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Welche Steuerklassen gibt es und was bedeuten sie?

Wer arbeitet, zahlt Lohnsteuer. In welcher Höhe hängt von der Steuerklasse ab. Welche es gibt und was sich dahinter verbirgt, zeigt Ihnen unsere Tabelle.

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Welche Steuerklassen gibt es und was bedeuten sie?

Das Finanzamt ordnet jedem Arbeitnehmer eine Lohnsteuerklasse, oder auch nur Steuerklasse genannt, zu. Insgesamt gibt es in Deutschland sechs Steuerklassen. Sie helfen dem Arbeitgeber dabei, die Lohnsteuer eines Mitarbeiters zu berechnen.

Welche Steuerklasse gilt für wen?

Die Steuerklasse richtet sich in erster Linie nach dem Familienstand. Alleinstehenden ordnet das Finanzamt automatisch die Steuerklasse I (1) zu. Alleinerziehende sind in Steuerklasse II (2) und bekommen dort einem höheren Entlastungsbetrag. Wer mehrere Jobs hat, bekommt ab dem zweiten Job Steuerklasse VI (6) automatisch zugeordnet.

Für Ehepaare gibt es eine Besonderheit in Sachen Steuerklasse: Sie können zwischen verschiedenen Steuerklassen wählen. Unsere Tabelle zeigt Ihnen übersichtlich, wen der Staat in welche Steuerklasse einteilt:

Steuerklasse Familienstatus Monatlicher Arbeitslohn steuerfrei bis
I (1) a) Alleinstehende
b) Verheiratete
(wenn Sie dauerhaft von Ihrem Ehepartner getrennt leben)
945 Euro
II (2) Alleinerziehende 1.077 Euro
III (3) a) Verwitwete
b) Verheiratete
(wenn Partner Steuerklasse V gewählt hat, oder der Partner nicht arbeitet)
1.788 Euro
IV (4) Verheiratete
(wenn der Partner auch Steuerklasse IV wählt)
945 Euro
V (5) Verheiratete
(wenn der Partner Steuerklasse III wählt)
105 Euro
VI (6) Ledige und Verheiratete
(ab dem zweiten Job, wenn Sie mehrere Jobs haben und entsprechend mehrere Lohnsteuerkarten vorlegen müssen oder aber wenn Sie die Lohnsteuerkarte nicht vorlegen, obwohl Sie es müssten)
0 Euro

Wann muss ich meine Steuerklasse ändern?

Wenn sich die eigenen Familienverhältnisse ändern, wird auch die Steuerklasse angepasst. Das ist der Fall wenn...

  • Sie heiraten.
  • Sie sich von Ihrem Ehepartner trennen oder geschieden werden.
  • Ihr Ehepartner stirbt.
  • Sie als Alleinstehende ein Kind bekommen.
  • Sie zusätzlich zu Ihrem Hauptberuf einen Nebenjob annehmen, für den Sie eine zweite
  • Lohnsteuerkarte brauchen.

Welche Optionen gibt es für verheiratete Paare?

Ehepaare können sich zwischen drei Kombinationen der Steuerklassen entscheiden:

  1. Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, lohnt sich eine Kombination aus Steuerklasse III (3) und V (5). Der Vorteil: Der Besserverdienende hat in Steuerklasse III deutlich weniger Abzüge. Der Nachteil: Je größer die Schere zwischen den beiden Gehältern ist, desto höher ist die Steuernachzahlung am Ende des Jahres.

  2. Verdienen die Ehepartner annähernd gleich viel, bietet sich eine Kombination aus Steuerklasse IV und IV an - oft auch Steuerklasse 4 und 4 geschrieben.

  3. Seit 2010 können Ehepaare auch für die Kombination Steuerklasse IV (4) mit Faktor wählen. Durch den Faktor berücksichtigt das Finanzamt den Splittingvorteil bereits während des Jahres. So können Sie eine Steuernachzahlung vermeiden.

Unser Steuerklasse-Rechner gibt Ihnen einen schnellen Überblick über eine passende Kombination für Sie und Ihren Ehepartner:

 

 

Oder aber Sie schauen sich unser Video "Steuerklasse - was ist das?" an. Es zeigt Ihnen anschaulich alle Kombinationsmöglichkeiten auf einen Blick:

Wann ist der Wechsel sinnvoll?

Beispielsweise vor der Geburt eines Kindes: Elterngeld und Mutterschaftsgeld richten sich nach dem Nettoverdienst der letzten zwölf Monate vor der Geburt - und zwar der Nettoverdienst des Elternteils, der das Kind nach der Geburt überwiegend betreuen wird. Der Nettoverdienst kann höher werden, wenn man frühzeitig die Steuerklasse ändert. Je höher der Nettoverdienst, desto höher fällt auch das Elterngeld aus. Mehr dazu in unserem Artikel Für wen sich ein Wechsel der Steuerklasse lohnt.

Wie kann ein Ehepaar seine Steuerklasse wechseln?

Paare wechseln ihre Steuerklasse beim zuständigen Finanzamt. Bringen Sie dazu einfach das ausgefüllte Formular "Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten" mit. Wer frisch verheiratet ist, braucht auch das Familienstammbuch.

Übrigens:

Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehört es zum Tagesgeschäft, in Sachen Steuerklasse die für Sie günstigste Lösung zu finden. Gerne unterstützen wir auch Sie darin, sich die Steuervorteile zu sichern, die Ihnen zustehen. Hier können Sie sich Ihren Berater suchen: Beratersuche.

Was passiert mit meiner Steuerklasse, wenn ich arbeitslos werde?

Wenn Sie gerade Ihren Job verloren haben und Arbeitslosengeld bekommen, spielt die Steuerklasse erst einmal keine Rolle. Als Single bleiben Sie in Steuerklasse I (1), als Verheirateter in der Steuerklasse, die Sie mit Ihrem Partner gemeinsam gewählt haben.

Problematisch wird es nur, wenn Sie als Ehepaar die Steuerklassen-Kombination während der Arbeitslosigkeit wechseln möchten. Ein Beispiel: Der Ehemann ist der Besserverdiener und deshalb in Steuerklasse III (3), die Ehefrau in Steuerklasse V (5). Der Ehemann verliert unerwartet seinen Job und ist arbeitslos. Nun würde sich – steuerlich gesehen – ein Wechsel der Steuerklasse für das Ehepaar anbieten. Aber: Die Agentur für Arbeit berücksichtigt den Wechsel der Steuerklasse nur, wenn sich daraus eine niedrigere Leistung ergibt. Das bedeutet: Die Agentur für Arbeit lässt sich nur auf die neue Steuerklasse ein, wenn sie dann weniger Arbeitslosengeld bezahlen muss. Deshalb unser Tipp: Lassen Sie sich im Falle einer Arbeitslosigkeit im besten Fall schon im Vorfeld beraten.

Übrigens:

Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland sind der Steuerklasse I (1) zugeordnet – nämlich über 10 Millionen. Durchschnittlich verdient ein Arbeitnehmer in Steuerklasse I (1) 28.886 Euro. Das hat die "Geschäftsstatistik zur Einkommensteuer 2009" des Statistischen Bundesamtes ergeben.

Laut dieser Statistik haben sich die meisten Ehepaare für die Kombination der Steuerklassen III (3) und V (5) entschieden. Der Besserverdiener in Steuerklasse III (3) hat dabei einen Durchschnittslohn von 40.924 Euro, während der Partner in Steuerklasse V (5) durchschnittlich nur 15.488 Euro verdient.

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