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Abgabefrist für die Steuererklärung verpasst – was nun?

Fristverlängerung, Verspätungszuschlag, Zwangsgeld oder sogar Steuerschätzung: Bei wem jetzt die Alarmglocken angehen, der sollte unseren Artikel lesen.

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Für viele Steuerzahler gibt es einen sehr wichtigen Termin: Den Stichtag für die Steuererklärung. Seit 2019 muss die Einkommensteuerklärung spätestens am 31. Juli beim Finanzamt sein. Doch was passiert, wenn man die Abgabefrist für die Steuererklärung verpasst? Welche Konsequenzen hat das? Wir erklären es Ihnen.

Die Fristverlängerung

Eine Gesetzesänderung sorgt dafür, dass es ab 2019 deutlich schwieriger wird, eine Fristverlängerung zu beantragen. Die Finanzbeamten verlängern die Abgabefrist für die Steuererklärung nur noch in Ausnahmefällen, nämlich wenn der Steuerpflichtige ohne eigenes Verschulden die Abgabe versäumt.

Ist das bei Ihnen der Fall, müssen Sie das Finanzamt unbedingt schriftlich um eine Fristverlängerung bitten. Stimmt das Finanzamt einer Fristverlängerung zu, bekommen Sie einen neuen Termin zur Abgabe der Steuererklärung mitgeteilt – den Sie auch unbedingt einhalten sollten.

Übrigens:

Die VLH-Experten gehen davon aus, dass die Finanzbeamten im Falle einer Fristverlängerung den neuen Stichtag auf den 30. November legen. Noch gibt es dazu aber keine offiziellen Angaben aus der Finanzverwaltung.

Der Verspätungszuschlag

Sie haben die Abgabefrist für die Steuererklärung – oder die neue Frist nach Fristverlängerung – verpasst. Jetzt kann das Finanzamt einen sogenannten Verspätungszuschlag festsetzen. Und das kann, dank der Gesetzesänderung, auch richtig teuer werden.

Aber: Wenn Sie mit einer Steuerrückerstattung rechnen können, drücken die Finanzbeamten in Sachen Verspätungszuschlag in der Regel ein Auge zu. Denn das Finanzamt kann einen Verspätungszuschlag festsetzen, muss es aber nicht tun. Der Verspätungszuschlag liegt im Ermessen des Finanzamts.

Das gilt auch, wenn Sie Steuern nachzahlen müssen. Auch hier liegt es im Ermessen des Finanzamts, ob nach der verpassten Abgabefrist ein Verspätungszuschlag fällig wird, oder nicht. Mit einer Ausnahme: Geben Sie die Steuererklärung nicht innerhalb von 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres ab, wird auf jeden Fall ein Verspätungszuschlag festgesetzt. Und das ganz automatisch und ohne Ausnahme.

Übrigens:

Wenn Sie sich fragen, was „nach Ablauf des Besteuerungsjahres“ bedeutet, können wir Ihnen mit einem Beispiel weiterhelfen:

Die Steuererklärung 2018 betrifft alle Einnahmen und Ausgaben, die Sie vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2018 hatten. Das ist das sogenannte Besteuerungsjahr. Haben Sie die Steuererklärung 2018 nicht bis zum 1. März 2020 abgegeben, wird automatisch der Verspätungszuschlag fällig.

Höhe des Verspätungszuschlags

Während die Beamten früher selbst festlegen konnten, wie hoch der Verspätungszuschlag ausfällt, ist der Verspätungszuschlag seit 2019 gesetzlich festgelegt.

Der Verspätungszuschlag beträgt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro pro verspätetem Monat. Maximal werden 25.000 Euro Verspätungszuschlag fällig.

Ein Beispiel: Thomas muss 300 Euro Steuern nachzahlen. Er zögert deshalb die Abgabe seiner Steuererklärung immer weiter hinaus. Letztlich ringt er sich dazu durch, die Steuererklärung 2018 am 15.04.2020 abzugeben. Leider deutlich zu spät, denn jetzt wird automatisch der Verspätungszuschlag fällig.

Da Thomas mindestens 25 Euro pro verspätetem Monat zahlen muss, werden ihm für zwei verspätete Monate – März und April – insgesamt 50 Euro Verspätungszuschlag berechnet. Damit steigt seine Steuernachzahlung von 300 Euro auf 350 Euro.

Der Verspätungszuschlag wird im Steuerbescheid automatisch zu einer Steuerschuld hinzugerechnet oder von einer Steuererstattung abgezogen.

Das Zwangsgeld

Das Finanzamt hat neben dem Verspätungszuschlag noch ein weiteres Mittel, auf das es bei einer verspäteten Abgabe zurückgreifen kann: das Zwangsgeld. In der Regel kommt zuerst eine Zwangsgeldandrohung per Post mit einer letzten Frist zur Abgabe der Steuererklärung. Geben Sie die Steuererklärung innerhalb der Frist ab, wird das Zwangsgeld nicht fällig. Lassen Sie allerdings auch diese Frist verstreichen, wird es ernst, das Zwangsgeld wird fällig.

Wie hoch das Zwangsgeld ausfällt, kommt darauf an, ob Sie in der Vergangenheit immer pünktlich abgegeben haben, oder Sie regelmäßig zu spät dran sind. In der Regel liegt das Zwangsgeld zwischen 100 und 500 Euro, auch hier können maximal 25.000 Euro festgesetzt werden.

Die Steuerschätzung

Haben alle Drohungen seitens des Finanzamts nichts gebracht und die Steuererklärung ist immer noch nicht abgegeben, folgt das letzte Mittel. Das Finanzamt schätzt Ihre Besteuerungsgrundlage und erlässt einen entsprechenden Steuerbescheid. In der Regel schätzt das Finanzamt dabei eher zu Ihren Ungunsten. Das bedeutet, dass Sie mehr Steuern zahlen müssen, als es tatsächlich der Fall wäre.

Übrigens:

Kümmert sich ein Lohnsteuerhilfeverein um Ihre Steuererklärung, verlängert sich die Abgabefrist automatisch auf Ende Februar des darauffolgenden Jahres. Eine VLH-Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie hier: Beratersuche.

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