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Wie funktioniert die Abgeltungssteuer?

Anleger müssen auf Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden 25 Prozent Abgeltungssteuer zahlen. Wir erklären, wie das funktioniert.

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Wie funktioniert die Abgeltungssteuer?

Fast ihr ganzes Leben hat Florians Oma in ein Sparbuch einbezahlt. Nach ihrem Tod vererbt sie ihrem Enkel 50.000 Euro. Florian muss keinen Cent einzahlen, damit sich Omas Erbe vermehrt: Drei Prozent Zinsen zahlt ihm seine Bank, also 1.500 Euro jährlich. Dieses Geld ist Florians "Kapitalertrag" – und dafür muss er Abgeltungssteuer zahlen.

Was sind "Kapitalerträge"?

Zu den gängigsten Kapitalerträgen gehören:

  • Zinsen, zum Beispiel vom Sparbuch oder Girokonto;
  • Dividenden, zum Beispiel aus Aktien, Genossenschaftsanteilen oder GmbH-Anteilen;
  • Erträge aus Zertifikaten, zum Beispiel auf Rohstoffe, Währungen oder Fonds;
  • Wertzuwächse beim Verkauf von Aktien oder Investmentanteilen, also wenn eine Aktie günstig gekauft und teuer verkauft wird - dann gilt die Gewinnspanne als Wertzuwachs.

Für all die genannten Kapitalerträge müssen Sie als Anleger bzw. Besitzer seit 2009 die Abgeltungssteuer - auch "Kapitalertragsteuer" genannt - in Höhe von 25 Prozent zahlen.

Übrigens:

Bankspesen beim Kauf oder Transaktionskosten beim Verkauf von Aktien können Sie von Ihrem Gewinn abziehen. Das verringert den Gewinn und damit die zu zahlende Steuer.

Was ist durch die Abgeltungssteuer anders als früher?

Zwei entscheidende Dinge haben sich geändert, seit die Abgeltungssteuer am 1. Januar 2009 in Kraft getreten ist: Erstens müssen Steuerzahler wie Florian einheitlich 25 Prozent Steuern auf all ihre Kapitalerträge zahlen. Zweitens müssen sie ihre Kapitalerträge nicht mehr in der Einkommensteuererklärung angeben.

Für Florian und alle anderen Steuerzahler bringt das mehr Übersichtlichkeit, denn vorher waren manche Kapitalerträge steuerpflichtig, andere steuerfrei; manche waren in voller Höhe, manche nur zur Hälfte steuerpflichtig und für viele galten unterschiedliche Steuersätze. Jeder Kapitalertrag musste außerdem einzeln in den vielen Formularen der Steuererklärung angegeben werden.

Das ist heute anders: Die Abgeltungssteuer wird von deutschen Banken automatisch an das Finanzamt überwiesen. Also von dort, wo der Kapitalertrag und die fällige Steuer entstehen. In Florians Fall ist das die Bank, bei der das Sparbuch liegt: Sie erstellt jedes Jahr eine Übersicht über alle Kapitalerträge eines Kunden und schickt sie ihm zu. Gleichzeitig überweist sie die fällige Abgeltungssteuer direkt an das zuständige Finanzamt.

Gibt es Ausnahmen von der Regel?

Es gibt ganz bestimmte Kapitalerträge, die Florian auf jeden Fall in der Einkommensteuererklärung eintragen müsste, nämlich

  • von Auslandskonten,
  • durch den Verkauf einer Lebensversicherung,
  • Erstattungszinsen vom Finanzamt,
  • Zinsen aus einem Darlehen an Privatpersonen.

Diese Kapitalerträge kann Florians Bank nicht erfassen und die dafür fällige Abgeltungssteuer deshalb nicht an das Finanzamt überweisen. Florian selbst muss das Finanzamt über seine Kapitalerträge informieren, indem er sie in seiner Steuererklärung angibt. Genau wie andere Kapitalerträge erhebt das Finanzamt darauf 25 Prozent Abgeltungsteuer.

Übrigens:

"Abgeltungssteuer" oder "Abgeltungsteuer" - laut Duden sind beide Schreibweisen korrekt, also mit einem einfachen oder mit doppeltem "s".

Gibt es weiterhin Freibeträge?

Früher hieß er noch "Sparerfreibetrag", heute heißt er "Sparerpauschbetrag" – gemeint ist aber weiterhin das Gleiche: Florian darf als Single 801 Euro von seinen Kapitalerträgen steuerfrei behalten; wäre er verheiratet, stünden ihm und seiner Frau 1.602 Euro steuerfrei zu. Auf jeden Euro, der über diesen beiden Beträgen liegt, muss Florian 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen.

Der Sparerpauschbetrag muss allerdings beantragt werden, entweder über einen "Freistellungsauftrag" bei der eigenen Bank oder über eine "Nichtveranlagungsbescheinigung" beim zuständigen Finanzamt. Sonst berechnet das Finanzamt die Abgeltungssteuer für die kompletten Kapitalerträge von Florian.

Wie wird die Abgeltungssteuer ausgerechnet?

Bleiben wir bei Florians Beispiel:

50.000 Euro Sparguthaben
3 Prozent Zinsen, also Kapitalertrag: 1.500 Euro im Jahr
Abzüglich Sparerpauschbetrag: - 801 Euro
Restlicher zu versteuernder Kapitalertrag: 699 Euro
Abgeltungssteuer / 25 Prozent: rund 175 Euro
Zuzüglich Solidaritätszuschlag / 5,5 Prozent: rund 9,5 Euro
Zuzüglich Kirchensteuer / 8 Prozent: rund 14 Euro
rund 198,5 Euro Abgeltungssteuer inkl. Zusatzsteuern

Was ist mit der Kirchensteuer?

Florian ist evangelisch. Das bedeutet, dass er neben der Abgeltungssteuer und dem Soli auch Kirchensteuer für seine Kapitalerträge zahlen muss. Doch Florian muss sich, wie jeder andere Steuerzahler auch, um nichts kümmern. Denn seit 2015 besorgen sich die Banken die Kirchenzugehörigkeit Ihrer Kunden über das Bundeszentralamt für Steuern. Dann zieht das Geldinstitut die Kirchensteuer automatisch von den Kapitalerträgen ab und leitet sie an das zuständige Finanzamt weiter.

Bis 2015 musste sich der Anleger übrigens selbst um die Kirchensteuer kümmern. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder trug der Anleger die Kirchensteuer selbst in die Anlage KAP ein, oder er gab den Kelch an die Bank weiter, die sich dann kümmerte. Dafür musste der Anleger bei der Bank allerdings zuerst einen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer stellen.

Unsere Einschätzung:

Die Abgeltungssteuer ist ein recht komplexes Thema. So können Steuerbürger zum Beispiel in einigen Fällen wählen, ob sie ihre Kapitalerträge nach dem 25-Prozent-Steuersatz oder individuell besteuern lassen. Die individuelle Besteuerung lohnt sich zum Beispiel dann, wenn der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt – also wenn ein Single etwa 20.000 Euro Jahreseinnahmen hat und ein Ehepaar etwa 40.000 Euro.

Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehört es zum Tagesgeschäft, in Sachen Abgeltungssteuer die für Sie günstigste Lösung zu finden. Gerne unterstützen wir auch Sie darin, sich die Steuervorteile zu sichern, die Ihnen zustehen. Über unsere Beratersuche können Sie Ihren persönlichen Berater oder Ihre persönliche Beraterin finden und einen Termin zum Beratungsgespräch vereinbaren – wir sind gerne für Sie da.

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