Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Selbstbehalt der Krankenversicherung ist nicht absetzbar

Den Selbstbehalt Ihrer privaten Krankenversicherung können Sie nicht absetzen. Ihre Krankheitskosten allerdings schon – als außergewöhnliche Belastung.

Mit anderen teilen
Selbstbehalt der Krankenversicherung ist nicht absetzbar

Grundsätzlich läuft das ja so: Sie können Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Falls Sie von Ihrer Krankenkasse eine Prämie oder einen Bonus bekommen haben, müssen Sie das seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 1. Juni 2016 nicht mehr in der Steuererklärung angeben. Bei Dividenden sieht das anders aus: Diese müssen Sie angeben. Schummeln lohnt sich in diesem Fall übrigens nicht: Die Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Höhe der Geldprämie oder den Wert einer Sachprämie elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln. Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Artikel Krankenkassenprämie mindert nicht den Sonderausgabenabzug.

Selbstbehalt kann nicht abgesetzt werden

Offen war noch die Frage, ob und wie man den sogenannten Selbstbehalt einer privaten Krankenversicherung von der Steuer absetzen kann. Das Niedersächsische Finanzgericht hat jetzt Stellung bezogen und sagt: Der Selbstbehalt darf nicht in der Steuererklärung eingetragen werden. Immerhin: Ihre Krankheitskosten können Sie als außergewöhnliche Belastung absetzen. Dazu später mehr.

Selbstbehalt ist kein Beitrag zur Krankenversicherung

Sparen mit dem Selbstbehalt

Wer eine private Krankenversicherung abschließt, kann in der Regel einen sogenannten Selbstbehalt vereinbaren. Das bedeutet: Man zahlt einen Teil der ambulanten Behandlungskosten aus der eigenen Tasche, dafür werden die monatlichen Beiträge günstiger. Im konkreten Fall vor dem Niedersächsischen Finanzgericht hatte sich der Kläger für einen Tarif mit 600 Euro Selbstbehalt entschieden. Dadurch sparte er monatlich ungefähr 100 Euro an Beiträgen ein – also aufs Jahr gerechnet 1.200 Euro.


Geklagt hatte ein Mann, der den Selbstbehalt in Höhe von 600 Euro geltend machen wollte – und am Finanzamt scheiterte. Der Mann hatte, neben seinen Beiträgen zur Krankenversicherung in Höhe von 3.877 Euro, auch eine Erstattung der Krankenkasse und den Selbstbehalt in seiner Steuererklärung angegeben. Das Niedersächsische Finanzgericht sah es wie die Kollegen vom Finanzamt und lehnte den Abzug des Selbstbehalts ab. Ihre Begründung: Nur Beiträge "zu" einer Krankenversicherung können geltend gemacht werden. Das bedeutet, dass die Beiträge dazu dienen müssen, dass man einen Versicherungsschutz bekommt. Das ist beim Selbstbehalt nicht der Fall.

Versicherungsschutz entsteht durch monatliche Beiträge

Die Richter aus Niedersachsen betonten, dass nur der monatliche Beitrag zur Krankenversicherung dafür sorge, dass der Versicherte einen Versicherungsschutz genießt – unabhängig davon, ob der gewählte Tarif einen Selbstbehalt beinhaltet oder nicht. Denn: Wer in einem Jahr nicht krank wird, muss den Selbstbehalt nicht in Anspruch nehmen, ist aber trotzdem versichert. Nach diesem Urteil der Richter sieht es also nicht so rosig aus für privat versicherte Steuerzahler mit Selbstbehalt. Aber: Es gibt einen Weg, den Fiskus an den Krankheitskosten zu beteiligen.

Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung absetzen

Gehen wir mal davon aus, dass Sie eine private Krankenversicherung mit Selbstbehalt abgeschlossen haben. Sie werden krank und brauchen einen Arzt, Zahnarzt oder Physiotherapeut. Jetzt müssen Sie die Kosten bis zum vereinbarten Selbstbehalt – im Falle des Klägers also 600 Euro – selbst bezahlen. Aber keine Sorge: Sie können das Finanzamt an Ihren Kosten beteiligen. Sprich: Sie können Ihre Ausgaben für zum Beispiel verschriebene Medikamente, Physiotherapie, die Brille oder das Hörgerät in der Steuererklärung abgeben. Denn Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen.

Außergewöhnliche Belastungen nicht in voller Höhe absetzen

Allerdings haben die außergewöhnlichen Belastungen einen Haken: Sie können Ihre Krankheitskosten nicht in voller Höhe absetzen. Erst die Kosten, die eine sogenannte zumutbare Belastungsgrenze überschreiten, können geltend gemacht werden. Diese Grenze wird für jeden Steuerzahler individuell berechnet, nämlich anhand des Jahreseinkommens, Familienstands und Anzahl der Kinder.

Übrigens:

Sie sind sich nicht sicher, ob Ihre Kosten Ihre zumutbare Belastung überschreiten? Unsere Beraterinnen und Berater rechnen das gerne für Sie aus – und haben noch weitere Steuertipps für Sie auf Lager! Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

Mit anderen teilen