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Midijob und Steuern: Wie geht das?

Einige Deutsche verdienen weniger als 1.600 Euro. Dank Übergangsbereich müssen sie weniger Abgaben zahlen - mitunter kann der Midijob sogar steuerfrei sein.

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland arbeiten als Minijobber/innen – die meisten im Einzelhandel. Darunter finden sich auch zahlreiche Rentner/innen, Studierende oder Nebenjobber, die sich zu ihrem Hauptberuf etwas hinzuverdienen möchten. Frauen sind dabei wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Seit 2003 gibt es noch den sogenannten Midijob. Die Besonderheit: Bei diesen Jobs mit Arbeitsentgelten im Übergangsbereich (früher Gleitzone bzw. Gleitzonenregelung) von 450,01 Euro bis 1.300 Euro werden die Sozialabgaben von ansonsten rund 20 Prozent abgemildert. Dazu später mehr.

Minijob: maximal 520 Euro im Monat

Wer bis zu 450 Euro (ab Oktober 2022: 520 Euro) im Monat verdient, gilt als Minijobber. In der Regel wird dieser mit einer einheitlichen Pauschalsteuer von zwei Prozent versteuert. Diese zahlt die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber. Für die Angestellte oder den Angestellten ist der Minijob dann steuerfrei und muss nicht mehr in die Steuererklärung eingetragen werden. Zudem werden für einen Minijob keine Sozialabgaben fällig. Und auch von der seit 2013 gültigen Rentenversicherungspflicht kann man sich zum Teil befreien lassen.

Statt die Pauschalversteuerung zu nutzen, können Minijobber/innen ihr Einkommen aber auch nach Lohnsteuerkarte versteuern. Die Lohnsteuer richtet sich dann nach der eigenen Steuerklasse. Wann sich das lohnt und mehr zum Thema Minijob erfahren Sie in unserem Artikel Minijob: Was ist das?

Midijob: 520,01 – 1.600 Euro im Monat

Als Midijobber/in gilt, wer regelmäßig mehr als 450 Euro (ab Oktober 2022: 520 Euro) verdient, aber weniger als 1.300 Euro (ab Oktober 2022: 1.600 Euro). Steuerfrei ist der Midijob nur unter bestimmten Voraussetzungen, Vorteile gibt es dafür bei den Sozialversicherungsbeiträgen, wenn der Midijob die einzige Tätigkeit der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers ist. Wichtig dabei: Midijobs sind sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen, für die die Krankenkassen zuständig sind und nicht die Minijob-Zentrale.

Übrigens:

Bis 2013 lag die Grenze für den Midijob bei 400,01 bis 800 Euro, von 2013 bis 2019 bei 450,01 bis 850 Euro und zwischen dem 1. Juli 2019  und dem 30. September 2022 bei 450,01 bis 1.300 Euro. Ab dem 1. Oktober 2022 steigt die Grenze für den Midijob auf 520,01 bis 1.600 Euro pro Monat. 

Übergangsbereichregelung im Midijob

Wenn der Midijob für Sie Ihre einzige Tätigkeit als Arbeitnehmer/in ist, profitieren Sie von reduzierten Sozialversicherungsbeiträgen. Eine spezielle Formel sorgt dafür, dass eine relativ starke Reduzierung der Beiträge im unteren Übergangsbereich des Midijobs erfolgt, während sich die Beiträge im oberen Bereich des Übergangsbereichs den allgemeinen Beitragssätzen zunehmend anpassen. Das heißt: Mit steigendem Bruttoverdienst erhöht sich der Sozialversicherungsbeitragssatz im Midijob gleitend, und bei einem Einkommen von 1.600 Euro wird dann das reguläre Niveau erreicht.

Wichtig: Für Arbeitnehmer/innen, die bereits sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und für die der Midijob ein zweiter Job ist, entfällt der Vorteil des Übergangsbereichs. Das heißt, dass Sie die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen und zudem ihr Gehalt im Midijob nach Steuerklasse VI (6) versteuert wird.

Übrigens:

Trotz Beitragsentrichtung im Übergangsbereich besteht ein voller Leistungsanspruch in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das heißt: Die erworbenen Rentenansprüche bemessen sich am vollen Bruttolohn. Bei der Arbeitslosenversicherung hingegen werden nur Ansprüche erworben, die in ihrer Höhe den niedrigen Beitragssätzen angepasst sind.

Besitzschutzregelung bis längstens 31. Dezember 2023

Alt-Midijobber/innen, also Arbeitnehmende, die bis zum 1. Oktober 2022 noch keine Minijobber/innen waren, es durch die Grenzerhöhung auf 520 Euro nun aber werden, bleiben in der Arbeitslosenversicherung sowie der Kranken- und Pflegeversicherung bis längstens 31. Dezember 2023 versicherungspflichtig, solange das durchschnittliche monatliche Arbeitsentgelt mehr als 450 Euro, aber nicht mehr als 520 Euro beträgt. Erhört sich ihr Arbeitsentgelt vorher auf mehr als 520 Euro oder beantragt der Arbeitnehmende die Befreiung von der Versicherungspflicht wird die Besitzschutzregelung aufgehoben.

Bei der Rentenversicherung gibt es – mit Ausnahme von Beschäftigungen in Privathaushalten – keine Bestandsschutzregelung. Das heißt: Arbeitnehmende, die über den 30. September 2022 hinaus beschäftigt sind und ein Arbeitsentgelt bis durchschnittlich maximal 520 Euro verdienen, werden ab 1. Oktober 2022 automatisch Minijobber/innen. Die Rentenversicherungspflicht bleibt also bestehen, solange keine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beantragt wird.

Übrigens:

Im neuen Übergangsbereich ab Oktober 2022 werden die Arbeitgeber/innen stärker belastet als vorher. Midijobber und Midijobberinnen hingegen profitieren dadurch, dass der Belastungssprung beim Übergang vom Minijob zum Midijob geglättet wird. Dadurch soll der Anreiz für Minijobber/innen erhöht werden, ihre Arbeitszeit über die Minijob-Grenze hinaus auszuweiten.

Im Midijob steuerfrei arbeiten

Wenn der Midijob Ihre erste Tätigkeit ist, dürfen Sie Ihre „normale“ Steuerklasse bei der Steuererklärung anwenden. Mit Steuerklasse III (3) ist Ihr Midijob dann sogar steuerfrei. Auch in Steuerklasse I (1), II (2) oder IV (4) müssen Sie meistens keine oder nur sehr wenig Lohnsteuer zahlen. Wenn Sie allerdings Steuerklasse V (5) oder VI (6) haben, müssen Sie auch für einen Midijob immer Lohnsteuer zahlen. Mehr dazu in unserem Artikel zum Thema Steuerklassen.

Übrigens:

Ihr Anstellungsverhältnis gilt automatisch als Midijob, sobald Ihr Gehalt auf knapp 1.300 Euro im Monat sinkt. Das ergibt sich aus den Beträgen. Sie als Arbeitnehmer/in müssen nicht tätig werden.

Mehrere Minijobs oder Minijob + Midijob

Spannend wird es, wenn man mehrere Minijobs oder einen Midijob plus Minijob hat. Verdienen Sie mit allen Jobs zusammen mehr als 450 Euro (ab Oktober 2022: 520 Euro), sind alle Jobs versicherungspflichtig – und damit keine Minijobs mehr. Eine Steuererklärung müssen Sie dann ebenfalls machen. Verdienen Sie trotz mehrerer Jobs nicht mehr als 1.300 Euro (ab Oktober 2022: 1.600 Euro), gilt für Sie weiterhin der Übergangsbereich für die Sozialversicherungsbeiträge.

 

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Dies ist ein redaktioneller Text des Redaktionsteams der VLH. Es erfolgt keine Beratung zu Themen, die außerhalb der steuerlichen Beratungsbefugnis eines Lohnsteuerhilfevereins liegen. Eine Beratungsleistung im konkreten Einzelfall kann nur im Rahmen der Begründung einer Mitgliedschaft und ausschließlich innerhalb der Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG erfolgen.

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