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PKV und Steuer - das müssen Sie beachten

Mitglieder einer privaten Krankenversicherung (PKV) können Kosten, die nicht von der Versicherung übernommen werden, von der Steuer absetzen.

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PKV und Steuer  - das müssen Sie beachten

Ebenso wie Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung können auch Steuerzahler, die bei einer privaten Krankenversicherung versichert sind, ihre Krankheitskosten, die nicht von der PKV übernommen werden, steuerlich absetzen – und zwar als außergewöhnliche Belastung.

Gleiches gilt für die Beiträge zur privaten Krankenversicherung. Diese können Versicherte als Sonderausgaben in die "Anlage Vorsorgeaufwand" eintragen. Achtung: Es gibt jeweils eine Zeile für Arbeitnehmer sowie eine für Rentner und freiwillig Versicherte.

Besonderheit für privat Versicherte

Wen Sie Mitglied einer privaten Krankenversicherung sind, zahlen Sie alle Arztkosten, Ausgaben für Medikamente oder die Fahrten zum Arzt zunächst aus eigener Tasche. Danach schicken Sie sämtliche Belege an Ihre Krankenkasse, die – je nach Versicherungsgrad – alles oder einen Teil der Kosten übernimmt.

Erst wenn Ihre Versicherung nicht zahlt, können Sie die verbleibenden Kosten als außergewöhnliche Belastung in Ihrer Steuererklärung angeben. Welche Ausgaben anerkannt werden und welche Belege Sie dafür benötigen, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Krankheitskosten.

Strittig ist momentan, ob die Rechnungen zuerst immer bei der privaten Krankenversicherung eingereicht werden müssen, um sie steuerlich geltend machen zu können oder ob man diese auch freiwillig selbst zahlen und dennoch absetzen darf. Dazu gibt es gerade mehrere Urteile: 

Kosten der Allgemeinheit aufbürden ist nicht gerechtfertigt

2011 hatte ein Ehepaar geklagt, das in einem Jahr Arzt- und Medikamentenrechnungen von fast 5.000 Euro zahlen musste. Das Paar schickte die Rechnungen nicht an seine private Krankenversicherung, sondern gab die Kosten direkt als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung an. 

Den Richtern des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz zufolge besteht eine "außergewöhnliche Belastung" in der Regel nur dann, wenn die Kosten den Steuerzahler tatsächlich wirtschaftlich belasten. Das sei im Falle des Ehepaares nicht so: Die private Krankenversicherung hätte die Kosten zu 80 bzw. zu 100 Prozent übernommen, wenn das Paar die Rechnungen eingereicht hätte. Stattdessen wollten die beiden nicht nur die Rückerstattung ihrer knapp 5.000 Euro Arztkosten vom Staat, sondern auch die Prämie ihrer Versicherung.

Aber die eigenen Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen und dabei doppelt Geld sparen, sei nicht gerechtfertigt, so die Richter (Az. 2 V 1883/11).

Kosten lassen sich auch nicht als Sonderausgaben absetzen

Ein ganz ähnlicher Fall wurde vor dem Finanzgericht Münster verhandelt (Az. 5 K 149/14 E). Die Kläger hatten Krankheitskosten von knapp 250 Euro selbst getragen und der privaten Krankenversicherung nicht zur Abrechnung vorgelegt, um in den Genuss einer Beitragsrückerstattung zu kommen. Diese 250 Euro wollten sie nun, wie die Beiträge zur privaten Krankenversicherung, als Sonderausgaben absetzen.

Doch die Richter urteilten, dass die von den Klägern selbst getragenen Kosten nicht als Sonderausgaben abzugsfähig sind. Durch den Bundesfinanzhof sei bereits geklärt, dass Zahlungen auf Krankheitskosten aufgrund von Selbst- und Eigenbeteiligungen nicht zu den Beiträgen gehören. Diese Rechtsprechung des BFHs gelte nach Auffassung des Senats entsprechend für das Tragen von Krankheitskosten zur Erlangung einer Beitragsrückerstattung.

Der Bundesfinanzhof muss die Sache klären

Auch das Finanzgericht Baden-Württemberg (Az. 6 K 864/15) und das Finanzgerichte Düsseldorf (Az. 1 K 2873/13 E) entschieden in zwei Fällen ähnlich wie das Finanzgericht Münster. Da das Verfahren in Baden-Württemberg zur Revision zugelassen wurde, muss nun der Bundesfinanzhof entscheiden. Mit einem Urteil ist 2018 zu rechnen. Das Aktenzeichen: X R 3/16.

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