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Krankheitskosten: Was Sie wie von der Steuer absetzen können

Stellen Sie sich vor, Sie werden krank und die Krankenkasse übernimmt nicht alle Kosten. Und nun? Beteiligen Sie den Fiskus an Ihren Krankheitskosten!

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Krankheitskosten: Was Sie wie von der Steuer absetzen können

Zahnersatz, Physiotherapie, Medikamente – in vielen Fällen übernehmen Krankenkassen nur einen Teil der anfallenden Kosten. Die Kosten, auf denen Sie als Versicherter sitzen bleiben, können Sie häufig als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Aber Achtung: Das Finanzamt erkennt nur unmittelbare Krankheitskosten an. Das sind Kosten, die Ihnen für die Heilung einer Krankheit oder die Linderung ihrer Folgen entstehen. Kosten für eine Krankheitsvorbeugung können Sie in der Regel nicht absetzen.

Kürzung um die "zumutbare Belastung"

Wenn Sie als Steuerzahler außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung eintragen, müssen Sie mit einer Einschränkung leben: Das Finanzamt rechnet eine zumutbare Eigenbelastung an. Dabei berücksichtigt der Fiskus die Höhe Ihres Jahreseinkommens, den Familienstand und die Anzahl der Kinder. Wie das genau funktioniert, erklärt Ihnen unser Artikel zum Thema außergewöhnliche Belastungen inklusive anschaulicher Infografik auf einen Blick. Kurz gesagt: Das Finanzamt geht davon aus, dass für einen Single höhere Krankheitskosten zumutbar sind als zum Beispiel für eine Familie mit zwei Kindern.

Medizinische Heilbehandlung muss gezielt angeordnet sein

Ob Zahnarzt oder Arzt, Physiotherapeut oder Logopäde – ist die behandelnde Person zur Heilbehandlung zugelassen, erkennen die Finanzbeamten die Kosten als außergewöhnliche Belastung an. Wichtig: Die Heilbehandlung muss gezielt angeordnet worden sein. Ist das der Fall, können Sie Ihre Krankheitskosten im Mantelbogen auf Seite 3 eintragen.

Zu den anerkannten Kosten zählen zum Beispiel Ihre Ausgaben für:

  • Zahnarzt
  • Psychotherapie
  • Krankengymnastik
  • Geburt eines Kindes
  • Haarausfall oder ein Toupet
  • Brille
  • Logopädie
  • Therapie von Legasthenie
  • Schwangerschaftsabbruch
  • Behandlung einer Suchterkrankung
  • Verschreibungspflichtige Medikamente und medizinische Hilfsmittel

Medizinische Hilfsmittel sind ebenfalls absetzbar

Kranke Menschen und Menschen mit Behinderung brauchen häufig Hilfsmittel, um ihren Alltag einfacher zu machen. Man nennt diese Gegenstände im Steuerrecht "Hilfsmittel im engeren Sinne". Dazu gehören beispielsweise ein Rollstuhl, eine Prothese oder ein Hörgerät. Die Kosten dafür können Sie als außergewöhnliche Belastung in Ihrer Steuerklärung eintragen.

Darüber hinaus gibt es aber auch "Hilfsmittel im weiteren Sinne". Diese Gegenstände werden oft zur Vorsorge genutzt wie ein Spezialbett oder ein Massagegerät. Diese Kosten können Sie nur dann als außergewöhnliche Belastung absetzen, wenn die medizinische Notwendigkeit durch ein Attest des Amtsarztes oder des Medizinischen Dienstes nachgewiesen wurde.

Krankheitsbedingte Fahrtkosten nicht vergessen

Was viele nicht wissen: Wer zum Arzt, Psychotherapeut oder Heilpraktiker fährt oder aber sich für eine Anwendung einer therapeutischen Maßnahme – wie Massagen oder Krankengymnastik – auf den Weg macht, kann die Fahrtkosten ebenfalls als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung eintragen. Dazu zählen auch die Fahrten zur Apotheke, zum Sanitätshaus oder zum Optiker.

Chronische Erkrankung: Verordnung nur einmal vorlegen

Gerade chronisch Kranke, wie zum Beispiel Diabetiker, brauchen regelmäßig Medikamente. Die Kosten dafür können natürlich in der Steuererklärung eingetragen werden. Der Vorteil: Als chronisch Kranker müssen Sie die Verordnung für die Medikamente nur einmal vorlegen.

Übrigens:

Bei Diabetes wird Ihnen – je nach Schwere Ihrer Krankheit – ein GdB (Grad der Behinderung) anerkannt. Damit haben Sie auch Anspruch auf einen weiteren Steuervorteil: den Behinderten-Pauschbetrag. Bei einem GdB von 25 bis 30 sind das immerhin 310 Euro im Jahr.

Krankenhausaufenthalt von der Steuer absetzen

Auch bei einem medizinisch notwendigen Krankenhaus- oder Fachklinikaufenthalt können Sie sich Geld vom Fiskus zurückholen, denn diese Kosten werden als außergewöhnliche Belastungen anerkannt. Allerdings nur, wenn die Kosten nicht von dritter Seite – zum Beispiel der Krankenkasse – erstattet werden. Nicht anerkannt werden:

  • Kosten für Telefon oder TV im Zimmer
  • Kosten für Obst, Zeitungen und Zeitschriften usw.
  • Trinkgelder an das Personal

Krankheitskosten für alternative Behandlungsmethoden werden unter zwei Bedingungen anerkannt

Viele Menschen schwören auf Alternativmedizin. Dazu gehört zum Beispiel eine Sauerstoff- oder Delphintherapie, Ayurveda- oder Frischzellenbehandlungen. Diese Behandlungen sind nur unter zwei Bedingungen als außergewöhnliche Belastung absetzbar:

  1. Sie haben ein amtsärztliches Attest oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, das die medizinische Notwendigkeit nachweist.
  2. Das Attest muss vor Beginn der Behandlung ausgestellt werden.

Berufskrankheit oder Arbeitsunfall zählen zu den Werbungskosten

Blechschaden, Gehirnerschütterung und ein ordentlicher Schreck – passiert Ihnen während einer Dienstfahrt ein Unfall, sind alle Krankheitskosten als Werbungskosten absetzbar. Gleiches gilt für Kosten, die Ihnen durch einen Arbeitsunfall oder eine typische Berufskrankheit wie Lärmschwerhörigkeit oder Bandscheibenvorfälle entstehen. Der Vorteil: Sie können tatsächlich alle Kosten von der Steuer absetzen, der Fiskus kürzt Werbungskosten nicht um eine zumutbare Belastung.

Übrigens:

Der Bundesfinanzhof hat sich kürzlich wieder mit dem Thema Berufskrankheit auseinandergesetzt. Lesen Sie hier mehr zum neuen Urteil.

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