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Was ist die Schenkungssteuer?

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es. Große Geschenke können helfen, die Erbschaftssteuer zu senken – wenn man weiß, wie.

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Schenken ist vererben zu Lebzeiten, und es gelten steuerlich fast dieselben Regeln. Mit einer großen Ausnahme: Den steuerfreien Höchstbetrag darf man alle zehn Jahre erneut ausnutzen. Vorausschauende Erblasser verkleinern so ihr üppiges Erbe stückchenweise und vermindern damit die Erbschaftssteuer, die nach ihrem Tod anfallen wird.

Übrigens

Die Schenkungssteuer heißt in Fachtexten Schenkungsteuer – mit nur einem s. Die Version mit zwei s ist im normalen Sprachgebrauch verbreiteter.

Schenkungen und Erbschaften werden in einem gemeinsamen Gesetz geregelt, und es gelten für beide dieselben Steuern – mit wenigen Ausnahmen. Die wichtigste Aussage des Gesetzes: Je näher Schenker und Beschenkter miteinander verwandt sind, desto höher der Freibetrag.

Es gibt eigene Steuerstufen und Freibeträge

Geschenke-Empfänger teilt der Fiskus in drei Klassen ein. Die Steuersätze liegen zwischen sieben und 50 Prozent. Die Unterschiede sind also erheblich. Auch die Freibeträge, die das Finanzamt unangetastet lässt, sind beispielsweise bei leiblichen Kindern zwanzigmal so hoch wie bei nicht verwandten Empfängern – wie etwa einem Lebensgefährten, mit dem der Schenker nicht verheiratet oder verpartnert ist.

Übrigens

Von der Lohnsteuer kennt man verschiedene Steuerklassen. Auch bei der Schenkungssteuer gibt es drei Steuerklassen oder Stufen, die sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis richten. Stufe I gilt für die nächsten Verwandten, II für weniger nahe Verwandte und III für Freunde und ganz entfernte Verwandte.

Die Stufen bei der Schenkungssteuer:

I Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner
Kinder und Stiefkinder
Enkel und Kinder der Stiefkinder
II Eltern und Großeltern
Geschwister und Kinder von Geschwistern
Stiefeltern
Schwiegerkinder, Schwiegereltern
geschiedener Ehegatte oder Partner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft
III Alle anderen (z. B. nicht eingetragener Lebenspartner, Freunde, entfernte Verwandte)

 

Die Tabelle zeigt: Nahe Verwandte in direkter Linie finden sich in der günstigen Klasse I, Freunde und entfernte Verwandte in der ungünstigsten Klasse III. Auch die Freibeträge unterscheiden sich je nach Verwandtschaftsgrad ganz gewaltig.

Freibeträge bei der Schenkungssteuer

  • Ehegatte / Lebenspartner 500.000 Euro
  • Kinder und Enkel, deren Eltern verstorben sind 400.000 Euro
  • Enkel (wenn deren Eltern noch leben) 200.000 Euro
  • Eltern und Großeltern 100.000 Euro
  • Alle in Schenkungssteuerklasse II und III 20.000 Euro


Das bedeutet, Eltern dürfen ihren Kindern alle zehn Jahre eine Schenkung im Wert von bis zu 400.000 Euro machen, ohne dass das Finanzamt Ansprüche erhebt. Einem nicht verheirateten Lebenspartner dürfen Sie jedoch im Verlauf von zehn Jahren höchstens 20.000 Euro schenken, ohne dass Steuern fällig werden. Wären Sie verheiratet, läge der Betrag bei 500.000 Euro, also 25-mal so hoch.

Für eine Schenkung können bis zu 50 Prozent Steuern anfallen

Kommen wir zu den Steuersätzen, falls die Schenkung doch über dem Freibetrag liegt. Versteuert wird jeweils der Teil oberhalb des Freibetrags. Der Steuersatz beträgt mindestens sieben und höchstens 50 Prozent. Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung. Personen in der Steuerstufe I zahlen zwischen sieben und 30 Prozent Schenkungssteuer, für die Stufe II liegen die Beträge zwischen 15 und 43 Prozent. Beschenkte der Stufe III müssen 30 bis 50 Prozent ans Finanzamt abgeben, wenn der Wert über dem Freibetrag liegt.

Die Höchstsätze werden allerdings auch erst ab einem Schenkungswert im zweistelligen Millionenbereich fällig. Das dürfte also eher wenige Steuerzahler betreffen.

Steuersätze:

Wert der Schenkung (Euro) Prozentsatz in der Steuerklasse
I II III
bis 75.000 7 15 30
bis 300.000 11 20 30
bis 600.000 15 25 30
bis 6.000.000 19 30 30
bis 13.000.000 27 40 50
bis 26.000.000 27 40 50
mehr als 26.000.000 30 43 50

 

Clever: Per Kettenschenkung die Steuer umgehen

Angenommen, Sie möchten Ihrem Schwiegersohn ein größeres Geldgeschenk machen, damit er ein Haus bauen kann. Da der Schwiegersohn in Stufe II fällt, wären nur 20.000 Euro steuerfrei. Sie dürfen aber einen Trick anwenden – ganz legal: Wenn Sie das Geld für den Hausbau erst Ihrer Tochter schenken, und diese dann dem Schwiegersohn, also ihrem Ehemann, den Geldbetrag schenkt, finden beide Schenkungen innerhalb der Stufe I statt. Zuerst schenken Sie Ihrem Kind, dann schenkt die Ehefrau dem Ehemann. Somit liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro (die Tochter dürfte dem Mann sogar 500.000 Euro schenken).

Allerdings darf die Tochter dabei keine reine „Durchreicherin“ sein. Sie muss wenigstens selbst bestimmen, wann sie das Geld weiterschenkt. Theoretisch bestimmt sie auch, wieviel sie weiterschenkt.

Nach demselben Muster können Großeltern ihre Enkel beschenken, wenn sie die Kinder als Zwischenstation einschalten. Kinder haben einen Freibetrag von 400.000 Euro, bei Enkeln sind es nur 200.000 Euro – die Großeltern können auf diesem Weg also doppelt so viel steuerfrei schenken.

Gelegenheitsgeschenke zählen nicht

Geschenke, die aus einem bestimmten Anlass gemacht werden wie zum Beispiel zur Hochzeit, zum Geburtstag oder zum Studienabschluss, bleiben steuerfrei. Sie zählen außerdem nicht zu den anderen Werten, die in der Zehnjahresfrist geschenkt werden. Vorausgesetzt, es handelt sich um „übliche Gelegenheitsgeschenke“, was wiederum ein schwammiger Begriff ist und den Finanzämtern Auslegungsspielraum gewährt.

Ausschlaggebend sind die Gepflogenheiten, die „in weiten Teilen der Bevölkerung üblich“ sind. Das hat der Bundesfinanzhof, das höchste Finanzgericht in Deutschland, geurteilt. Mit hinein spielen auch der Anlass, der Verwandtschaftsgrad und die Vermögensverhältnisse. So kann es sein, dass ein kleiner Gebrauchtwagen zum bestandenen Abitur als „üblich“ gilt, ein nagelneues Oberklassegefährt aber nicht.

Die Schenkung beim Finanzamt melden

Ein steuerpflichtiges Geschenk müssen Schenker und Beschenkter innerhalb von drei Monaten beim Finanzamt melden. Beurkundet ein Notar die Schenkung, dann übernimmt er die Meldung ans Amt. Dieses fordert Sie dann auf, eine Steuererklärung abzugeben. Das Finanzamt kann die Abgabe einer Steuererklärung auch von Personen verlangen, die sonst nicht steuerpflichtig sind.

So kommen ganz beachtliche Beträge zusammen: Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 23,3 Milliarden Euro steuerpflichtig vererbt und 11,2 Milliarden Euro steuerpflichtig verschenkt. Der Staat erhielt dafür laut Statistischem Bundesamt fünf Milliarden Euro Erbschafts- und 1,3 Millionen Euro Schenkungssteuer. Welche Werte zusätzlich unterhalb der Freibeträge vererbt und verschenkt wurden, darüber gibt es keine Statistiken.

Wichtig

Lohnsteuerhilfevereine dürfen zur Schenkungssteuer nicht beraten. Das regelt das Steuerberatungsgesetz (Beratungsbefugnis, § 4 Nr. 11 StBerG). 
Wenn Sie Fragen zu Schenkungen und zur Schenkungssteuer haben, wenden Sie sich am besten an einen Steuerberater oder eine Steuerberaterin.

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Quellen

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