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Leibrente und Steuern: Das müssen Sie wissen

Altersrente, Erwerbsminderungsrente, Witwenrente, Waisenrente und Erziehungsrente – sie alle gehören zu den Leibrenten. Doch was ist das eigentlich?

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Leibrente und Steuern: Das müssen Sie wissen

Der Begriff Leibrente klingt nicht nur alt, er ist es auch tatsächlich. Die Leibrente gibt es seit dem Mittelalter und war eine Möglichkeit für Christen das von der Kirche erlassene Zinsverbot zu umgehen. Gläubiger, die Geld an andere verliehen, verlangten keine Zinsen von den Schuldnern, sondern eine Rente – die sogenannte Leibrente. So konnten sie weiterhin geschickt Geld verdienen, ohne das Zinsverbot der Kirche zu verletzen.

Ganz allgemein und verkürzt gesagt, ist die Leibrente eine gleichbleibende und regelmäßige Zahlung, die an eine Person geleistet wird. In der Regel wird sie bis zum Tod des Empfängers gezahlt. Zu den von der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlten Leibrenten gehören neben der Altersrente auch die Erwerbsminderungsrente, die Witwenrente, die Waisenrente und die Erziehungsrente.

So werden gesetzliche Leibrenten besteuert

Egal ob Altersrente, Erwerbsminderungsrente, Witwen- und Waisenrente oder Erziehungsrente ¬- steuerlich gesehen gilt für alle seit der Rentenreform 2005 das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Was man darunter versteht, können Sie hier nachlesen So funktioniert die nachgelagerte Besteuerung.

Unbedingt merken sollte man sich: Erst wenn man als Rentner ein Einkommen von mehr als 8.652 Euro im Jahr hat, muss man Steuern zahlen. Wie viele Steuern Sie tatsächlich auf ihre Rente zahlen müssen, hängt maßgeblich vom Jahr des Renteneintritts ab. Denn der Gesetzgeber hat in der Rentenreform 2005 festgelegt, dass die Besteuerung schrittweise bis zum Jahr 2040 angehoben wird. Nähere Informationen hierzu finden Sie auch hier Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen und wie viel?.

Ganz konkret bedeutet das: Wer ab Januar 2015 eine Erwerbsminderungsrente bezieht, der muss 70 Prozent seiner Rente versteuern. Ein Jahr später, ab dem Jahr 2016, liegt der steuerpflichte Anteil bereits bei 72 Prozent. Ab dem Jahr 2040 muss die Erwerbsminderungsrente dann zu 100 Prozent versteuert werden.

Genau wie bei der Altersrente, wird auch bei der Erwerbsminderungsrente, der Witwenrente, der Waisenrente und der Erziehungsrente ein persönlicher Rentenfreibetrag ermittelt, der nicht versteuert werden muss. Das sind im Beispiel aus dem Jahr 2016 genau 28 Prozent, die zeitlebens unverändert steuerfrei bleiben. Die Basis für die Berechnung des Rentenfreibetrages ist generell das erste volle Rentenjahr, also meist das zweite Jahr in dem man Rente bekommt.

Übrigens:

Die Beraterinnen und Berater der VLH unterstützen Sie gerne in allen steuerlichen Fragen rund um die Erwerbsminderungsrente, die Hinterbliebenenrenten, wie die Witwenrente oder Waisenrente und die Erziehungsrente. Über unsere Beratersuche finden Sie eine Beratungsstelle in ihrer Nähe.

Die Erwerbsminderungsrente – Unterstützung für chronisch Kranke

Depressionen, Herzprobleme oder Rückenschmerzen: Wer dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt ist und nicht mehr voll arbeiten kann, bekommt von der gesetzlichen Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen eine Erwerbsminderungsrente. Diese Rente soll zur Sicherung des Lebensunterhalts beitragen.

Welche Bedingungen erfüllt sein müssen und wer Anspruch auf eine teilweise oder eine volle Erwerbsminderungsrente hat, können Sie bei der Deutschen Rentenversicherung nachlesen Erwerbsminderungsrente – ein Netz für alle Fälle.

Anders als beispielsweise eine private Berufsunfähigkeitsrente, wird die Erwerbsminderungsrente nur für eine bestimmte Dauer gewährt. Sie endet automatisch, wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist und geht dann in eine Altersrente über. Das heißt: Bis 67 gibt es die Erwerbsminderungsrente, dann die normale Rente.

Übrigens:

Mit der Rentenreform von 2005 hat sich vor allem bei der Erwerbsminderungsrente viel geändert. Betroffene müssen wesentlich mehr Steuern zahlen als nach altem Recht.

Die Witwenrente und Witwerrente – Sicherheit für den Partner

Der Tod eines Ehepartners ist ein schwerer Schicksalsschlag und löst viele Ängste aus. Der Staat steht einem in solchen Notsituationen zur Seite: Hinterbliebene haben einen Anspruch auf Witwenrente oder Witwerrente, wenn der verstorbene Partner gesetzlich rentenversichert war. Ziel der staatlichen Rente ist es, die Existenz des Hinterbliebenen zu sichern und die finanziellen Einbußen durch den Tod des Partners aufzufangen.

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und mit welcher Rentenhöhe Sie rechnen können, hängt ganz davon ab, ob das neue oder das alte Recht für Sie gilt. Genauere Informationen hierzu, finden Sie auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung: Die Witwenrente sichert Existenzen.

Hat der Verstorbene zuvor bereits eine Altersrente bezogen, handelt es sich bei der Witwenrente um eine sogenannte Folgerente. In diesem Fall ist für den Besteuerungsanteil das Jahr maßgeblich in dem der Verstorbene in den Ruhestand gegangen ist und nicht das Jahr in dem er verstorben ist.

Ein Beispiel: Seit dem Tod Ihres Mannes Peter im August 2014 erhält Marianne eine Witwenrente. Der Besteuerungsanteil ihrer Rente beträgt 70 Prozent der Jahresrente 2015. Da Peter noch mitten im Erwerbsleben stand, ist für die Besteuerung der tatsächliche Renteneintritt maßgeblich.

Anders sieht es bei Hannelore aus. Ihr Mann Günther bezog seit Mai 2009 eine gesetzliche Altersrente. Der Besteuerungsanteil lag bei 60 Prozent der Jahresrente 2010. Nach Günthers Tod im August 2014 erhält Hannelore eine Witwenrente. Die Witwenrente wird weiterhin mit 60 Prozent besteuert und nicht wie im Beispiel von Marianne mit 70 Prozent. Da es sich bei der Witwenrente von Marianne um eine Folgerente handelt, richtet sich die Besteuerung nach dem Beginn der Altersrente und nicht nach dem tatsächlichen Renteneintritt.

Wiederheirat: Was passiert mit der Witwenrente?

Lernt Hannelore einen neuen Partner kennen und heiratet ihn, so fällt ihre Witwenrente komplett weg. Der neue Ehepartner ist nun unterhaltspflichtig. Die monatliche Rentenzahlung aus der Hinterbliebenenversicherung bleibt für Hannelore zwar aus, sie kann jedoch bei der Deutschen Rentenversicherung eine einmalige Abfindung beantragen. Hannelore erhält dann die Summe aus zwei Jahren Monatsrente auf einen Schlag. Das Gute daran: Sie muss keinen Cent Ihrer Einmalzahlung in der Steuerklärung angeben – seit 2006 ist die Abfindung der Witwenrente aufgrund einer Wiederheirat steuerfrei.

Übrigens:

Möchte sich ein Witwer oder eine Witwe etwas hinzuverdienen und bezieht ein eigenes Einkommen, ist es wichtig zu wissen: Überschreitet das Einkommen den Freibetrag von 771,14 Euro in den alten Bundesländern und 714,12 Euro in den neuen Bundesländern, wird es zu 40 Prozent auf die Witwenrente angerechnet. Das gilt aber nicht im sogenannten „Sterbevierteljahr“, also in den ersten drei Monaten nach dem Tod des Ehepartners.

Die Waisenrente – plötzlich ohne Eltern

Stirbt ein Elternteil oder sogar beide unterstützt der Staat die Kinder oder Jugendlichen finanziell: Sie erhalten eine Waisenrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung – die sogenannte Halbwaisenrente oder Vollwaisenrente.
Wer Anspruch auf eine Waisenrente hat und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, lesen Sie auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung: Waisenrente – Existenz gesichert.

Waisenrenten sind in der Regel nicht sehr hoch – sie bleiben in den meisten Fällen unter dem Grundfreibetrag von 8.652 Euro und sind somit steuerfrei. Sollten dennoch Steuern anfallen, werden sie steuerlich genauso behandelt wie die Altersrente und die anderen Hinterbliebenenrenten.

Übrigens:

Seit 1. Juli 2015 gilt außerdem: Selbst wenn Waisen arbeiten gehen und eigene Einkünfte haben, also Geld verdienen, werden die Einkünfte zwar wie üblich besteuert, aber nicht auf die Waisenrente angerechnet. Damit können sie die Rente in voller Höhe bis zum 27. Lebensjahr in Anspruch nehmen. Ist ein Waise mit 27 Jahren immer noch in der Ausbildung und hat einen freiwilligen Wehrdienst geleistet, kann er sogar noch sechs Monate länger die Waisenrente beziehen. Danach ist allerdings Schluss.

Erziehungsrente – was versteht man darunter?

Die Wenigsten wissen: Geschiedene bekommen für ihr minderjähriges Kind eine gesetzliche Rente, wenn der unterhaltspflichtige Ex-Ehepartner stirbt. Die Erziehungsrente soll die finanziellen Einbußen durch den ausbleibenden Unterhalt abmildern. Die Rente endet, wenn das Kind das 18. Lebensjahr vollendet hat.

Während die Hinterbliebenenrenten aus der Versicherung des Verstorbenen gezahlt werden, wird die Erziehungsrente aus der Versicherung des Überlebenden finanziert. Wer die Erziehungsrente beantragt, muss daher vor allem eine Voraussetzung erfüllen: Er muss selbst gesetzlich rentenversichert sein und zwar mindestens fünf Jahre lang.
Welche weiteren Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie hoch die zu erwartende Rente ist, können Sie auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung nachlesen: Erziehungsrente – Die kaum bekannt Leistung.

Genau wie bei der Witwenrente wird auch bei der Erziehungsrente das eigene Einkommen berücksichtigt. Bezieht der Geschiedene ein eigenes Einkommen und überschreitet es einen Freibetrag von derzeit 755,30 Euro in den alten Bundesländern und 696,70 Euro in den neuen Bundesländern, wird das Einkommen zu 40 Prozent auf die Erziehungsrente angerechnet. Außerdem berücksichtigt der Fiskus zusätzlich für jedes Kind einen Freibetrag.

Unsere Berater und Beraterinnen zeigen Ihnen, wie Sie sich weitere Vorteile sichern können und Steuern sparen können. Hier geht es zur VLH-Beratersuche.

 

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