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Kosten für Handwerker von der Steuer absetzen

Sie können jährlich bis zu 1.200 Euro Steuern sparen mit dem sogenannten Handwerkerbonus. Vom Ausbau bis zur Renovierung: Die Liste der Leistungen im Überblick.

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Kosten für Handwerker von der Steuer absetzen

Die Rechnungen für Handwerksarbeiten am eigenen Haus sind in vielen Fällen von der Steuer absetzbar. Dieser sogenannte Handwerkerbonus ist inzwischen zu einem der größten Steuergeschenke an den Bürger geworden. Über eine Milliarde Euro jährlich soll er Experten zufolge den Staat kosten, manche schätzen sogar noch mehr.

Vor mehreren Jahren gehörten Handwerkerleistungen im Steuerrecht noch zu den haushaltsnahen Dienstleistungen. Seit 2003, durch das "Zweite Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt", wurde der Handwerkerbonus davon abgekoppelt. 2009 fasste der Gesetzgeber diese steuerliche Änderung im Jahressteuergesetz (JStG) noch einmal zusammen, weil es auf die EU-Haushalte erweitert wurde.

Handwerkerbonus jetzt auch bei Erweiterung des Wohnraums

Die letzte Aktualisierung erfolgte dann durch das Bundesfinanzministerium (BMF) Anfang 2014. In einem Schreiben an die Finanzämter wurde der Katalog der Handwerkerleistungen noch einmal erweitert, die Bürger von der Steuer absetzen können.

Seitdem sind auch Handwerkerleistungen von der Steuer absetzbar, die zu einer Erweiterung des Wohn- bzw. Nutzraums führen. Ausschlaggebend ist laut BMF-Schreiben lediglich, dass die Leistung "im Haushalt" erbracht wird. Wer also zum Beispiel den bislang ungenutzten Dachboden ausbauen lässt, kann die Handwerkerrechnung in der Steuererklärung geltend machen.

Bedingungen und Ausnahmen für den Handwerkerbonus

Zwei Bedingungen gibt es dafür, dass man Handwerkerleistungen absetzen kann: Erstens, dass es sich um Bauarbeiten an einer bestehenden Immobilie handelt – also kein Neubau –, und zweitens, dass man selbst in dem Objekt wohnt.

Eine Ausnahme gilt für Wohnungen oder Häuser, die den eigenen Kindern überlassen werden, ohne dass sie Miete zahlen. Für Vermieter gelten andere Regeln. Lesen Sie dazu unseren Überblick. Mieter hingegen können ebenfalls Handwerker beauftragen und die Kosten von der Steuer absetzen.

Wichtig: Jeder, der Handwerkerleistungen absetzen will, darf die Rechnung nicht bar bezahlen, sondern über das Konto mitsamt einem entsprechenden Zahlungsbeleg. Die Rechnung und die Zahlungsquittung werden dann der Steuererklärung beigelegt.

Wie das mit den Handwerkerkosten genau funktioniert, zeigt Ihnen auch unser Video auf einen Klick:

Diese Grundsätze sollten Sie beachten

Grundsätzlich können Kosten von der Steuer abgesetzt werden, sobald die Handwerksarbeiten von einem Profi ausgeführt wurden. 20 Prozent des Arbeitslohns sind dann bis zu einer Höhe von 6.000 Euro absetzbar. So errechnet sich der Steuervorteil von bis zu 1.200 Euro.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Unklarheiten, inwieweit die eine oder andere Leistung absetzbar ist oder nicht. Jetzt gilt im Grundsatz, dass Reparieren, Renovieren, Austauschen oder Bestehendes erweitern, immer unter den sogenannten Handwerkerbonus fällt.

Von A bis Z - Diese Kosten können Sie absetzen:

  • Abflussrohrreinigung
  • Abwasserentsorgung
  • Arbeiten am Dach, an Bodenbelägen, an der Fassade, an der Garage, an Innen- und Außenwänden, an Zu- und Ableitungen, am Breitbandkabelnetz, am Fahrstuhl
  • Asbestsanierung
  • Aufstellen eines Baugerüsts
  • Außenanlagen (Zäune, Wege usw.)
  • Austausch oder Modernisierung der Einbauküche, von Bodenbelägen, von Fenstern und Türen
  • Brandschaden-Sanierung (wenn es kein Versicherungsschaden ist)
  • Carport- und Terrassenüberdachung
  • Dachgeschoßausbau
  • Dachrinnenreinigung
  • Elektroanlagen-Wartung
  • Fertiggaragen-Aufbau
  • Feuerlöscherwartung
  • Fußbodenheizung (Einbau)
  • Gartengestaltung (nicht die Gartenpflege)
  • Gemeinschaftsmaschinen-Wartung (z.B. Waschmaschine im Keller eines Mietshauses)
  • Graffitibeseitigung
  • Hausanschlüsse
  • Hausschwammbeseitigung (Schimmelbeseitigung)
  • Heizungskosten (nur Garantiewartung der Heizung, Austausch der Zähler laut Eichgesetz sowie Wartung und Reparatur der Heizung)
  • Insektenschutzgitter
  • Kamineinbau
  • Kellerausbau
  • Kellerschachtabdeckung
  • Klavierstimmer
  • Mauerwerksanierung
  • Modernisierung (z. B. Bad oder Küche)
  • Montagearbeiten (z. B. für neue Möbel)
  • Müllanlage (nur Wartung und Reparatur)
  • Müllschränke aufstellen
  • Pflasterarbeiten
  • Pilzbekämpfung
  • Reparatur, Wartung und Pflege von Bodenbelägen, Teppichboden, Parkett, Fliesen, von Fenstern und Türen (innen und außen), von Gegenständen im Haushalt (z. B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, PC)
  • Schadstoffsanierung
  • Schornsteinfeger
  • Terrassenüberdachung
  • Trockeneisreinigung
  • Trocknung von Mauerwerk
  • Umzäunungen
  • Wärmedämmung
  • Wartung (Aufzug, Heizung, Feuerlöscher, Pumpen, Abwasser-Rückstausicherung)
  • Wasserschadensanierung
  • Wasserentsorgung

Umzugsdienstleistungen, Taubenabwehr, Pflanzarbeiten: Im Einzelfall absetzbar

Neben unserer detaillierten Auflistung von absetzbaren Handwerkerleistungen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Arbeiten, die im Einzelfall geltend gemacht werden können.

Dazu zählen Umzugsdienstleistungen, Schädlingsbekämpfung, Taubenabwehr, Laubentfernung oder auch Gärtnerarbeiten. So gilt das Schneiden der Hecke, das Rasenmähen und Unkrautjäten beispielweise als haushaltsnahe Dienstleistung. Aber Pflanzarbeiten und Gartengestaltung sind Handwerkerleistungen. Im Zweifel fragen Sie am besten einen unserer Berater.

Handwerkerbonus bald wieder in der Diskussion?

Warum hat der Staat 2006 mit dem Handwerkerbonus ein so teures Steuergeschenk gemacht? Weil der Gesetzgeber damit die Schwarzarbeit eindämmen wollte. Die Überlegung war, dass die Bürger einen Handwerker immer auf Rechnung beschäftigen, um dadurch die Kosten absetzen zu können. Gleichzeitig steigt damit die Sicherheit vor Pfusch am Bau: Nur mit einer rechtmäßigen Rechnung lassen sich Fehler reklamieren.

Doch offenbar hat das Steuergeschenk die Welt nicht so deutlich besser gemacht wie ursprünglich erhofft. In einem Gutachten einer Wirtschaftsprüfgesellschaft, das die Regierung kürzlich in Auftrag gegeben hat, ist die Rede von einem vernachlässigbaren Effekt. Das heißt einerseits: Steuereinnahmen für den Staat entfallen, weil die Bürger die Handwerkerrechnungen absetzen. Und andererseits ist es fraglich, ob die Schwarzarbeit wirklich abnimmt.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kam übrigens auch schon der Bundesrechnungshof in einem Gutachten aus dem Jahr 2011. Die Kernaussagen damals:

  • Die Finanzämter prüfen in 80 bis 90 Prozent der Fälle das Vorliegen der Voraussetzung für Handwerkerbonus überhaupt nicht.
  • Es gibt hohe Mitnahmeeffekte in der Gestalt, dass es eine hohe Anzahl von Aufträgen gibt, die auch ohne Handwerkerbonus legal vergeben werden würden, (z.B. weil man sich die Garantie- und Gewährleistungsansprüche erhalten will).
  • Dies ist laut Rechnungshof eine Subventionierung von legalen Arbeiten.
  • Das vorgegebene Ziel der Bekämpfung der Schwarzarbeit wird durch den Handwerkerbonus daher nur bedingt erreicht.

Auch das neue Gutachten wird nun vom Bundestag geprüft. Was bei dieser Prüfung herauskommt, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Das Bundesfinanzministerium hat lediglich signalisiert, den Handwerkerbonus zunächst nicht anfassen zu wollen. Man sehe "keinen Handlungsbedarf", heißt es aus dem BMF.

Doch auch die Bundesländer sind kein großer Fan vom Handwerkerbonus. Sie plädieren dafür, dass nur noch Rechnungen abgesetzt werden können, die den Betrag von 300 Euro übersteigen. Inwieweit die Länder ihr politisches Gewicht über den Bundesrat einbringen, bleibt abzuwarten. Bis auf Weiteres bleibt der Handwerkerbonus dem Steuerzahler also erhalten.

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