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Elterngeld und Steuer: Das müssen Sie wissen

Elterngeld oder Elterngeld Plus – Eltern haben die Qual der Wahl. Was Sie steuerlich beachten müssen, erklären wir Ihnen hier.

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Elterngeld und Steuer: Das müssen Sie wissen

Das Elterngeld ist eine sogenannte Transferzahlung, also eine Zahlung vom Staat, für die keine Gegenleistung gefordert wird. Warum der Staat quasi Geld verschenkt? Nun, das Elterngeld soll nach der Geburt eines Kindes „den notwendigen Schonraum für einen guten Start in das gemeinsame Leben“ schaffen, so das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Letztlich ist es ja so: Wenn Vater oder Mutter nach der Geburt ganz oder teilweise Zuhause bleibt, fällt ein Gehalt weg. Um diesen finanziellen Fall abzumildern, gibt es das Elterngeld – sogar steuerfrei. Immerhin 933.000 Mütter und Väter haben für ihre im Jahr 2104 geborenen Kinder Elterngeld bezogen. Das hat das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung veröffentlicht.

Es gibt allerdings nicht nur das Elterngeld, sondern auch das Elterngeld Plus. Eltern, deren Kinder nach dem 01.07.2015 zur Welt gekommen sind, haben die Qual der Wahl. Wir erklären erst einmal schnell den Unterschied:

Das Elterngeld

Das Elterngeld, im offiziellen Sprachgebrauch manchmal auch Basiselterngeld genannt, ist ein Ausgleich für das wegfallende Gehalt eines Elternteils. Es wird an Väter und Mütter für maximal 14 Monate gezahlt. Wie ein Paar diese Zeit untereinander aufteilt, ist dem Staat erstmal egal. Es gilt allerdings: Ein Elternteil kann mindestens zwei und höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen. Die zwei weiteren Monate gibt es nur, wenn sich auch der andere Elternteil an der Betreuung beteiligt.

Übrigens:

Alleinerziehenden stehen aufgrund des fehlenden Partners grundsätzlich die vollen 14 Monate Elterngeld zu.

Das Elterngeld Plus

Das neue Elterngeld Plus ist vor allem für Paare spannend, die bereits während des Elterngeldbezugs wieder stundenweise in den Job einsteigen wollen. In einem solchen Fall bekommen die Eltern doppelt so lange Elterngeld, allerdings in maximal halber Höhe. Um es mit den Worten des Bundesministeriums zu sagen: „Aus einem bisherigen Elterngeldmonat werden zwei ElterngeldPlus-Monate“. Beim Elterngeld Plus gibt es eine weitere Besonderheit: Arbeiten Vater und Mutter gleichzeitig für vier Monate jeweils 25 bis 30 Wochenstunden, gibt es einen zusätzlichen „Partnerschaftsbonus“ in Form von vier weiteren ElterngeldPlus-Monaten pro Elternteil.

Die Höhe des Elterngelds

Wie hoch das Elterngeld tatsächlich ausfällt, hängt vom durchschnittlichen Einkommen des betreuenden Elternteils im Jahr vor der Geburt ab. Es gibt mindestens 300, maximal aber 1.800 Euro im Monat. Wie schon erwähnt, halbieren sich die Werte beim Elterngeld Plus: Es gibt also mindestens 150 Euro, höchstens aber 900 Euro monatlich.

Nehmen wir einmal an, Sie haben im Jahr vor der Geburt zwischen 1.000 und 1.200 Euro verdient. Dann bekommen Sie Elterngeld in Höhe von 67 Prozent Ihres durchschnittlichen Nettogehalts. Bei Geringverdienern, also Menschen, die vor der Geburt des Kindes weniger als 1.000 Euro im Monat verdient haben, sieht die Sache etwas anders aus. Unter 1.000 steigt die Ersatzrate schrittweise auf bis zu 100 Prozent an. Bedeutet: Je weniger Sie verdienen, desto höher wird die Ersatzrate. Bei Nettoeinkommen über 1.200 Euro sinkt die Ersatzrate auf 65 Prozent.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Und es wird noch komplizierter, denn es gibt Sonderregelungen für Hausfrauen, es gibt den Geschwisterbonus und einen Elterngeldfreibetrag. Informationen dazu finden Sie beim Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend

Außerdem gibt es auf den Seiten des Ministeriums auch einen Elterngeldrechner.

Steuerklasse beeinflusst die Höhe des Elterngelds

Damit wären wir, steuerlich gesehen, am ersten Knackpunkt angekommen: Die Höhe des Elterngelds hängt vom durchschnittlichen Einkommen des betreuenden Elternteils im Jahr vor der Geburt ab. Je höher das Einkommen, desto höher also das Elterngeld – zumindest bis der Maximalwert von 1.800 Euro erreicht ist.

Für verheiratete Paare gibt es einen ganz legalen Trick, die Höhe des Elterngelds zu beeinflussen: Steuerklasse wechseln! Denn die Steuerklasse bestimmt, wie viel Netto vom Brutto bleibt. Verdient ein Ehepartner deutlich weniger als der andere, bietet sich eine Kombination von Steuerklasse III (3) und V (5) an. Der geringer verdienende Partner ist dabei in der steuerlich ungünstigeren Steuerklasse V (5), die deutlich höhere Abzüge hat.

Der Elternteil, der nach der Geburt Zuhause bleibt, sollte also vor der Geburt in die steuerlich günstigere Steuerklasse III (3) wechseln. Aber Achtung: Das funktioniert nur, wenn Sie ganz schnell handeln. Der Antrag auf den Wechsel der Steuerklasse muss spätestens sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutterschutz beginnt.

Elterngeld erhöht den Progressionsvorbehalt

Eine bittere Wahrheit in Sachen Elterngeld bleibt, auch wenn man rechtzeitig die Steuerklasse wechselt. Das Elterngeld selbst ist zwar steuerfrei, erhöht aber den Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass das Elterngeld auf alle anderen Einkommen der Familie angerechnet wird und dadurch der Steuersatz steigt. Ein Rechenbeispiel bringt Klarheit:

Elterngeld

Elterngeld beantragen Sie bei der Elterngeldstelle. Welche Elterngeldstelle für Sie zuständig ist, richtet sich nach Ihrem Bundesland und Ihrem Wohnort. Den Elterngeldantrag bekommen Sie in der Regel nach der Geburt Ihres Kindes in der Geburtsklinik oder direkt bei der Elterngeldstelle. Bis 2007 hieß das Elterngeld übrigens noch Erziehungsgeld.


Mama Hendrikje verdiente vor der Geburt des gemeinsamen Kindes Leni 1.050 Euro netto – und bekommt deshalb aktuell ein monatliches Elterngeld von 703,50 Euro. Papa Holger verdient als Bauingenieur 4.000 Euro brutto monatlich.

Holger verdient im Jahr nach Lenis Geburt also 48.000 Euro brutto, nach allen Abzügen ergibt sich ein zu versteuerndes Einkommen von 42.000 Euro. Dazu kommt das steuerfreie Elterngeld in Höhe von 8.442 Euro. Da Hendrikje ein Jahr lang nicht gearbeitet hat, kommt sie in den Genuss der Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro.

Das Finanzamt berechnet nun zuerst den Steuersatz für das zu versteuernde Einkommen von Holger. Das sind bei 42.000 Euro 14,0 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag. Jetzt addieren die Beamten das Elterngeld (abzüglich der Werbungskostenpauschale) zum Jahresgehalt hinzu. Für die 49.442 Euro steigt der Steuersatz auf 16,4 Prozent inklusive Soli.

Die Krux ist: Diese 16,4 Prozent werden jetzt auf Holgers 42.000 Euro angewandt – nicht die geringeren 14,0 Prozent. Mit der Konsequenz, dass die zu zahlenden Steuern für die Familie ansteigen. Immerhin von 5.903 Euro (bei 14,0 Prozent) auf 6.879 Euro (bei 16,4 Prozent). Die Familie zahlt also aufgrund des Progressionsvorbehalts 976 Euro mehr an Steuern.

Übrigens:

Unser VLH-Tipp: Durch den Progressionsvorbehalt kommt es am Ende des Jahres für junge Familien oft zu einer Steuernachzahlung. Legen Sie deshalb schon während des Jahres ein wenig Geld zur Seite.

Nebenbei arbeiten reduziert das Elterngeld

Das Elterngeld als Transferzahlung soll den Wegfall eines Gehalts abmildern. Wenn Sie als Elterngeldbezieher mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten gehen, verlieren Sie den Anspruch auf das Elterngeld. Arbeiten Sie weniger, wird Ihr Gehalt dem Elterngeld angerechnet – Sie bekommen dann also weniger Elterngeld. Übrigens: Wenn Sie in der Elternzeit weiterhin mit dem Dienstwagen fahren, gilt das als geldwerter Vorteil. Ihr Elterngeld wird dann entsprechend gekürzt. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Dienstwagen wird auf Elterngeld angerechnet.

Elterngeld kann Unterhalt reduzieren

Auch in Sachen Unterhalt spielt das Elterngeld eine Rolle. Bekommt eine Mutter neben dem Elterngeld auch Unterhalt vom Ex-Partner, wird der Unterhalt auf das Elterngeld angerechnet – und zwar auf das gesamte Elterngeld. Das hat kürzlich das Finanzgericht Münster (Aktenzeichen 3 K 3546/14 E) entschieden.

Wie kam es zu diesem Urteil? Beim Elterngeld gibt es einen einkommensunabhängigen Sockelbetrag in Höhe von 300 Euro. Die Frage stand im Raum, ob der Sockelbetrag bei der Anrechnung von Unterhalt unangetastet bleiben sollte oder nicht. Die Richter entschieden, dass das Elterngeld als „Einkünfteersatz“ diene und dass das ohne Unterschied auch für den Sockelbeitrag gelte. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht final. Der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, muss sich jetzt mit diesem Streitfall befassen und ein endgültiges Urteil fällen.

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