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Arbeiten im Ausland: Wo muss ich Steuern zahlen?

Wenn Sie als Deutscher im Ausland arbeiten, müssen Sie entweder dort oder hier Steuern zahlen – manchmal sogar in beiden Ländern.

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Arbeiten im Ausland: Wo muss ich Steuern zahlen?

Es gibt viele Möglichkeiten im Ausland zu arbeiten: für einen deutschen Arbeitgeber oder einen ausländischen, nur ein paar Monate oder ganze Jahre. Und dabei können Sie Ihren Wohnsitz in Deutschland behalten oder aufgeben und ganz ins Ausland ziehen. Je nachdem welche Variante auf Sie zutrifft, gelten besondere Steuerregeln und diese sollten Sie kennen.

Grundsätzlich ist es sinnvoll sich vor dem Jobwechsel ins Ausland steuerlich beraten zu lassen, um doppelte Steuerzahlungen oder Nachzahlungen zu vermeiden.

Arbeiten im Ausland: Was sind die häufigsten Varianten?

Grob zusammengefasst, gibt es drei Arten im Ausland zu arbeiten:

  1. Sie wohnen in Deutschland und pendeln in ein Nachbarland, um dort zu arbeiten. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel Arbeiten im Nachbarland – was für Grenzgänger steuerlich gilt.
  2. Sie werden von Ihrem deutschen Arbeitgeber für eine bestimmte Zeit in ein anderes Land entsendet, um dort in seinem Auftrag zu arbeiten. Alle Steuerregeln zu diesem Thema erfahren Sie in unserem Überblick Entsendung: Steuerregeln für befristete Auslandstätigkeiten.
  3. Sie ziehen auf unbestimmte Zeit in ein anderes Land, um dort zu arbeiten – in der Regel für einen ausländischen Arbeitgeber.

Und wo muss ich nun Steuern zahlen?

Eine Grundregel des deutschen Einkommensteuergesetzes besagt, dass Sie immer dort Steuern zahlen müssen, wo Ihr Wohnsitz ist. Dabei ist entscheidend, dass Sie länger als sechs Monate dort gelebt haben. An diesem Ort haben Sie dann laut Steuerrecht Ihren „gewöhnlichen Aufenthalt“ und müssen dort Ihr gesamtes inländisches und ausländisches Einkommen versteuert. Das Ganze nennt sich Welteinkommensprinzip.

Doch keine Regel ohne Ausnahme:

Was gilt in Ländern mit Steuerabkommen?

Mit vielen Ländern hat Deutschland Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, in denen genau festgelegt wird, in welchem Land Steuern zu zahlen sind. Diese sind ganz individuell.

In den meisten ist festgelegt, dass Sie – auch wenn Sie Ihren Wohnsitz in Deutschland behalten – in der Regel dennoch in dem Land Ihre Lohnsteuer zahlen müssen, in dem nun Ihr Arbeitsplatz liegt – also im Ausland. Haben Sie allerdings zusätzlich noch Einkünfte in Deutschland, zum Beispiel durch die Vermietung oder Verpachtung, erhöht der Lohn im Ausland Ihren persönlichen Steuersatz in Deutschland. Wie das funktioniert, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Progressionsvorbehalt.

Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn Sie weniger als 183 Tage im Ausland gearbeitet haben, Ihr Arbeitgeber seinen Firmensitz in Deutschland hat und Ihnen von dort aus Ihr Gehalt zahlt. Dann sind Sie in Deutschland voll steuerpflichtig. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel 183-Tage-Regelung: Was ist das?

Übrigens:

Verkaufen Sie in Deutschland alles, was Sie haben und ziehen Sie mit der ganzen Familie für mehrere Jahre ins Ausland, um dort zu leben und zu arbeiten, müssen Sie in der Regel nur noch in Ihrer neuen Heimat Steuern zahlen.

Und wenn es kein Abkommen gibt?

Mit einigen Ländern hat Deutschland kein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. In diesem Fall gilt wieder die Grundregel aus dem Einkommensteuergesetz und Sie müssen in dem Land Steuern zahlen, in dem Sie mehr als die Hälfte des Jahres gewohnt haben. Arbeiten Sie also kürzer als ein halbes Jahr im Ausland, müssen Sie weiterhin in Deutschland Einkommensteuer zahlen.

Die gleiche Grundregel gilt, wenn Sie mit Ihrer gesamten Familie ins Ausland ziehen, um dort mehr als sechs Monate zu arbeiten. Sie sind dann in der Regel mit Ihrem kompletten Einkommen aus beiden Ländern im Ausland steuerpflichtig.

Übrigens:

Wenn Sie für einen ausländischen Arbeitgeber tätig sind, kann es sein, dass er Ihre Lohnsteuer automatisch einbehält und an den ausländischen Staat überweist. Sind Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, können Sie sich die gezahlte Steuer im Ausland auf die deutsche Steuer anrechnen lassen. Dazu müssen Sie allerdings eine Steuererklärung machen.

Arbeiten im Ausland, Wohnsitz in Deutschland: Was nun?

Kompliziert wird es, wenn Sie länger als ein halbes Jahr im Ausland arbeiten, Ihren Wohnsitz in Deutschland behalten und es kein Abkommen zwischen den Ländern gibt. Dann müssen Sie in der Regel in beiden Ländern Steuern zahlen. Denn durch Ihren Wohnsitz bleiben Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig und zwar mit Ihrem gesamten Einkommen und auch die ausländischen Behörden wollen einen Teil Ihres Arbeitslohns einbehalten, weil Sie dort arbeiten. Keine Rolle spielt dabei, ob Sie auch im Ausland eine Wohnung anmieten.

Damit Sie nicht doppelt Steuern zahlen, können Sie sich die gezahlte Steuer im Ausland in Deutschland anrechnen lassen. Dafür benötigen Sie allerdings einen Nachweis über die geleistete Zahlung. Das heißt: Nur wenn faktisch eine Doppelbesteuerung vorliegt, Sie also im Ausland tatsächlich Steuern gezahlt haben, hat dies Auswirkung auf Ihre deutsche Steuer.

Alternativ besteht die Möglichkeit sich in Deutschland von der Einkommensteuer befreien zu lassen. Das geht aber nur, wenn Sie von einem ausländischen Arbeitgeber bezahlt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit die Sozialabgaben weiterhin in Deutschland zu bezahlen und so den Anspruch auf Arbeitslosengeld, Rente und Pflegeversicherung zu behalten.

Übrigens:

Arbeiten Sie in der Entwicklungshilfe kann es sein, dass die deutsche Finanzverwaltung Ihren kompletten Lohn steuerfrei macht. Das Ganze nennt sich Auslandstätigkeitserlass, ist allerdings an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft.

Beratung suchen!

Da das Thema Arbeiten im Ausland sehr kompliziert ist, sollten Sie sich bei steuerlichen Fragen an jemanden wenden, der sich damit auskennt. Einige VLH-Berater haben sich auf dieses Thema spezialisiert. Über unsere Beratersuche finden Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

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