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Wie Geringverdiener Steuern sparen

Mit unseren Tipps können Geringverdiener Steuern sparen und Zulagen gewinnen. Hier unser Überblick.

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Wie Geringverdiener Steuern sparen

1. Einkommensteuer und Kirchensteuer sparen

Die meisten kennen das Prinzip Minijob: Bis zu 450 Euro im Monat kann man steuerfrei verdienen. Die nächste Stufe ist der Midijob. Als Midijobber können Sie bis zu 850 Euro im Monat einnehmen und das Prinzip der Gleitzone nutzen. Das bedeutet, dass Sie einen reduzierten Sozialversicherungsbeitrag zahlen. Die 451 Euro bis 850 Euro im Monat werden nach Lohnsteuerkarte versteuert. Für die Lohnsteuerklassen I (1) bis IV (4) ist keine Lohnsteuer fällig, nur für die Klassen V (5) und VI (6) muss der Arbeitnehmer Lohnsteuern zahlen.

Was viele aber nicht wissen: Sie müssen gar keine Einkommensteuer und Kirchensteuer zahlen, wenn Ihr jährliches Einkommen unter 8.652 Euro liegt. Das sind etwas mehr als 700 Euro im Monat. Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner gilt der doppelte Grundfreibetrag in Höhe von 17.304 Euro. Keine Rolle spielt dabei, welche Lohnsteuerklasse Sie haben – der Grundfreibetrag ist steuerfrei, deshalb greift hier auch keine Steuerklasse.

Unser Tipp:

Ihr Gehalt wird voll versteuert, wenn Sie nur ein paar Euro über der Midijob-Höchstgrenze liegen. Es kann sich deshalb für Sie lohnen, über eine Reduzierung Ihrer Arbeitsstunden und damit Ihres Gehalts nachzudenken. 

Ihr Anstellungsverhältnis gilt übrigens automatisch als Midijob, sobald Ihr Gehalt auf knapp 850 Euro im Monat sinkt. Das ergibt sich aus den Beträgen. Ihr Arbeitgeber muss dafür nichts tun. Auch Sie als Arbeitnehmer müssen nicht tätig werden.

2. Solidaritätszuschlag sparen

Sie als Arbeitnehmer müssen neben Lohnsteuer und Kirchensteuer auch jeden Monat den Solidaritätszuschlag zahlen. Das sind 5,5 Prozent Ihrer Lohn- und Einkommensteuer. Der Soli wird auch fällig für Gewinne aus Kapitalanlagen: Haben Sie Aktiengewinne oder Sparbuchzinsen müssen Sie die Kapitalertragsteuer zahlen. Darauf wird dann der Soli berechnet.

Ausnahme Geringverdiener: Sie sind vom Soli befreit, sobald Sie als Alleinstehender nur 972 Euro pro Jahr bzw. 1.944 Euro jährlich als Ehepaar oder Lebenspartner an Einkommensteuer zahlen. Ein verringerter Soli wird fällig, wenn Sie mit Ihrer zu zahlenden Einkommensteuer nur knapp über dieser sogenannten Nullzone liegen. Für Alleinstehende sind das aufs Jahr gerechnet zwischen 973 Euro und 1.340 Euro zu zahlende Einkommensteuer, bei Verheirateten 1.945 bis 2.680 Euro. Dann wird für Sie nicht der volle Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent der Einkommensteuer fällig, sondern nur ein Teil. Wie hoch der Soli konkret für Sie ausfällt, hängt von Ihrem exakten Verdienst und Ihrem persönlichen Steuersatz ab. Ihr Arbeitgeber rechnet den für Sie fälligen Betrag aus.

3. Ehegattensplitting nutzen und Steuern sparen

Verheiratete und eingetragene Lebenspartner, die sich "zusammen veranlagen lassen", können mit dem Ehegattensplitting Einkommensteuer sparen. Das Splitting selbst funktioniert folgendermaßen: Das Finanzamt zählt das Jahreseinkommen von Partner 1 und Partner 2 zusammen, halbiert den Betrag und berechnet für diese eine Hälfte die Einkommensteuer. Jetzt wird die errechnete Einkommensteuer verdoppelt. Das Ergebnis ist die Einkommensteuer, die ein Ehepaar zahlen muss. In der Regel zahlen Paare mit dem Ehegattensplitting weniger Steuern, als Paare, bei denen jeder die Einkommensteuer einzeln berechnen lässt. Sie als Paar sparen vor allem dann Steuern, wenn einer von Ihnen eher viel und der andere eher wenig verdient.

Ein Beispiel: Sie arbeiten Vollzeit und verdienen 45.000 Euro im Jahr, Ihr Partner arbeitet Teilzeit und verdient 15.000 Euro im Jahr. Als nicht zusammen veranlagtes Paar müssen Sie knapp 10.800 Euro und Ihr Partner gut 1.340 Euro Steuern zahlen (gerechnet nach dem Einkommensteuertarif 2014 und ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Über 1.000 Euro weniger Steuern zahlen Sie beide, wenn sie sich zusammen veranlagen lassen und das Finanzamt mit dem Splittingtarif rechnet.

Unser Tipp:

Wer verheiratet ist oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft führt, sollte darüber nachdenken, sich "zusammen veranlagen" zu lassen. Schon ein geringer Einkommensunterschied der Partner kann durch das Ehegatten-Splitting eine Steuerersparnis bringen.

4. Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage gewinnen    

Jeder, der nicht mehr als 25.600 Euro Einkommen im Jahr versteuern muss, wird vom Staat mit einer Wohnungsbauprämie unterstützt. Voraussetzung dafür ist, dass Sie einen Bausparvertrag abschließen. Mindestens 50 Euro müssen und höchstens 512 Euro pro Jahr dürfen Sie einzahlen. Dieses Geld wird dann mit 8,8 Prozent vom Staat bezuschusst. Für Verheiratete gelten jeweils die doppelten Beträge, also eine Einkommensgrenze von 51.200 Euro und Einzahlungen von mindestens 100 und höchstens 1.024 Euro im Jahr in den Bausparvertrag.

Viele Arbeitgeber fördern die Vermögensbildung ihrer Mitarbeiter. Das geht zum Beispiel, indem sie vermögenswirksame Leistungen direkt auf den Bausparvertrag des Mitarbeiters überweisen. Der Staat bezuschusst diese Zahlungen mit 9 Prozent Arbeitnehmer-Sparzulage. Von 470 Euro werden 9 Prozent im Jahr gefördert, Sie als Arbeitnehmer können also 43,00 Euro jedes Jahr dabei gewinnen. Weitere Details zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel zu den vermögenswirksamen Leistungen.

Übrigens:

Sie können sich die vermögenswirksamen Leistungen auch in Form von normalen Sparverträgen, Fondssparverträge, Aktien, Lebensversicherungen oder privaten Rentenversicherungen sichern.

5. Bildungsprämie sichern

Die Bildungsprämie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt Geringverdiener, die eine Weiterbildung machen. Den sogenannten Prämiengutschein erhalten Sie als Arbeitnehmer, wenn Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen 20.000 (Alleinstehende) beziehungsweise 40.000 Euro (Ehepaare und Lebenspartner) nicht übersteigt.

Seit dem 1. Juli 2014 gelten folgende Förderkonditionen: Der Bund übernimmt für Arbeitnehmer, die über 25 Jahre alt sind, die Hälfte der Weiterbildungskosten und maximal 500 Euro. Interessierte können sich in einer der deutschlandweit vertretenen Beratungsstellen zum Prämiengutschein beraten lassen, nämlich unter www.bildungspraemie.info oder über die kostenlose Hotline 0800 2623000.

Übrigens:

Auch Mütter und Väter in Elternzeit können einen Prämiengutschein bekommen. Lesen Sie mehr zur Bildungsprämie in unserem Steuer ABC Bildungsprämie - was ist das?

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