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So nutzen Lebenspartner das Ehegatten-Splitting nachträglich

Wer verpartnert ist, hat rückwirkend ab 2001 ein Recht auf Ehegatten-Splitting. Drei praxisnahe Beispiele zeigen Ihnen, wie Sie dabei vorgehen müssen!

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So nutzen Lebenspartner das Ehegatten-Splitting nachträglich

Am 6. Juni 2013 hat das Bundesverfassungsgericht verkündet, dass die Finanzämter in Deutschland das Ehegatten-Splitting auch für eingetragene Lebenspartner anwenden müssen. Und zwar ab Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes am 1. August 2001.

Im Prinzip bedeutet das: Sie dürfen Ihre einzeln veranlagte Steuererklärung unter bestimmten Voraussetzungen rückwirkend bis 2001 nun zusammen mit Ihrem Lebenspartner bzw. Ihrer Lebenspartnerin veranlagen lassen. Dadurch können Sie Steuern sparen bzw. Steuerrückzahlungen erhalten.

Ehegatten-Splitting nachträglich nutzen: drei Fallbeispiele

In der Theorie klingt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ziemlich gut, aber rückwirkend bis 2001 – das ist ein sehr langer Zeitraum. Wahrscheinlich ist in den meisten Fällen die Abgabefrist der Steuererklärung bereits verjährt, denn in der Regel kann man seine Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend einreichen.

Was heißt das also für die Praxis? Hier die typischen Beispielfälle:

1. Keiner hat die Steuererklärung bisher abgegeben

Bis zum Richterspruch aus Karlsruhe galten eingetragene Lebenspartner als alleinstehend – zumindest im Steuerrecht. Weil manche "Alleinstehenden" keine Steuererklärung abgeben müssen, haben einige Lebenspartner das bislang auch nicht gemacht.

Jetzt können sie das bis zu vier Jahre rückwirkend nachholen, und zwar gemeinsam als zusammen veranlagtes Paar.

So gehen Sie jetzt vor: Füllen Sie gemeinsam mit Ihrem Lebenspartner bzw. Ihrer Lebenspartnerin das Hauptformular der Steuererklärung aus, auch Mantelbogen genannt. Erst tragen Sie hier Ihre Steuernummer ein, dann die Ihres Lebenspartners, anschließend Ihren Namen und Ihre Adresse sowie Name und Adresse Ihres Ehemanns oder Ihrer Ehefrau. Jetzt, ganz wichtig, kreuzen Sie den Kasten "Zusammenveranlagung" an.

 

Übrigens:

Noch sind die Steuerformulare auf die traditionelle Ehe ausgerichtet, das heißt ein Lebenspartner trägt sich zur Zeit noch als "Ehemann" und einer als "Ehefrau" ein.

Je nachdem ob Sie weitere Ausgaben wie zum Beispiel haushaltsnahe Dienstleistungen oder Werbungskosten hatten, sollten Sie weitere Formulare ausfüllen. Eine Übersicht über sämtliche Steuerformulare und was Sie darin eintragen können, erhalten Sie in unserem Steuer ABC Wie mache ich meine Steuererklärung?

Auf jeden Fall wird Ihr zuständiger Finanzbeamter für Sie nun das Ehegatten-Splitting anwenden. Sie können vor allem dann mit Steuerrückzahlungen rechnen, wenn einer von Ihnen eher wenig und der andere eher viel verdient. Wie beim Ehegatten-Splitting gerechnet wird, zeigt Ihnen unsere Infografik in unserem Artikel Was ist das "Ehegatten-Splitting"?

2. Beide haben ihre Steuererklärungen regelmäßig abgegeben

In diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Einer der beiden Steuerbescheide ist noch offen
    Angenommen, Sie und auch Ihr Lebenspartner bzw. Ihre Lebenspartnerin haben Ihre Steuererklärungen abgegeben, aber einer von Ihnen hat noch keinen Steuerbescheid erhalten. Oder einer von Ihnen hat seinen Steuerbescheid erhalten, aber Einspruch dagegen eingelegt und das Finanzamt hat noch nicht darauf geantwortet.

    Dann ist diese Steuererklärung noch offen, wie es im Fachjargon heißt. Der ein oder andere hat das sogar ganz bewusst getan, indem er Einspruch gegen den Bescheid eingelegt hat mit dem Verweis auf das damals noch ausstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Wie auch immer, grundsätzlich gilt: Für jede noch offene Steuererklärung können Sie nachträglich die Zusammenveranlagung beantragen.

  2. Keiner der beiden Steuerbescheide ist noch offen
    Sie und Ihr Lebenspartner bzw. Ihre Lebenspartnerin haben in den letzten Jahren Ihre Steuererklärungen abgegeben und dafür vom Finanzamt jeweils einen Steuerbescheid bekommen. Dann können Sie den Splitting-Vorteil nicht mehr nachträglich nutzen.

3. Einer von beiden hat seine Steuererklärung jährlich abgegeben

Nehmen wir an, Ihr Lebenspartner bzw. Ihre Lebenspartnerin hat in der Vergangenheit regelmäßig die Steuererklärung abgegeben. 

Sie selbst haben noch nie Ihre Steuererklärung abgeben müssen, denn wie gesagt: Steuerlich gesehen galten eingetragene Lebenspartner bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts als alleinstehend und sind in manchen Fällen nicht zur Abgabe verpflichtet.

So gehen Sie jetzt vor: Sie geben Ihre Steuererklärung für die letzten vier Jahre ab. Sie füllen gemeinsam mit Ihrem Lebenspartner das Hauptformular aus, auch Mantelbogen genannt. Erst Ihre Steuernummer, dann die Ihres Lebenspartners, anschließend Ihren Namen und Ihre Adresse, dann wieder die Ihres Ehemanns oder Ihrer Ehefrau. Und denken Sie daran: Kreuzen Sie den Kasten "Zusammenveranlagung" an.

Dadurch werden die Steuerbescheide Ihres Lebenspartners aufgehoben und neu berechnet, nämlich mit dem steuerlich günstigeren Ehegatten-Splitting. Sobald Ihr zuständiger Finanzbeamter alles bearbeitet hat, bekommen Sie für jedes der vier Jahre einen gemeinsamen Steuerbescheid.

In manchen Fällen ist es sogar möglich, eine Steuererklärung bis zu sieben Jahre rückwirkend zu erstellen und sich dementsprechend den Splittingvorteil zu sichern. Weil das aber von mehreren Faktoren abhängt, empfehlen wir Ihnen, sich beraten zu lassen. Eine Beraterin bzw. einen Berater der VLH finden Sie über unsere Beratersuche.

 

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