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Zeitarbeit und Leiharbeit: Diese Kosten können Sie absetzen

Leiharbeiter und Zeitarbeiter werden typischerweise von ihrem Arbeitgeber an Kunden „verliehen“. Das bringt steuerliche Besonderheiten mit sich.

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Zeitarbeit und Leiharbeit: Diese Kosten können Sie absetzen

Mehr als 800.000 Zeitarbeiter oder Leiharbeiter in Deutschland sind im Dienstleistungsbereich, in der Elektro- oder Metallindustrie und in vielen anderen Branchen tätig. Sie springen ein, wenn Arbeitsspitzen, Urlaubszeiten oder einzelne Projekte nicht mit der festen Belegschaft zu bewältigen sind. Das Besondere: Sie sind Angestellte einer Zeitarbeitsfirma mit der sie einen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben, bringen ihre Arbeitsleistung aber nicht bei der Zeitarbeitsfirma ein, sondern immer bei einem Kunden ihres Arbeitgebers.

Die Zeitarbeitsfirma tritt also als Verleiher auf und überlässt den Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit dem Kunden. Leiharbeit oder Zeitarbeit wird daher auch etwas umständlich als Arbeitnehmerüberlassung bezeichnet. Die Rechte und Pflichten des Arbeitgebers liegen immer beim Verleiher und nicht bei dem Unternehmen, bei dem der Zeitarbeiter tatsächlich arbeitet.

Steuerliche Vorteile für Leiharbeiter

Leiharbeiter können sehr unterschiedliche Arbeitsverträge mit ihrer Zeitarbeitsfirma haben. Typischerweise haben sie keinen festen Arbeitsplatz, sind bei verschiedenen Kunden und damit an verschiedenen Arbeitsorten beschäftigt. Das hat steuerliche Vorteile:

  • Mit der sogenannten Kilometerpauschale kann ein Zeitarbeiter jeden einzelnen Kilometer der Hin- und Rückfahrt zu seinen Einsatzorten mit 30 Cent pro gefahrenen Kilometer absetzen. 
  • Auch der Verpflegungspauschbetrag in Höhe von 12 Euro am Tag steht jedem Leiharbeiter zu, der mehr als acht Stunden von Zuhause weg ist. Das gilt aber nur in den ersten drei Monaten an jeder neuen Einsatzstelle. Zeitarbeiter, die weniger als acht Stunden am Tag von Zuhause weg sind, haben kein Anrecht auf einen Verpflegungsmehraufwand.

WICHTIG:

Die Kilometerpauschale und der Verpflegungspauschbetrag können nur in Anspruch genommen werden, wenn es sich bei der Zeitarbeit um eine sogenannte Auswärtstätigkeit handelt. Seit 2014 gelten hier neue Regeln: Demnach sind Leiharbeiter, nicht mehr automatisch auswärts tätig, sondern können, je nach der im Arbeitsvertrag festgelegten Dauer der Beschäftigung, auch beim Kunden der Zeitarbeitsfirma eine sogenannte erste Tätigkeitsstätte haben. Und die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte können immer nur mit der Pendlerpauschale abgesetzt werden.

Wann ein Zeitarbeiter dauerhaft beschäftigt ist

Zeitarbeiter, die folgende Kriterien erfüllen, sind nicht auswärts tätig, sondern dauerhaft beschäftigt und können daher nicht von steuerlichen Vorteilen profitieren:

  • Sie arbeiten länger als 48 Monate bei einem Kunden.
  • Sie sind für die gesamte Dauer eines betrieblichen Dienstverhältnisses angestellt
    (z. B. bei von vorneherein befristeten Projekten).
  • Sie sind unbefristet beim Kunden tätig („bis auf Weiteres“).

In diesem Zusammenhang ist entscheidend, welche Zuordnung im Arbeitsvertrag mit der Zeitarbeitsfirma festgelegt ist. Hat ein Leiharbeiter beispielsweise einen unbefristeten Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma geschlossen, ist aber befristet bei dem Kunden angestellt, so stimmt die Vertragsdauer zwischen Zeitarbeitsfirma und Kunden nicht überein. Es ist somit keine Dauerhaftigkeit gegeben und die Arbeit beim Kunden gilt als Auswärtstätigkeit - mit allen Vorteilen. 

Ein Beispiel:

Andreas ist Industriemechaniker, wohnt in Tübingen und arbeitet bereits seit ein paar Jahren für eine Zeitarbeitsfirma. Zurzeit ist er als Leiharbeiter bei einem großen Automobilhersteller in Stuttgart tätig. Täglich pendelt er die Strecke von etwa 40 Kilometern. Seine Beschäftigung bei dem Automobilhersteller ist vorübergehend und dauert weniger als 48 Monate. Andreas kann daher die Fahrtkosten nach Stuttgart mit der Kilometerpauschale absetzen, das heißt: 80 Kilometer für jeden Arbeitstag. 

  • Würde der Vertrag über die Arbeit bei dem Automobilhersteller einen Zeitraum von mehr als 48 Monaten vorsehen, so läge keine Auswärtstätigkeit vor und der Arbeitsplatz in Stuttgart wäre die erste Tätigkeitsstätte von Andreas. Das heißt: Er könnte lediglich die Fahrtkosten für 40 Kilometer pro Arbeitstag berechnen. 
  • Die Kilometerpauschale und weitere steuerliche Vergünstigungen würde Andreas ebenfalls nicht erhalten, wenn er von der Zeitarbeitsfirma ausschließlich für ein zeitlich befristetes Projekt bei dem Automobilhersteller eingestellt wird und das Arbeitsverhältnis als Zeitarbeiter nach Abschluss des Projektes endet. Es klingt widersprüchlich: Aber steuerlich gesehen, ist die Tätigkeit dann nicht vorübergehend, sondern auf Dauer angelegt.
  • Wäre Andreas über die Zeitarbeitsfirma "bis auf Weiteres" bei dem Automobilhersteller beschäftigt und wäre gleichzeitig auch sein Arbeitsvertrag mit der Zeitarbeitsfirma unbefristet, so wäre der Arbeitsplatz in Stuttgart seine erste Tätigkeitsstätte. Das heißt: Andreas müsste seine Fahrtkosten genau wie seine fest angestellten Kollegen mit 30 Cent für die einfache Fahrt berechnen. Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist die Formulierung „bis auf Weiteres“ nämlich eine Zuordnung ohne Befristung und damit dauerhaft. 

Die Situation der Leiharbeiter könnte sich ändern

Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, dass ein Leiharbeitsverhältnis künftig nur noch 18 Monate dauern darf. Eine verbindliche Rechtsprechung hierzu gibt es bislang noch nicht. Wird das neue Gesetz beschlossen, würde das bedeuten: Für Leiharbeiter ist von vorneherein geregelt, dass sie maximal 18 Monate einem Kunden zugeordnet sind. Dort wäre dann auch die erste Tätigkeitsstätte. Von der Kilometerpauschale könnten die Leiharbeiter dann nicht mehr profitieren.

Und das Finanzgericht Niedersachsen sprach sich in einem Urteil 2016 gegen die unbefristete Tätigkeit von Zeitarbeitern aus. Laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz sei eine dauerhafte Zuordnung bei einem Kunden gar nicht möglich und die Formulierung "bis auf Weiteres" würde nicht zu einer unbefristeten Tätigkeit führen. Im Klartext: Leiharbeiter, die "bis auf Weiteres" in ihrem Vertrag stehen haben, dürfen ihre Fahrten zur Arbeit mit der Kilometerpauschale absetzen. Eine Endscheidung des Bundesfinanzhofes (Aktenzeichen VI R 6/17) zu diesem Thema steht allerdings noch aus.

Übrigens:

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie als Zeitarbeiter von steuerlichen Vergünstigungen profitieren können? Bei dieser und allen weiteren Fragen zum Thema Zeitarbeit und Leiharbeit helfen unsere Beraterinnen und Berater Ihnen weiter. Hier finden Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

 

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