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Arbeiten in Deutschland: Was für Ausländer steuerlich gilt

Wer in Deutschland lebt und arbeitet, muss in der Regel auch hier Steuern zahlen. Ob Amerikaner, Pole oder Syrer ist dabei egal.

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Arbeiten in Deutschland: Was für Ausländer steuerlich gilt

Angehörige eines fremden Staates mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit, die sich dauerhaft in Deutschland aufhalten, sind laut Duden Migranten oder ausländische Mitbürger. Der alltagssprachlichere Begriff Ausländer hingegen, bezeichnet alle Weltreisenden – egal ob sie sich nur kurz oder lange im Ausland aufhalten. Das trifft also ebenso auf Deutsche zu, die nach Mallorca zum Urlauben reisen, als auch auf türkische Staatsbürger, die nach Deutschland kommen, um hier zu leben und ebenso auf Niederländer, die über die Grenze pendeln, um im Bundesgebiet zu arbeiten.

Übrigens:

Im Jahr 2016 sind laut Statistischem Bundesamt 1.084.000 Personen mit ausländischem Pass aus Deutschland fortgezogen und 1.719.000 Ausländer wanderten ein, 51 Prozent davon EU-Bürger. Insgesamt leben damit ca. 10,04 Millionen Ausländer in Deutschland.

Kommen, um zu bleiben

Wer nach Deutschland kommt und hier leben und arbeiten will, benötigt dafür gewisse Voraussetzungen. Welche Voraussetzungen für eine Erwerbstätigkeit in Deutschland erfüllt sein müssen, richtet sich zunächst danach, ob die Person Staatsangehöriger eines Mitgliedstaates der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftraums (EWR), der Schweiz oder Bürger eines Drittstaats ist.

  • EU- und EWR-Bürger: Alle Bürger aus EU- oder EWR-Ländern haben in Deutschland unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Es ist weder ein Visum noch eine Aufenthaltserlaubnis nötig. Für die Einreise wird lediglich ein Pass gebraucht und man ist verpflichtet sich drei Monate nach dem Umzug beim Einwohnermeldeamt anzumelden.

  • Schweizer: Auch Schweizer und ihre Angehörigen genießen innerhalb der EU Freizügigkeit und dürfen in Deutschland arbeiten. Sie müssen dafür allerdings eine Aufenthaltserlaubnis-Schweiz beantragen. Diese wird in der Regel schnell erteilt.

  • Bürger eines Drittstaats: Wer Bürger eines Drittstaats ist und dauerhaft in Deutschland bleiben möchte, benötig einen sogenannten Aufenthaltstitel, der das Arbeiten erlaubt. Dafür braucht man in der Regel einen Pass, einen gesicherten Lebensunterhalt und es darf kein Ausweisungsgrund vorliegen. Der Zweck des beabsichtigten Aufenthaltes und die fachlichen Qualifikationen bestimmen dann, welcher Aufenthaltstitel in Frage kommt.

ÜbrigenS:

Wer fünf Jahre Besitzer eines Aufenthaltstitels ist, im Bundesgebiet lebt und weitere Voraussetzungen erfüllt, hat Anspruch auf Erteilung einer Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU, ähnlich einer Niederlassungserlaubnis.

Arbeiten und Steuern zahlen

Wer in Deutschland arbeitet, egal ob Ausländer oder „Biodeutscher“, muss in der Regel auch hier Lohnsteuer zahlen. Dabei ist es vollkommen egal, ob Sie für eine internationale Firma tätig sind oder im Restaurant Ihrer Familie als Koch arbeiten.

Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn beispielsweise ein ausländischer Arbeitgeber seinen Mitarbeiter nur für ein paar Wochen zum Arbeiten nach Deutschland schickt. Dauert der Aufenthalt weniger als 183 Tage, bleibt der Arbeitnehmer in seiner Heimat steuerpflichtig. In unserem Artikel zur 183-Tage-Regelung wird das genauer erklärt. Zudem muss keine Sozialversicherung in Deutschland gezahlt werden.

Alle anderen Ausländer, die hier arbeiten, unterliegen grundsätzlich dem deutschen Sozialversicherungsrecht. Die Staatsangehörigkeit oder der Wohnsitz sind dabei egal. Für Staatsangehörige der EU gilt allerdings, dass sie durch die Zahlung von Beiträgen in die deutsche Sozialversicherung auch Ansprüche im Heimatland erwerben. Die Höhe der Ansprüche richtet sich dann jedoch nach den Bestimmungen des Landes, in dem die Auszahlung erfolgt.

Wanderarbeiter als Helfer in Deutschland

Einige Ausländer kommen nur für wenige Wochen im Jahr nach Deutschland, um sich hier als Erntehelfer bzw. Saisonarbeiter für einen deutschen Arbeitgeber krumm zu machen. Die Familie bleibt in der Heimat und nach getaner Arbeit geht der Helfer wieder zurück. Die meisten Wanderarbeiter kommen aus der EU. In der Regel sind sie daher trotz Wohnort im Ausland, in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. Das heißt: Der Fiskus hält nur bei den in Deutschland erzielten Einkünften die Hand auf. Das gilt in der Regel ebenso für die vielen Grenzgänger, die täglich zwischen den Staaten pendeln, als auch für die ausländische Haushaltshilfe, die den Opa betreut.

Grund dafür sind Doppelbesteuerungsabkommen, die Deutschland mit den meisten Ländern geschlossen hat und die regeln, dass – wenn der Arbeitgeber seinen Sitz in Deutschland hat – ganz egal ist, wie lange ein Ausländer hier arbeitet, der deutsche Fiskus zieht die Lohnsteuer ein.  

Immigranten aus Afrika

Kommen Ausländer aus einem Land, mit dem Deutschland kein Abkommen zur Vermeidung von doppelter Besteuerung hat, dann wird es etwas komplizierter. Das trifft beispielsweise auf einige Länder in Afrika zu, aber auch auf Afghanistan - also Regionen aus denen häufig Flüchtlinge kommen. Bevor diese hier arbeiten und Steuern zahlen „dürfen“, müssen sie einige Hürden überwinden. Denn nur wer anerkannt ist, bekommt auch eine Arbeitserlaubnis. Mehr dazu in unserem Artikel Zahlen Flüchtlinge auch Steuern?

Wer dann allerdings einen Aufenthaltstitel erhält, der das Arbeiten erlaubt, muss in der Regel in Deutschland Steuern zahlen. Denn die Grundregel für Bürger aus Ländern ohne Abkommen besagt: Steuern werden dort gezahlt, wo der Wohnsitz ist und zwar für das komplette Einkommen, also auch für eventuelle Mieteinnahmen aus der Heimat. Dabei ist entscheidend, dass der Immigrant länger als sechs Monate in Deutschland lebt.

Wer kürzer in Deutschland lebt und arbeitet, ist weiterhin in seiner Heimat steuerpflichtig. Und wer seinen Wohnsitz bei der Familie behält und trotzdem für mehrere Jahre zum Arbeiten nach Deutschland kommt, der muss im Zweifelsfall sogar in beiden Ländern Steuern zahlen.

ÜBRIGENS:

Zu kompliziert? Auch ohne deutschen Pass können Sie sich von einem Lohnsteuerhilfeverein die Steuererklärung machen und sich beraten lassen. Über unsere Beratersuche finden Sie eine VLH-Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Zudem gibt es unsere Beitragsordnung in verschiedenen Sprachen.

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