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Kurzarbeit und Steuer - kurz erklärt

Wer von Kurzarbeit betroffen ist, kann vom Staat Geld zum Ausgleich erhalten. Das ist zunächst steuerfrei, erhöht aber den persönlichen Steuersatz.

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Während der Finanzkrise wurde dieses Instrument vielfach genutzt, um Arbeitsplätze zu erhalten, die durch den plötzlichen Umsatzeinbruch gefährdet waren: das Kurzarbeitergeld. Doch die Bundesagentur für Arbeit prüfte damals und tut es auch heute noch, ob wirklich wirtschaftliche Ursachen vorliegen oder vielleicht betriebsinternes Missmanagement Schuld an der Notlage eines Betriebs ist. Schließlich profitiert in erster Linie das Unternehmen von den Möglichkeiten der Kurzarbeit. Die Arbeitnehmer haben nur langfristig und unter Gehaltseinbußen etwas davon. Daher lautet die Devise: Kein Kurzarbeitergeld bei Missmanagement.

Es gilt sogar, dass der Bezug von Kurzarbeitergeld nachrangig gegenüber der Vermittlung in Arbeit ist. Demnach hat die Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der Kurzarbeit immer zu prüfen, ob die Situation auf dem Arbeitsmarkt es erfordert, die Bezieher von Kurzarbeitergeld in andere zumutbare Arbeitsverhältnisse zu vermitteln.

Kurzarbeit in der Corona-Krise

Wegen der Corona-Krise können betroffene Unternehmen Kurzarbeit beantragen. Die Bundesregierung hat dafür Erleichterungen beschlossen und Verbesserungen auf den Weg gebracht. Diese gelten aktuell bis Ende 2021.

Vorteile aus Sicht der Arbeitgeber:

  • Bislang mussten 30 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb von Arbeitsausfall betroffen sein. Jetzt wird Kurzarbeit anerkannt, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall von über zehn Prozent betroffen sind.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge, die auch bei Kurzarbeit zu entrichten sind, werden bis 30. Juni 2021 den Arbeitgebern in voller Höhe erstattet. 
  • Beschäftigte können Kurzarbeitergeld unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 24 Monate lang erhalten, längstens bis zum 31. Dezember 2021.

Vorteile aus Sicht der Arbeitnehmer:

  • Arbeitnehmer sind derzeit nicht verpflichtet, die ausgefallene Arbeitszeit auf einem Arbeitszeitkonto zu sammeln („negatives Arbeitszeitsaldo“), bevor Kurzarbeit ermöglicht wird.
  • Wer von Kurzarbeit betroffen ist, darf zusätzlich Geld verdienen – ohne Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergelds. Die Regelung greift ab 1. Mai 2020 und geht bis 31. Dezember 2021. Bislang galt: Eine neue Nebenbeschäftigung während der Kurzarbeit wurde in voller Höhe auf die Lohnersatzleistung angerechnet.
  • Bisher übernahm die Agentur für Arbeit nur 60 Prozent des entgangenen Lohns, bei Arbeitnehmern mit Kind 67 Prozent. Nun wird das Kurzarbeitergeld bis Ende 2020 gestaffelt angehoben. Wer es für eine um mindestens die Hälfte reduzierte Arbeitszeit bezieht, erhält ab dem vierten Monat 70 Prozent des entgangenen Lohns, mit Kindern 77 Prozent. Ab dem 7. Monat des Bezugs steigt es dann auf 80 Prozent beziehungsweise 87 Prozent mit Kindern.

Weitere Infos zu Regelungen für Arbeitnehmer während der Corona-Krise finden Sie auf den Seiten der Bundesregierung oder bei der Arbeitsagentur.

Konjunkturelles Kurzarbeitergeld – so funktioniert es

Wenn in Ihrem Betrieb aufgrund wirtschaftlicher Ursachen eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung eintritt, kann Ihr Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit einen Antrag auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld für seine Mitarbeiter stellen. Das heißt für Sie: Erfüllen Ihr Betrieb bzw. der betreffende Betriebsteil die gesetzlichen Bestimmungen, übernimmt nach Beginn des Arbeitsausfalls die Bundesagentur 60 Prozent Ihres entgangenen Lohns. Bei Arbeitnehmern mit Kind sind es 67 Prozent. Ihren gekürzten Lohn plus Kurzarbeitergeld bekommen Sie von Ihrem Arbeitgeber regulär auf Ihr Konto überwiesen.

Übrigens:

In einzelnen Fällen kann die Arbeit sogar ganz eingestellt werden („Kurzarbeit auf Null“).

Neben dem konjunkturellen Kurzarbeitergeld, gibt es noch das Saison-Kurzarbeitergeld für Branchen, in denen bei schlechtem Wetter nicht gearbeitet werden kann und das Transferkurzarbeitergeld im Falle einer Firmeninsolvenz.

Kurzarbeit: Ein Rechenbeispiel

Sie sind kinderlos und verdienen netto normalerweise 1.332 Euro. Ihr Arbeitgeber beantragt für einen Monat Kurzarbeit und streicht die Hälfte Ihrer Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche. Ihr Nettolohn sinkt damit auf beispielsweise 777 Euro, also 555 Euro weniger. Die Bundesagentur übernimmt 60 Prozent des entgangenen Nettolohns, also 333 Euro. Zusammen kommt Sie nun auf 1.110 Euro, also dank Kurzarbeitergeld auf 222 Euro weniger, statt 555 Euro.

Übrigens:

Die reguläre gesetzliche Regel-Bezugsdauer für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld beträgt seit Januar 2016 maximal 12 Monate. 

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei

Alle Formen von Kurzarbeitergeld sind steuerfrei, da sie durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung getragen werden. Sie unterliegen aber dem steuerlichen Progressionsvorbehalt. Das heißt: Die 333 Euro Kurzarbeitergeld aus unserem Rechenbeispiel sind für Sie steuerfrei. Sie erhöhen aber Ihren persönlichen Steuersatz mit dem Sie Ihr restliches Einkommen versteuern müssen.

Kurzarbeitergeld in die Steuererklärung eintragen

Da Sie das Kurzarbeitergeld nicht von der Bundesagentur überwiesen bekommen sondern von Ihrem Arbeitgeber, steht es auch auf Ihrer jährlichen Lohnsteuerbescheinigung. Alle Lohnersatzleistungen, die hier genannt sind, tragen Sie in Anlage N Ihrer Steuererklärung ein. Dort ist eine Zeile explizit für die Lohnersatzleistungen, wie beispielsweise das Kurzarbeitergeld, den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, Zuschläge und Aufstockungsbeiträge ausgewiesen.

Übrigens:

Wenn Sie Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten haben, besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung.

 

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