.

Übrigens:

Handelt es sich um ein unbebautes Grundstück, ermittelt sich der Einheitswert aus den Quadratmetern des Grundstücks multipliziert mit dem Bodenwert zum 01. Januar 1964 bzw. 01. Januar 1935.

Einheitswertfeststellung bei Grundstücksänderung

Für neu entstandene wirtschaftliche Einheiten, beispielsweise durch Teilung von Grundstücken oder durch Gründung von Wohnungseigentum, sowie für Einheiten, die erstmalig besteuert werden, muss das Finanzamt eine sogenannte Nachfeststellung durchführen. Der Einheitswert wird damit neu festgelegt. Die Einheitswertfeststellung erfolgt immer zum 1. Januar des Folgejahres der Wertänderung des Grundstücks oder des Entstehens einer neuen wirtschaftlichen Einheit. Per Einheitswertbescheid wird dem Grundstücksbesitzer dann der neue Wert seines Grundstücks mitgeteilt.

Grundsteuer von der Steuer absetzen

Vermieter/innen können die Grundsteuer als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen – und das sogar in voller Höhe. Für eine selbst genutzte Immobilie gilt das leider nicht.

Übrigens:

Sie wissen, nicht ob und wie Sie Ihre Grundsteuer von der Steuer absetzen können? Wir helfen Ihnen gerne dabei. Über unsere Beratersuche finden Sie eine VLH-Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

 

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Dies ist ein redaktioneller Text des Redaktionsteams der VLH. Es erfolgt keine Beratung zu Themen, die außerhalb der steuerlichen Beratungsbefugnis eines Lohnsteuerhilfevereins liegen. Eine Beratungsleistung im konkreten Einzelfall kann nur im Rahmen der Begründung einer Mitgliedschaft und ausschließlich innerhalb der Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG erfolgen.

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