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Preisgelder im Amateursport – steuerfrei oder steuerpflichtig?

Die Finanzgerichte beschäftigt die Frage: Ist Amateursport wie zum Beispiel Gewichtheben eine Liebhaberei? Wenn ja, sind die Preisgelder nämlich steuerfrei.

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Preisgelder im Amateursport – steuerfrei oder steuerpflichtig?

Sie kommen auf die Bühne, reißen oder stoßen eine Langhantel mit teilweise über 200 Kilogramm und verlassen die Bühne wieder: die Gewichtheber. Auch wenn Gewichtheben eher eine Randsportart ist, gibt es natürlich sowohl Profi-, als auch Amateursportler. Steuerlich gesehen wird es im Bereich der Amateursportler spannend: Ist Amateursport eine Liebhaberei? Ist die Antwort ein klares "Ja!", dann ist die Siegprämie steuerfrei. Sieht es der Fiskus anders, werden Steuern für die Turniergewinne fällig. Das muss das Finanzamt allerdings immer im Einzelfall entscheiden.

Ein Gewichtheber beschäftigt Finanzgerichte

Ein solcher Einzelfall beschäftigte zuletzt den Bundesfinanzhof (BFH), das höchste Gericht für Steuern in Deutschland. Ein Gewichtheber war in den 2000ern recht erfolgreich im Amateurbereich unterwegs. 2001 überwies ihm sein Sportverein 9.400 DM, 2003 dann 2.716,45 Euro. Auch in den Folgejahren bekam er Geld in ähnlicher Größenordnung. Das Geld bekam er teils als "Siegprämie", teils als "Aufwendungen Bundesliga". Das Finanzamt wurde auf die Zahlungen aufmerksam und forderte Steuern.

Erhöhter Kalorienbedarf ist nicht steuerrelevant

Der Gewichtheber war empört: Er betreibe den Sport nicht um des Geldes willen. Außerdem habe er wegen des Gewichtshebens einen erheblich höheren Kalorienverbrauch als andere Menschen. Entsprechend entstünden ihm Mehrkosten für die Verpflegung von 400 bis 500 Euro monatlich – da bliebe von den Preisgeldern nichts mehr übrig. Das Finanzgericht, das sich zu diesem Zeitpunkt um den Fall kümmerte, sah das anders. Zum einen habe der Gewichtheber seine Mehrkosten nie nachgewiesen, zum anderen sei es schwierig, die Kosten aufzuteilen. Liegt der erhöhte Kalorienbedarf tatsächlich am Gewichtheben, oder an anderen Aktivitäten im Privatleben? Außerdem gäbe es im Steuerrecht klare Regeln für sogenannte Verpflegungsmehraufwendungen.

BFH als oberste Instanz sollte entscheiden

Da sich das Finanzgericht und der Gewichtheber nicht einigen konnten, wanderte der Fall vor den BFH. Doch jetzt kommt das große "Aber": Anhand der bisherigen Unterlagen können die Richter aus München keine endgültige Entscheidung fällen. Sie gaben den Fall also an das Finanzgericht zurück. Das Finanzgericht muss im zweiten Rechtsgang zwei Dinge klären:

  1. Es muss genauer prüfen, ob der Gewichtheber Mehraufwendungen für Verpflegung geltend machen kann. Denn jeder, der auf Dienstreisen geht, kann Verpflegungspauschbeträge in der Steuererklärung eintragen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Top Thema Reisekostenrecht 2014: Das sollten Sie wissen.
  2. Die Richter müssen prüfen, ob der Gewichtheber eine sogenannte Einkunftserzielungsabsicht hat. Was so kompliziert klingt, ist einfach die Frage, ob der Gewichtheber Geld mit dem Sport verdienen wollte, oder den Sport nur aus Spaß an der Freude betrieben hat.

Gibt es keine Einkunftserzielungsabsicht, ist es Liebhaberei

Kommt das Finanzgericht zu dem Schluss, dass der Gewichtheber nie das große Geld mit seinem Sport machen wollte – also keine Einkunftserzielungsabsicht besteht -, ist das Gewichtheben Liebhaberei. Und damit wären die Siegprämien steuerfrei. Es bleibt in diesem Fall also spannend, bis das Finanzgericht eine Entscheidung gefällt hat.

Übrigens:

Sie treiben Sport, um eine Krankheit wie einen Bandscheibenvorfall loszuwerden? Dann können Sie theoretisch Ihre monatlichen Beiträge fürs Fitnessstudio von der Steuer absetzen. In der Praxis ist es allerdings schwierig, die beiden Voraussetzungen des Finanzamts zu erfüllen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Top Thema Fitnessstudio: Beiträge von der Steuer absetzen. Sie haben noch Fragen? Unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen gerne weiter. Hier finden Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

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