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Sind für eine Abfindung Steuern fällig?

Was ist eine Abfindung? Und werden für eine solche Einmalzahlung Steuern fällig? Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

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Sind für eine Abfindung Steuern fällig?

Wirtschaftliche Krisen kosten häufig tausende Jobs auf einen Schlag. Stellen Sie sich vor, es trifft auch Sie - zur betriebsbedingten Kündigung bietet Ihnen Ihr Arbeitgeber eine hohe Abfindung. Würden Sie dann gegen die Kündigung klagen? Wahrscheinlich nicht. Und genau das möchten Unternehmen mit der Einmalzahlung bezwecken. Dank der hohen Summe gehen Sie einigermaßen versöhnt in den Vorruhestand. Aber was viele nicht wissen: Auch eine Abfindung muss versteuert werden.

Geh mit Geld, aber geh!

Per Definition ist eine Abfindung eine einmalige, außerordentliche Zahlung, die der Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber bekommt. Sie ist eine Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes und der damit verbundenen Verdienstmöglichkeit.

Eine Abfindung ist eine freiwillige Leistung

Dass einem Arbeitnehmer nach jeder Kündigung zwangsläufig eine Abfindung zusteht, ist ein Irrtum, der weit verbreitet ist. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung glauben zwei Drittel aller Deutschen, dass die Entschädigung in einem Abfindungsgesetz geregelt ist. Dem ist allerdings nicht so. Eine Abfindung ist eine freiwillige Leistung, auf die es keinen gesetzlichen Anspruch gibt.

Die Höhe der Abfindung ist Verhandlungssache

Auch bei der Höhe der Abfindung gibt es keine gesetzliche Regelung. Eine grobe Orientierung bietet folgende Faustformel: Für jedes Jahr, das man in einem Unternehmen gearbeitet hat, gibt es ein halbes Monatsgehalt Abfindung. Hat also ein Mitarbeiter beispielsweise zehn Jahre lang für ein monatliches Bruttogehalt von 3.000 Euro gearbeitet, gibt es rund 15.000 Euro Abfindung. Die endgültige Höhe der Entschädigung ist aber Verhandlungssache.

Mehr netto vom brutto

Seit 2006 sind Abfindungszahlungen in vollem Umfang steuerpflichtiger Arbeitslohn, also nichts anderes als eine erhaltene Lohnzahlung. Eine Abfindung wird nicht regelmäßig gezahlt, sondern gehört zu den außerordentlichen Einkünften. Deshalb kann sie nach der sogenannten Fünftelregelung besteuert werden.

Die Fünftelregelung geht so:

Zunächst teilt der Finanzbeamte die Abfindung durch fünf. Ein Fünftel wird zum Jahreseinkommen addiert. Im nächsten Schritt wird die Steuer berechnet, die sich auf das Jahreseinkommen ergibt. Dieser Betrag wird mit dem Betrag verglichen, der sich ohne Abfindung ergeben hätte. Die Differenz ergibt die steuerliche Mehrbelastung, die zu zahlen wäre, wenn der Arbeitnehmer nur ein Fünftel der Abfindung erhalten hätte. Die so entstehende steuerliche Mehrbelastung wird mit fünf multipliziert. Im Endeffekt bedeutet das, dass die relativ günstige Besteuerung, die sich für das Fünftel der Abfindung ergibt, auf die gesamte Abfindung angewendet wird. Klingt kompliziert? Ein Beispiel verdeutlicht den Prozess:

Volker K. Single, kinderlos, 56 Jahre alt und seit 25 Jahren Zahntechnikermeister, musste kürzlich seine betriebsbedingte Kündigung hinnehmen. Seine Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind trotz seiner Fähigkeiten und Berufserfahrung eher schlecht: Er ist zu alt. Eine Abfindung soll ihm die erste Zeit nach der Kündigung erleichtern.

Volker erhält eine Abfindung von 10.000 Euro. Sein zu versteuerndes Jahreseinkommen beträgt 26.000 Euro. Zusammengenommen beträgt sein zu versteuerndes Einkommen also insgesamt 36.000 Euro.

2017 sieht die Rechnung wie folgt aus:

1. Der Finanzbeamte addiert ein Fünftel der Abfindung zum Jahreseinkommen und errechnet die Steuer.

Jahreseinkommen 26.000 Euro
+ ein Fünftel der Abfindung  2.000 Euro
zu versteuerndes Einkommen
darauf entfallender Steuerbetrag
28.000 Euro
  4.803 Euro

2. Der Finanzbeamte errechnet die Steuer für das Jahreseinkommen ohne die Abfindung.

zu versteuerndes Einkommen
(ohne Abfindung)
26.000 Euro
darauf entfallender Steuerbetrag  4.206 Euro

3. Der Finanzbeamte bildet die Differenz aus beiden Steuerbeträgen und verfünffacht das Ergebnis. 

Steuebetrag mit Abfindung 4.803 Euro
- Steuerbetrag ohne Abfindung 4.206 Euro
Unterschiedsbetrag
x 5
   597 Euro
2.985 Euro

Volker zahlt also 4.206 Euro Einkommensteuer auf seine Jahreseinnahmen zuzüglich 2.985 Euro auf die Abfindung, also insgesamt 7.191 Euro Einkommensteuer.

Entscheidet sich Volker gegen die Fünftelregelung, versteuert er die 36.000 Euro komplett und zahlt 7.374 Euro Einkommensteuer. Durch die Fünftelregelung spart er also 183 Euro ein.

Sie haben keine Lust, mühsam selbst zu rechnen. Kein Problem! Nutzen Sie unseren Abfindungsrechner:

 

 

Fünftelregelung auch bei Auflösungsvertrag

Am 17.03.2017 hat das Finanzgericht Münster in einem konkreten Fall entschieden, dass auch Abfindungszahlungen nach einem Auflösungsvertrag mit der Fünftelregelung besteuert werden können (Aktenzeichen 1 K 3037/14 E). Allerdings haben die Münsteraner wegen „grundsätzlicher Bedeutung“ Revision zugelassen. Der Bundesfinanzhof muss nun endgültig entscheiden, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit auch Abfindungen nach einem Auflösungsvertrag mit der steuerlich günstigeren Fünftelregelung berechnet werden dürfen.

Ein ausführliches Rechnungbeispiel zur Fünftelregelung zeigt Ihnen auch unsere Infografik zum Thema Abfindung:

Voraussetzungen für die Fünftelregelung

Das Finanzamt akzeptiert die Fünftelregelung nur unter bestimmten Voraussetzungen. Es muss beispielsweise zu einer "Zusammenballung von Einkünften" kommen. Das heißt, dass der Arbeitnehmer durch die Abfindung mehr Geld im Jahr bekommt als er es bei einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses erhalten hätte. Manchmal empfiehlt es sich deshalb, sich die Abfindung im Folgejahr auszahlen zu lassen.

Der ermäßigte Steuersatz kann nicht angewendet werden, wenn eine Abfindung in zwei Veranlagungszeiträumen ausbezahlt wird, dass heißt, einheitliche Teilauszahlungen stattfinden. Und zwar auch dann, wenn die Teilzahlungen jeweils mit anderen laufenden Einkünften zusammentreffen und sich daraus ein Progressionsnachteil ergibt.

Das gilt bei einer Abfindung und Arbeitslosengeld

Nehmen wir einmal an, Sie haben noch keinen neuen Job und bekommen Arbeitslosengeld. Wie ist das dann mit der Abfindung? Wirkt die Abfindung sich auf Ihr Arbeitslosengeld aus?

Wird Ihnen eine Abfindung gezahlt, hat das keine Auswirkungen auf Ihr Arbeitslosengeld, wenn Ihr Arbeitsverhältnis fristgerecht gekündigt wird. Das bedeutet: Arbeitgeber und Arbeitnehmer halten die gesetzlichen Kündigungsfristen ein. Ist das der Fall, bekommen Sie Ihr volles Arbeitslosengeld I unmittelbar nach dem Ende Ihrer Beschäftigung ausgezahlt.

Häufig einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit der Abfindung aber auf ein vorzeitiges Ende der Beschäftigung ohne die gesetzlichen Kündigungsfristen einzuhalten. Ist das der Fall, bekommt der Arbeitnehmer unter Umständen einige Monate kein Arbeitslosengeld. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld I „ruht“ bis zum Ende der gesetzlichen Kündigungsfrist. Erst danach wird das Arbeitslosengeld ausgezahlt. An der Höhe des Arbeitslosengeldes und der Dauer der Zahlung ändert sich aber nichts. Der Nachteil: Während der „Ruhezeit“ muss der Betroffene seine Versicherungen selbst zahlen. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung in dieser Zeit nicht.

Auch Kirchensteuer wird fällig, aber Teilerlass möglich

Wer Mitglied einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft ist – dazu gehört zum Beispiel die katholische und die evangelische Kirche –, muss bei einer Abfindung immer auch Kirchensteuer zahlen. Was viele nicht wissen – und die Kirche auch nicht an die große Glocke hängt: Bei außerordentlichen Einkünften wie einer Abfindung gewähren viele Landeskirchen oder Bistümer einen "Rabatt". Kleine Einschränkung: Ob Sie den Rabatt bekommen oder nicht, entscheidet die Landeskirche oder das Bistum von Fall zu Fall. Es gibt keinen rechtlichen Anspruch darauf, das bestätigte auch vor vielen Jahren das Finanzgericht Nürnberg in einem Urteil.

So müssen Sie für einen Teilerlass der Kirchensteuer vorgehen

Sobald Sie eine Abfindung bekommen, müssen Sie nach Ablauf des Kirchenjahres den Teilerlass bei Ihrer Landeskirche oder dem Bistum beantragen. Ein Anruf vorab lohnt sich, denn manche Kirchen möchten eine Kopie des Steuerbescheids, andere eine kurze Beschreibung, warum Sie einen Erlass beantragen. Sobald Sie den Antrag abgeschickt haben, liegt es im Ermessen der Kirche, ob sie einen teilweisen Erlass gewährt. Bekommen Sie einen positiven Bescheid, werden Ihnen in der Regel 50 Prozent der geleisteten Kirchensteuer erlassen. Sie müssen also nur noch die Hälfte der Kirchensteuer zahlen.

Übrigens:

Das Thema Abfindung ist etwas kompliziert. Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehören solche Dinge zum Arbeitsalltag – sie stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Einen Ansprechpartner ganz in Ihrer Nähe finden Sie mit unserer Beratersuche!

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