Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Heuschnupfen: Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzen

Allergiker können ihre Kosten für Medikamente oder eine Therapie gegen Gräser und Pollen absetzen. Sogar das Fällen von Allergie auslösenden Bäumen ist absetzbar.

Mit anderen teilen

Endlich Frühling! Die ersten warmen Sonnenstrahlen kitzeln in der Nase und lassen die Natur erblühen. Krokusse, Gänseblümchen und Buschwindröschen, Birken, Erlen und Haselnussbäume – die meisten freuen sich über das, was da blüht und sprießt.

Aber für viele bedeutet es Schniefnase, juckende Augen und bleierne Müdigkeit, sie sind Allergiker. Klassiker unter den Allergien ist der Heuschnupfen. Nasenspray, Tabletten oder gar eine Therapie zur Desensibilisierung gehören zu den vielen Maßnahmen, um die Ursachen und Folgen von Heuschnupfen zu bekämpfen. Doch nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten.

So stellt sich oft die Frage: Heuschnupfen - kann ich das von der Steuer absetzen?

Wer als Allergiker gebeutelt ist, sollte folgendes wissen: Alles, was der Arzt Ihnen verordnet und Ihre Krankenkasse nicht zahlt, definiert das Finanzamt als Krankheitskosten. Und die können Sie von der Steuer absetzen. Eine Aufzählung der Dinge und Maßnahmen, die Sie absetzen können, finden Sie in unserem Artikel Krankheitskosten: Was Sie wie von der Steuer absetzen können.

Bäume fällen: Über 7.000 Euro als Krankheitskosten

Manchmal liegt die Ursache einer Pollen-Allergie ganz nah, und damit auch deren Bekämpfung. So war es im Fall eines dreifachen Vaters: Seine Tochter litt an einer starken Birkenpollenallergie – massiver Heuschnupfen und Asthma waren die Folge. Ursachenherd der Allergie waren die fast 70 Birken auf dem Grundstück der Familie.

Nachdem keine der üblichen Therapie-Formen half, ließ der Vater die Bäume im Jahr 2003 fällen. Anschließend trug er die Kosten von rund 7.700 Euro als Krankheitskosten in seine Steuererklärung ein. Das zuständige Finanzamt lehnte die Anerkennung der Kosten ab, obwohl der verantwortliche Facharzt nachträglich ein Attest ausgestellt hatte. Der Vater wehrte sich, und schließlich musste der Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden.

Der BFH urteilte, dass Ausgaben für das Fällen von Bäumen grundsätzlich als außergewöhnliche Belastungen bzw. Krankheitskosten gelten können. Das müsse dann aber über ein amtsärztliches Attest nachgewiesen werden, wie im Falle des Vaters und seiner Tochter mit Allergie geschehen. Die Richter räumten ein, dass ein solches Attest im Idealfall vor dem Fällen der Bäume ausgestellt werden müsse. Aber auch ein nachträgliches Attest könne ausnahmsweise ausreichen, wenn nämlich der Arzt den früheren Gesundheitszustand des Kindes zuverlässig beurteilen könne. Wer mehr über das BFH-Urteil erfahren will, hier das Aktenzeichen: III R 28/06.

Ende 2011 hat der Gesetzgeber beschlossen, dass ein ärztliches Attest immer vorher ausgestellt werden muss. Wer also zum Beispiel sein Haus oder Grundstück aus medizinischen Gründen umbaut und die Kosten dafür von der Steuer absetzen will, der muss vor der Umbaumaßnahme ein ärztliches Attest ausstellen lassen.

Übrigens:

Nicht nur Gräser und Pollen können die Gründe für Umbaumaßnahmen sein, sondern auch gesundheitsgefährdende Stoffe – Elektrosmog, Asbest, Schimmel oder giftige Lacke zum Beispiel. In der Regel brauchen Sie auch hier ein medizinisches Attest oder ein technisches Gutachten, wenn Sie die Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzen wollen. In manchen Fällen reicht auch ein Privatgutachten aus.

Krankheitskosten & Co.: "Außergewöhnliche Belastungen"

Scheidungskosten, Betreuungskosten für Angehörige im Pflegeheim, Unterhalt oder eben Krankheitskosten: Solche Ausgaben können Sie als "außergewöhnliche Belastungen" von der Steuer absetzen. Allerdings müssen Sie bis zu einer sogenannten zumutbaren Belastungsgrenze einen Teil der Kosten selbst tragen.

Diese Grenze wird für jeden Steuerzahler individuell berechnet, nämlich anhand seines Jahreseinkommens, Familienstands und der Anzahl seiner Kinder. Nur die Kosten, die seine zumutbare Belastung übersteigen, können abgesetzt werden. Wie hoch Ihre eigene Belastungsgrenze ausfällt und alle weiteren Details zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Mit anderen teilen