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Spekulationsfrist – was ist das?

Das eigene Haus oder die Rolex verkaufen gilt als privates Veräußerungsgeschäft. Steuern dafür sind dann fällig, wenn Sie die Spekulationsfrist nicht einhalten.

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Spekulationsfrist – was ist das?

Fast jeder hat schon mal etwas verkauft, ob auf dem Flohmarkt oder bei Ebay, an einen Freund oder den Nachbar. Meistens wird dabei mit Alltagsgegenständen gehandelt, und Sie als Verkäufer machen in der Regel ein Verlustgeschäft. Schließlich verliert ein Rennrad, das Auto oder die Küche durch noch so geringe Benutzung an Wert. Der Fiskus interessiert sich nicht für derlei Privatverkäufe. Egal, wie teuer Ihr Rennrad in der Anschaffung war, wie lange Sie es besessen haben und zu welchem Zeitpunkt Sie das Fahrrad verkaufen.

Ganz anders ist das bei bestimmten Gütern, die Sie mit Gewinn verkaufen. Genauer gesagt ab 600 Euro Gewinn nach Abzug aller Kosten: Dann spielt es eine große Rolle, in welcher Frist Sie etwas gekauft und dann wieder verkauft haben.

Was ist mit "Spekulationsfrist" gemeint?

Nehmen wir an, Sie haben sich ein Haus gekauft. Nach ein paar Jahren wollen Sie das Haus wieder verkaufen, vielleicht weil Sie aus beruflichen Gründen in eine weit entfernte Gegend ziehen müssen. Besitzen Sie das Haus weniger als zehn Jahre, dann müssen Sie auf Ihren Verkaufsgewinn in der Regel Steuern zahlen – denn für den Verkauf eines Hauses gilt eine zehnjährige Spekulationsfrist.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Beim Verkauf einer Immobilie innerhalb von zehn Jahren gibt es auch Fälle, in denen Sie keine Steuern auf Ihren Gewinn zahlen müssen: Wenn Sie das Haus oder die Wohnung ausschließlich selbst bewohnt haben; oder aber wenn Sie die Immobilie im Jahr des Verkaufs sowie in den beiden vorangegangenen Jahren selbst bewohnt haben. Genauere Details dazu erfahren Sie am Beispiel eines Ferienhauses in unserem Artikel Ferienhaus verkaufen, Gewinn versteuern.

Übrigens:

Ab wann gelten eigentlich die zehn Jahre Spekulationsfrist? In der Regel zählt der Tag, an dem Sie den Kaufvertrag zum Beispiel für Ihre Immobilie unterschrieben haben. Und das Finanzamt ist da genau: Es zählen exakt zehn Jahre, keinen Tag früher oder später.

Für andere Gegenstände, zum Beispiel eine Rolex, gilt nur eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Besitzen Sie also Ihre Rolex länger als 12 Monate, können Sie die Uhr mit Gewinn verkaufen, ohne dass Steuern dafür fällig sind. Besitzen Sie die Rolex beim Verkauf weniger als ein Jahr, ist Ihr Verkaufsgewinn steuerpflichtig.

Für welche Dinge gilt die Spekulationsfrist?

Die Finanzverwaltung unterscheidet zwischen "Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs" – also Dinge des täglichen Bedarfs wie Kleidung oder Möbel – und "Wirtschaftsgütern" – also eher Luxusgegenstände. Für alltägliche Gebrauchsgegenstände gibt es keine Spekulationsfrist, für Wirtschaftsgüter schon. Verkaufen Sie ein Wirtschaftsgut, nennt sich dieser Vorgang "privates Veräußerungsgeschäft", früher "Spekulationsgeschäft". Allerdings gibt es im Steuerrecht keine klare Definition für den Begriff Wirtschaftsgut.

Für folgende Objekte gilt - trotz fehlender Begriffsdefinition - eine Spekulationsfrist:

 10 Jahre Spekulationsfrist 1 Jahr Spekulationsfrist
- (vermietete) Häuser - Edelmetalle und Edelsteine
   
- (vermietete) Wohnungen - Goldbarren und Goldmünzen
   
- (unbebaute) Grundstücke - Münz- und Briefmarkensammlungen
   
- (Anteile an) geschlossene(n) Immobilienfonds - Antiquitäten und Oldtimer
   
- Miteigentumsanteile an vermieteten Immobilien - Schmuck, Gemälde, Kunstgegenstände
   
- Erbbaurecht  

 

Übrigens:

Früher galt die Spekulationsfrist auch für Aktienverkäufe. Das hat sich inzwischen geändert, denn seit 2009 zählen diese Gewinne zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Ihre Gewinne aus Aktienverkäufen tragen Sie in der Anlage KAP ein

Wie viel Steuern fallen innerhalb der Spekulationsfrist an?

Nehmen wir wieder das Beispiel mit dem Haus, das Sie weniger als zehn Jahre besitzen und dann verkaufen: Dann müssen Sie in der Regel Steuern auf Ihren Verkaufsgewinn bezahlen. Wie viel Steuern anfallen, dafür gibt es keinen festen Steuersatz oder eine Formel. Stattdessen berechnen die Finanzbeamten die anfallenden Steuern mit dem persönlichen Steuersatz. Die anfallenden Steuern können im Einzelfall bis zu 45 Prozent betragen. Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Artikel Was ist der persönliche Steuersatz?

Wie errechne ich meinen Gewinn?

So berechnen Sie den Gewinn oder auch Verlust aus einem privaten Veräußerungsgeschäft:

Veräußerungserlös
 
./. Anschaffungs- und Herstellungskosten
 
./. Anschaffungsnebenkosten (z. B. Makler, Notar, Grunderwerbssteuer)
 
+ Abschreibungen
 
./. Werbungskosten im Zusammenhang mit dem Verkauf
 
= Veräußerungsgewinn bzw. -verlust

Wo trage ich den Gewinn ein?

Sie haben Ihr Haus erfolgreich mit Gewinn verkauft? Dann tragen Sie die Gewinnsumme in der "Anlage SO" ein. Dazu sind Sie verpflichtet, sobald Ihr Reingewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft mindestens 600 EUR beträgt.

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