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Logopädie und Physiotherapie: Ausbildungskosten absetzen

Wer einen Heilberuf wie Logopädie oder Physiotherapie erlernen will, hat oft hohe Kosten. Möglichkeiten um Steuern zu sparen, gibt es leider kaum.

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Logopädie und Physiotherapie: Ausbildungskosten absetzen

Dem verspannten Herrn Podolski die Schulter wieder einrenken, der kleinen Susi Sahne das Lispeln abgewöhnen oder der 80-jährigen Frau Müller beim Waschen helfen: Für alle, die über eine ausgeprägte Sozialkompetenz verfügen und gleichzeitig den Umgang mit alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen mögen, sind Pflege- und Heilberufe der ideale Berufszweig.

Vorteil: Gerade für junge Menschen bietet die Pflegebranche gute Chancen auf Ausbildungsplätze mit Aussicht auf Übernahmen. Denn durch den wachsenden Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft nimmt der Bedarf an Pflegekräften, insbesondere in der Altenpflege, immer mehr zu.

Das Spektrum an Pflege- und Heilberufen ist recht vielfältig: Alten-, Kranken- und Gesundheitspflege, Pflegehilfe, Ergotherapie, Heilpädagogik, Logopädie und Physiotherapie gehören beispielsweise dazu.

Kaum Gehalt, wenig Steuersparpotenzial

Das Problem ist allerdings, dass viele Azubis und Studenten während der Ausbildung kein Gehalt verdienen. Die Finanzverwaltung nennt das „Ausbildung ohne Dienstverhältnis“. Gerade angehende Physiotherapeuten trifft es besonders hart, da häufig hohe Schulgebühren auf sie zukommen. Auch steuerlich ist nicht wirklich etwas raus zu holen. Denn handelt es sich um die erste Berufsausbildung gleich nach dem Schulabschluss, dann kann man die Ausbildungskosten nur als Sonderausgaben absetzen. Das heißt: Es gilt eine Höchstgrenze von 6.000 Euro und die Kosten dürfen nur in dem Jahr in die Steuererklärung eingetragen werden, in dem sie angefallen sind. Doch wer nichts verdient hat, kann auch nichts absetzen und so bleiben viele Azubis und Studenten auf ihren Kosten sitzen.

Wir, die VLH, halten es für verfassungsrechtlich bedenklich, dass die Kosten der ersten Ausbildung ohne Dienstverhältnis nur als Sonderausgaben abgesetzt werden können. Das sieht der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, auch so (Aktenzeichen VI R 2/12, VI R 8/12). Eine endgültige Entscheidung muss nun das Bundesverfassungsgericht treffen. Damit ist allerdings erst 2017 zu rechnen.

Unser Tipp: Die Ausbildungskosten als Werbungskosten in der Steuererklärung eintragen und einen Verlustfeststellungsbescheid beantragen. So bekommt der Steuerbescheid einen Vorläufigkeitsvermerk. Sollte das Bundesverfassungsgericht dem Bundesfinanzhof zustimmen, kann man so auch nachträglich profitieren.

Heilberufe als Fort- und Weiterbildung

Etwas anders verhält es sich, wenn Sie einen Heilberuf ergreifen wollen und vorher schon eine andere Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie studiert haben, zurzeit Ingenieur sind und nun Physiotherapeut werden wollen. Gleiches trifft beispielsweise auch auf ausgebildete Schreiner zu, die anschließend eine Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. Dann wird diese zweite Ausbildung automatisch zur Fort- oder Weiterbildung und alle Kosten dürfen als vorgezogene Werbungskosten abgesetzt werden. Das heißt: Sobald Sie Ihr erstes Gehalt verdienen, können Sie die kompletten Ausbildungskosten nachträglich von Ihren Einkünften abziehen – auch wenn das ein paar Jahre später ist.

 

Übrigens:

Eine Ausbildung zum Rettungssanitäter ist mit 520 Stunden zu kurz, um aus der anschließenden Berufsausbildung eine Fort- oder Weiterbildung zu machen. Denn die Voraussetzungen dafür sind: Ein Jahr Ausbildungszeit plus abgeschlossene Prüfung.

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