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Investitionsabzugsbetrag – was ist das?

Kleine und mittlere Betriebe, aber auch Freiberufler können bei der Steuer vom sogenannten Investitionsabzugsbetrag profitieren. Was steckt dahinter?

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Investitionsabzugsbetrag – was ist das?

Das Wort ist zwar etwas sperrig, der Effekt aber ganz simpel: Mit dem Investitionsabzugsbetrag, kurz IAB, lassen sich bei der Anschaffung eines Wirtschaftsguts Steuern sparen. Das gilt für kleine und mittlere Betriebe, unter gewissen Umständen aber auch für Freiberufler. Es geht darum, dass geplante Anschaffungen vorab in der Steuererklärung eingetragen werden können.

Eingeführt wurde der IAB im Jahr 2007 als Ersatz für die bis dahin übliche Ansparabschreibung. Mit dem IAB lässt sich der Gewinn mindern, und das führt im Jahr des Abzugs zu einer geringeren Steuerbelastung. Aber aufgepasst: Es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, um den Investitionsabzugsbetrag nutzen zu können.

Finanzamt akzeptiert nur bewegliche Wirtschaftsgüter

Sie haben einen bilanzierenden Gewerbebetrieb oder sind Freiberufler, und ihr Betriebsvermögen liegt bei maximal 235.000 Euro? Zudem erwirtschaften Sie laut Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung einen Gewinn von höchstens 100.000 Euro? Oder Sie haben einen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft, und Ihr Wirtschaftswert beziehungsweise Ersatzwirtschaftswert beträgt höchstens 125.000 Euro? Dann haben Sie die erste Voraussetzung für den Investitionsabzugsbetrag laut Einkommensteuergesetz (§ 7g EStG) schon mal erfüllt.

Die zweite Voraussetzung: Sie wollen ein Wirtschaftsgut kaufen, das im Jahr der Anschaffung und im Folgejahr zu höchstens 10 Prozent privat genutzt wird. Oder anders herum: Es muss zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden. Beispiele sind Fahrzeuge, Computer, Maschinen oder Büromöbel, die zum Anlagevermögen des Betriebs gehören werden. Die also als Posten auf der Aktivseite Ihrer Bilanz auftauchen. Dabei ist es egal, ob sie neu oder gebraucht sind.

Rechtlich gesehen sind das alles bewegliche und abnutzbare Wirtschaftsgüter. Für diese ist der Investitionsabzugsbetrag gedacht. Unbewegliche Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Grundstücke oder Gebäude werden nicht mit dem IAB begünstigt.

40 Prozent der Kosten dürfen in die Steuererklärung

Den IAB können Sie bilden, wenn Sie die Absicht haben, ein entsprechendes Wirtschaftsgut anzuschaffen. Tatsächlich kaufen müssen Sie es dann bis spätestens Ende des dritten auf das Jahr des Abzugs folgenden Wirtschaftsjahrs. Tun Sie das nicht oder fällt Ihre Investition niedriger aus als geplant, dann wird der IAB vom Finanzamt wieder rückgängig gemacht beziehungsweise anteilig heruntergesetzt. Das wiederum führt dazu, dass sich die Steuer nachträglich erhöht, außerdem können Zinsen für eine Nachzahlung anfallen.

Erfüllen Sie alle Voraussetzungen, dürfen Sie 40 Prozent des voraussichtlichen Kaufpreises als Investitionsabzugsbetrag in Ihrer aktuellen Steuererklärung eintragen. Also 40 Prozent der zu erwartenden Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts. Sie dürfen auch mehrere Wirtschaftsgüter ansetzen, die Höchstgrenze für die Summe aller Investitionsabzugsbeträge liegt bei 200.000 Euro.

Übrigens

Sie kaufen beispielsweise doch eine andere Maschine als geplant, die aber die gleiche Funktion erfüllt? Keine Sorge: Seit 2016 müssen Sie dem Finanzamt nicht mehr exakt mitteilen, welches Wirtschaftsgut Sie anschaffen, sondern nur noch, welche Funktion es hat.

Kein Investitionsabzugsbetrag für Software

Ein einfaches Beispiel: Sie planen den Kauf eines Fahrzeugs für 30.000 Euro, das Sie zu mindestens 90 Prozent betrieblich nutzen wollen. Dafür können Sie einen Investitionsabzugsbetrag von 40 Prozent bilden, also von 12.000 Euro. Sie müssen allerdings später nachweisen, dass Sie das Fahrzeug tatsächlich zu 90 Prozent betrieblich nutzen.

Ein etwas komplizierteres Beispiel: Sie haben vor, Computer für 10.000 Euro und mehrere Softwarelizenzen für insgesamt 5.000 Euro zu kaufen. Von beidem würden Sie gerne einen IAB bilden – das ist aber nicht erlaubt, weil Software im Gegensatz zu Computern nicht zu den beweglichen Wirtschaftsgütern zählt. Also darf der IAB lediglich 4.000 Euro betragen (40 Prozent von 10.000 Euro für die Computer).

Mit Investitionsabzugsbetrag Steuernachzahlung vermeiden

Bleibt noch folgende Frage zu klären: Was bringt es überhaupt, einen Investitionsabzugsbetrag in Anspruch zu nehmen? Stellen Sie sich vor, Sie haben mit rund 60.000 Euro Gewinn gerechnet und dementsprechend Einkommensteuervorauszahlungen geleistet. Ihre Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) spuckt jedoch einen Gewinn von 75.000 Euro aus – es droht eine saftige Steuernachzahlung.

Diese würde ein Loch in Ihren Geldbeutel reißen – einen Kredit wollen Sie aber nicht aufnehmen und ebenso wenig eine Stundung beantragen, für die Zinsen fällig werden. Dann überlegen Sie mal, ob Sie nicht in den nächsten drei Jahren Investitionen in bewegliche Wirtschaftsgüter wie Fahrzeuge, Computer oder Maschinen planen.

Ist das der Fall, können Sie das in der Steuererklärung angeben und 40 Prozent der voraussichtlichen Kosten schon jetzt als Betriebsausgaben abziehen. Dieser Investitionsabzugsbetrag senkt dann Ihren Gewinn – und damit auch die Steuern, die sie berappen müssen. Und das alles ohne aktuelle Kosten.

Das geht natürlich auch, wenn Sie keinen höheren Gewinn als erwartet erwirtschaftet haben, aber in dem Jahr einfach etwas weniger Steuern zahlen möchten.

Steuerbelastung erst im Jahr der Anschaffung

Aber denken Sie daran: Innerhalb von drei Jahren müssen Sie die Investition dann auch tatsächlich tätigen. Sonst wird Ihre Steuerschuld nachträglich erhöht. Ebenfalls zu beachten: Im Jahr der Investition, also wenn Sie das Wirtschaftsgut für Ihr Anlagevermögen kaufen, wird der Investitionsabzugsbetrag wieder hinzugerechnet – dann erhöht er den Gewinn und somit auch die Steuerbelastung. Bei mehrjähriger Betrachtung kann der IAB dennoch zu einer Ersparnis führen oder zumindest vorteilhaft sein, da er möglicherweise Liquiditäts- und Zinsvorteile mit sich bringt.

Wichtig

Lohnsteuerhilfevereine dürfen bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit nicht beraten. Das regelt das Steuerberatungsgesetz (Beratungsbefugnis, § 4 Nr. 11 StBerG). Wenn Sie Fragen zu Ihrer Selbstständigkeit haben, wenden Sie sich am besten an einen Steuerberater oder eine Steuerberaterin.

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