Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Stipendium in der Regel steuerfrei

Viele Promovierende erhalten ein Stipendium. Das ist in der Regel steuerfrei und bietet den Nachwuchswissenschaftlern eine finanzielle Absicherung.

Mit anderen teilen
Stipendium in der Regel steuerfrei

Exzellente Noten, ein überzeugendes Exposé, Geduld und etwas Glück: Das sind die Grundvoraussetzungen für ein Stipendium. Wer weder eine freie Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bekommt noch berufsbegleitend promovieren möchte, der benötigt finanzielle Unterstützung. Viele angehende Promovenden bewerben sich daher um ein Stipendium bei einem der zwölf staatlich unterstützten Begabtenförderwerke, bei privaten Stiftungen oder bei Forschungsorganisationen.

Auch Judith hat sich nach Abschluss ihres Chemiestudiums entschieden, eine Doktorarbeit zu schreiben. Um das Ganze finanzieren zu können, hat sie sich bei einer Stiftung um ein Stipendium beworben. Einige Monate später liegt die schriftliche Zusage in ihrem Briefkasten. In den kommenden drei Jahren erhält Judith monatlich 1.050 Euro. Hinzu kommt eine sogenannte Forschungskostenpauschale von 100 Euro. Die Freude ist groß, doch eine Frage bleibt: Muss Judith für das Stipendium Steuern zahlen?

In diesen Fällen ist das Stipendium steuerfrei

Voraussetzung für einen steuerfreien Finanzzuschuss ist, dass das Stipendium zwar die Kosten für den Lebensunterhalt deckt und die Erfüllung der Forschungsaufgabe ermöglicht, in der Summe aber nicht darüber hinaus geht. Es muss laut Einkommensteuergesetz entweder zur Förderung von Forschung oder zur Förderung der wissenschaftlichen oder künstlerischen Aus- bzw. Fortbildung dienen. Auch darf der Stipendiat nicht zu einer bestimmten wissenschaftlichen oder künstlerischen Gegenleistung verpflichtet sein. Da Judiths Förderung diese Voraussetzungen erfüllt, ist ihr Stipendium steuerfrei.

Ausgleich für frühere Gehaltszahlungen

Ein pauschaler Betrag für ein steuerfreies Stipendium lässt sich jedoch nicht festlegen. Das Finanzgericht Hamburg wies in einem Urteil vom 5. September 2012 den Einwand einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin zurück, die auf Anerkennung der Steuerfreiheit für ihr Stipendium in Höhe von 2.700 Euro geklagt hatte. In Anbetracht der Umstände sah das Gericht aber immerhin einen Betrag von 2.000 Euro als gerechtfertigt.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dieses Urteil nun kassiert. Dem Alter der Stipendiatin, ihrer akademischen Vorbildung und ihren sozialbedingten Lebenshaltungskosten entsprechend, sah das Gericht die Voraussetzungen für die Steuerfreiheit des Forschungsstipendiums als gegeben. Auch glich es in der Höhe den vorherigen Gehaltszahlungen der Klägerin. Eine großzügige Entscheidung des Gerichts die zeigt: Die Höhe des steuerfreien Betrages ist abhängig vom Einzelfall.

 

Übrigens:

Anders als beim monatlichen Gehalt gibt es beim Stipendium keinerlei Versicherungsschutz. Da der Gesetzgeber einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz vorschreibt, sind Stipendiaten verpflichtet, sich selbstständig (gesetzlich oder privat) zu versichern. Hier lohnt es sich die Angebote verschiedener Krankenkassen zu vergleichen.

Stipendium ist Zuschuss zum Lebensunterhalt

Das Finanzamt sieht das so: Bei Promovenden wird das Stipendium als ein Zuschuss zum Lebensunterhalt und nicht als Lohn für die Arbeit gewertet. Somit besteht kein formelles und damit steuerpflichtiges Arbeitsverhältnis. Das gilt nicht nur für Promotionsstipendien. Es gibt noch viele weitere finanzielle Förderungen, unter anderem Literatur- und Kunststipendien, Sport- und Auslandsstipendien sowie das sogenannte Deutschlandstipendium, die alle in der Regel steuerfrei sind.

Aber auch hier hängt es vom Einzelfall, dem jeweiligen Geldgeber und von der Höhe des Stipendiums ab. Ob ein Stipendium steuerfrei ist, lässt sich durch die zuständigen Finanzämter prüfen. Auf Anfrage des Stipendiaten stellen diese eine Bescheinigung darüber aus, ob die Kriterien für eine Steuerbefreiung erfüllt sind.

Übrigens:

Eltern, deren volljährige Kinder die erste Berufsausbildung oder das erste Studium noch nicht abgeschlossen haben, erhalten Kindergeld - unabhängig vom Stipendium - in voller Höhe.

Diese Ausnahmen sind steuerpflichtig

Nicht alle Förderprogramme, die den Titel Stipendium tragen, sind steuerfrei. So zum Beispiel das EXIST-Gründerstipendium. Dieses unterstützt insbesondere Existenzgründungsvorhaben und erfüllt daher nicht den Zweck der Förderung von Forschung und wissenschaftlicher Ausbildung. Und für Doktoranden oder Postdocs gilt: Liegt der erste Hochschulabschluss mehr als zehn Jahre zurück, müssen sie Einkommensteuer auf Stipendien zahlen. Auch Stipendien, die über die Deckung des Lebensunterhalts oder der Ausbildungskosten deutlich überschreiten, sind in voller Höhe einkommensteuerpflichtig.

Mit anderen teilen