Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Entsendung: Steuerregeln für befristete Auslandstätigkeiten

Wer im Auftrag seines Arbeitgebers für mehrere Monate in ein anderes Land geschickt wird, muss einige Steuerregeln beachten.

Mit anderen teilen
Entsendung: Steuerregeln für befristete Auslandstätigkeiten

Für Henning geht ein Traum in Erfüllung: Sein Arbeitgeber entsendet ihn für zwei Jahre befristet in einen anderen Staat zum Arbeiten. Neben vielen Vorbereitungen, die Henning nun treffen muss, hat er auch Fragen hinsichtlich der Besteuerung. Muss er nun in Deutschland seinen Lohn versteuern oder im Tätigkeitsland?

Die Grundregel besagt, dass natürliche Personen immer dort steuerpflichtig sind, wo sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Dabei ist entscheidend, dass sie länger als sechs Monate dort ihren Wohnsitz hatten. Ist dies der Fall, wird das gesamte inländische und ausländische Einkommen dort versteuert, wo man lebt. Diese Regel nennt sich Welteinkommensprinzip.

Übrigens:

Bei Eheleuten gilt, dass ein Ehegatte - sofern die Ehegatten nicht dauernd getrennt leben - seinen Wohnsitz prinzipiell dort hat, wo seine Familie lebt.

Abkommen schlägt Regel

Zwischen vielen Staaten bestehen Doppelbesteuerungsabkommen, die unter anderem regeln, in welchem Staat Steuern zu zahlen sind, wenn Tätigkeitsstaat und Ansässigkeitsstaat nicht identisch sind. In den meisten Abkommen ist festgelegt, dass Steuern in dem Staat zu entrichten sind, in dem gearbeitet wird. Dabei liegt der Ort der Arbeitsausübung grundsätzlich dort, wo der Arbeitnehmer sich zur Ausführung seiner Tätigkeit persönlich aufhält. Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, woher oder wohin die Zahlung des Arbeitslohns geleistet wird oder an welchem Ort der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz hat. Im Rahmen der Freistellungsmethode werden die entsprechenden Einnahmen dann in Deutschland von der Einkommensteuer regelmäßig freigestellt. Allerdings können sie bei der Bemessung des Steuersatzes für eventuelle Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung berücksichtigt werden. Das heißt: Sie unterliegen dem Progressionsvorbehalt.

Da Henning für zwei Jahre in einem anderen Staat arbeiten wird, will er auch umziehen. Dadurch wird sein Tätigkeitsstaat auch zum Ansässigkeitsstaat und in der Regel muss Henning nur noch in seinem Gastland Steuern zahlen, denn ein Haus oder andere Einkünfte hat er in Deutschland nicht. Da die Entsendung allerdings auf zwei Jahre beschränkt ist, bleibt er in Deutschland sozialversicherungspflichtig. Das gilt normalerweise für alle EU-Staaten oder Länder des EWR.

Übrigens:

Hält sich ein Arbeitnehmer weniger als sechs Monate im Tätigkeitsstaat auf und erhält er seinen Arbeitslohn aus Deutschland von einem dort ansässigen Unternehmen – also nicht von einer Betriebsstätte des Unternehmers im Tätigkeitsstaat – muss er weiterhin in Deutschland Steuern zahlen. Mehr dazu in unserem Artikel 183-Tage-Regelung: Was ist das?

Hat der Arbeitgeber allerdings ein Tochterunternehmen mit Sitz im Tätigkeitsland, mit dem der Arbeitnehmer einen neuen Vertrag abschließt und von dem er sein Gehalt bekommt, hat er nun einen ausländischen Arbeitgeber und muss im Tätigkeitsland Steuern zahlen - egal wie lange der Aufenthalt dauert.

Länder ohne Abkommen

Hennings Schwester Frederike arbeitet in der Entwicklungshilfe. Sie wird von ihrem deutschen Arbeitgeber befristet in einen afrikanischen Staat entsendet, mit dem Deutschland kein Abkommen hat. Für sie gelten folgende Regeln:

  1. Endsendung kürzer als 6 Monate – Wohnort in Deutschland: Bei befristeten Auslandsentsendungen unter einem halben Jahr kommt es häufig vor, dass der Wohnort in Deutschland beibehalten wird und auch die Familie nicht mit in den Tätigkeitsstaat zieht. In diesem Fall gilt: Jeder, der in Deutschland seinen Wohnsitz beziehungsweise gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist in Deutschland mit seinem kompletten Welteinkommen unbeschränkt steuerpflichtig.

    Darüber hinaus ist im Falle einer Auslandstätigkeit auch immer das Tätigkeitsland einkommensteuerberechtigt. Voraussichtlich wird das Tätigkeitsland in einem solchen Fall allerdings darauf verzichten.

  2. Entsendung kürzer als 6 Monate – Wohnort im Ausland: Wer ungebunden ist und gerne umzieht, kann auch bei einer kurzen Auslandsentsendung seinen Wohnort zum Tätigkeitsort verlegen. Dabei gilt: Dauert eine Auslandstätigkeit weniger als 183 Tage, ist man trotz Umzug weiterhin in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Denn unter einem halben Jahr wird der Wohnort nicht zum gewöhnlichen Aufenthaltsort deklariert.

    Darüber hinaus ist im Falle einer Auslandstätigkeit auch immer das Tätigkeitsland einkommensteuerberechtigt.

  3. Entsendung länger als 6 Monate – Wohnort in Deutschland: Auch bei einer befristeten Entsendung, die länger als ein halbes Jahr dauert, kann es vorkommen, dass der Wohnsitz nicht verlegt wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es im sich um einen Auslandseinsatz handelt und der Arbeitnehmer am Tätigkeitsort von seinem Arbeitgeber untergebracht wird. Für diese Personengruppe gilt in der Regel, dass sie weiterhin mit ihrem kompletten Einkommen in Deutschland steuerpflichtig sind.

    Darüber hinaus ist im Falle einer Auslandstätigkeit auch immer das Tätigkeitsland einkommensteuerberechtigt. Arbeitnehmer haben allerdings die Möglichkeit sich die im Tätigkeitsland gezahlte Steuer in Deutschland anrechnen zu lassen.

  4. Entsendung länger als 6 Monate – Wohnort im Ausland: Sind Arbeitnehmer für ein internationales Unternehmen tätig und werden befristet entsendet, nutzen sie häufig die Möglichkeit  als Expatriates mit der ganzen Familie in einem anderen Land leben zu können – auch wenn es nur für ein bis zwei Jahre ist. Dabei gilt, dass man sein gesamtes Einkommen im Tätigkeitsland versteuern muss. In Deutschland sind sie nur noch beschränkt steuerpflichtig, wenn beispielsweise das Haus vermietet wird, sie also Einkünfte im Heimatland haben.

Anrechnungsmethode

Arbeitet ein Mitarbeiter in einem Staat, mit dem kein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, kann der Steuerpflichtige die im Ausland festgesetzte, entrichtete und keinem Ermäßigungsanspruch unterliegende Steuer auf die deutsche Einkommensteuer anrechnen lassen. Die ausländische Steuer wird dabei nur bis zur einem Höchstbetrag angerechnet, der nach der Formel des § 34c Abs. 1 Satz 2 EStG berechnet wird.


Auf Frederikes befristeten Auslandsaufenthalt trifft Variante a) zu, denn sie wird nur vier Monate in Afrika verbringen und in einer Unterkunft ihres Arbeitgebers leben. Sie bleibt daher in Deutschland steuerpflichtig.

Wichtig zu wissen: Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, kann auch bei einer Entsendung seine Werbungskosten absetzen. Dazu gehören beispielsweise Fahrt-, Übernachtungs- und Reisenebenkosten sowie Ausgaben für eine doppelte Haushaltsführung – wenn diese der Arbeitgeber nicht übernimmt. Zudem lässt sich für die ersten drei Monate der Auslandsentsendung der Verpflegungsmehraufwand geltend machen.

Auslandstätigkeitserlass: Steuerfreiheit für bestimmte Tätigkeiten

Durch einen Auslandstätigkeitserlass (ATE) hat die Finanzverwaltung die Möglichkeit, unbeschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer, die im Ausland tätig sind, komplett von der Besteuerung auszunehmen.

Ein Auslandstätigkeitserlass ist allerdings nur möglich, wenn

  • es sich um einen inländischen Arbeitgeber handelt,
  • mit dem Land kein Doppelbesteuerungsabkommen besteht,
  • die Dauer der Tätigkeit ununterbrochen über drei Monate dauert und
  • die Tätigkeit im Zusammenhang mit der Aufstellung oder Instandhaltung von Wirtschaftsgütern steht, dem Aufsuchen oder der Gewinnung von Bodenschätzen gilt oder Entwicklungshilfe geleistet wird.

Auf Frederike treffen diese Bedingungen zu und dank Auslandstätigkeitserlass muss sie für ihre Arbeit in Afrika gar keine Steuern zahlen. Ihr Bruder Henning hingegen arbeitet für ein ganz normales Unternehmen und er reist zudem in ein Land mit Abkommen. Er bleibt steuerpflichtig.

Übrigens:

Für Entwicklungshelfer, den Katastrophenschutz oder Soldaten gibt es einige Zuschläge für eine Auslandstätigkeit, die häufig steuerfrei sind.

Auslandszulagen als Anreiz für Entsendungen

Henning wollte schon immer mal in einem anderen Staat arbeiten. Daher hätte es weiterer Anreize eigentlich gar nicht gebraucht. Dennoch hat sein Arbeitgeber ihm zugesagt, dass er sowohl die Umzugskosten für die ganze Familie als auch die Schulgebühr für Hennings Kinder zahlen wird. Und auch ein Dienstwagen wäre möglich gewesen, doch er wird seinen Familienvan ins Gastland mitnehmen. Steuerfrei sind diese Auslandszulagen allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Mehr dazu in unserem Artikel Was ist ein geldwerter Vorteil?

Daneben gibt es noch einen besonderen Zuschlag, der nur für Expatriates wie Henning gilt.

Kaufkraftzuschlag: Steuerfrei bei befristeter Tätigkeit

Wer im Auftrag des Arbeitgebers vorübergehend einer Auslandstätigkeit nachgeht, kann einen steuerfreien Kaufkraftzuschlag bekommen. Denn in vielen Ländern sind die Lebenshaltungskosten höher als in Deutschland. Dieser Kaufkraftzuschlag kann bis zu 40 Prozent des Arbeitslohns betragen.

Doch damit das zusätzliche Geld des Chefs auch tatsächlich steuerfrei bleibt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Arbeitnehmer hat seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Tätigkeitsstaat. (Davon geht man aus, wenn der Arbeitnehmer für mindestens sechs Monate entsandt wird.)
  • Der dienstliche Auslandsaufenthalt ist befristet.
  • Der Kaufkraftzuschlag wird als gesonderter Lohnbestandteil auf der Gehaltsabrechnung ausgewiesen.

Die Höhe des Kaufkraftzuschlags hängt von dem Land ab, in das der Arbeitnehmer geschickt wird. In Dänemark gibt es beispielsweise bis zu 20 Prozent und in Japan sogar bis zu 35 Prozent des Arbeitslohns. Aber nicht für jedes Land gibt es einen steuerfreien Zuschlag. Wer zum Beispiel in Spanien, Luxemburg oder Serbien arbeitet, geht leer aus.

Das Bundesfinanzministerium legt vierteljährlich die Sätze für den Kaufkraftzuschlag fest.

Übrigens:

Steigt ein Kaufkraftzuschlag rückwirkend, darf der Arbeitgeber dem Mitarbeiter zu viel einbehaltene Lohnsteuer erstatten. Sinkt der Satz rückwirkend, muss der Arbeitnehmer aber nichts zurückzahlen.

Mit anderen teilen
Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen Schließen