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Steuer ABC

Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen? Und wie viel?

Sobald Sie als Rentner mit Ihren Einkünften über 8.652 Euro liegen, müssen Sie Steuern zahlen. Immerhin: Ihnen steht ein sogenannter Rentenfreibetrag zu.

Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen? Und wie viel?

Seit 1. Januar 2005 ist das Alterseinkünftegesetz in Kraft. Demnach gilt bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung die nachgelagerte Besteuerung, auch Rentensteuer genannt.

Wie viel Rente Sie  tatsächlich versteuern müssen, hängt ausschließlich vom Jahr Ihres Renteneintritts ab:

  • Wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern;
  • ab 2006 sind 52 Prozent der Rente steuerpflichtig;
  • ab 2007 sind es 54 Prozent;
  • ab 2010 sind es 60 Prozent;
  • ab 2014 sind es 68 Prozent;
  • ab 2015 sind es 70 Prozent;
  • ab 2040 wird jeder Rentner seine Rente zu 100 Prozent versteuern müssen.

Aktuell müssen Rentner also nur einen Teil der Rente versteuern. Der Teil der Rente, der nicht versteuert werden muss, wird Rentenfreibetrag genannt. Das sind 2015 immerhin 30 Prozent der Rente. Der Rentenfreibetrag richtet sich übrigens nur nach Ihrem Renteneintritt und bleibt somit auch in den Folgejahren unverändert.

Übrigens:

Auch der Bundesfinanzhof (BFH) hält die Besteuerung von gesetzlichen Altersrenten für verfassungskonform. In mehreren Urteilen kamen die obersten Richter zu dem Schluss, dass durch die Rentenbesteuerung grundsätzlich keine verfassungswidrige Doppelbesteuerung vorliegt. 

Wann muss ich als Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Sie als Rentner müssen dann eine Steuererklärung abgeben, wenn Ihre Jahreseinnahmen über dem Grundfreibetrag liegen. Dieser Grundfreibetrag wird vom Gesetzgeber immer mal wieder angepasst, hier eine Übersicht der letzten Jahre:

Jahr Grundfreibetrag (Ledige) Grundfreibetrag (Verheiratete)
2016  8.652 Euro 17.304 Euro 
2015 8.472 Euro 16.944 Euro
2014 8.354 Euro 16.708 Euro
2013 8.130 Euro 16.260 Euro
2012 8.004 Euro 16.008 Euro
2011 8.004 Euro 16.008 Euro
2010 8.004 Euro 16.008 Euro
2009 7.834 Euro 15.668 Euro
2008 7.664 Euro 15.328 Euro
2007 7.664 Euro 15.328 Euro

Wichtig: Wenn ein alleinstehender Rentner ausschließlich Renteneinkünfte bezieht, die zu 50 Prozent besteuert werden ("Bestandsrentner"), muss er erst dann eine Steuererklärung abgeben, wenn er beispielsweise 2016 mehr als 8.652 Euro Rente erhalten hat. Für verheiratete Rentner gilt die doppelte Summe.

Welche Steuersätze gelten für mich als Rentner?

In Deutschland wird die Einkommensteuer nach dem progressiven Steuersatz berechnet. Für Rentner wie für Arbeitnehmer heißt das: Je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz. 

  • Bis zu 8.652 Euro Jahreseinkommen
    Sie als alleinstehender Rentner müssen keine Einkommensteuer zahlen. Ehegatten in Rente zahlen keine Einkommensteuer bei einem Jahreseinkommen von bis zu 17.304 Euro.
  • 8.653 Euro bis 13.469 Euro Jahreseinkommen
    Sie als alleinstehender Rentner – für Eheleute gilt der doppelte Euro-Betrag – müssen ein bis 7,2 Prozent Einkommensteuer zahlen.
  • 13.470 Euro bis 52.881 Euro Jahreseinkommen
    Sie als alleinstehender Rentner zahlen zwischen 7,2 bis 26,5 Prozent Einkommensteuer. Für Ehegatten gilt Gleiches für den doppelten Euro-Betrag.
  • 52.882 Euro bis 250.730 Euro Jahreseinkommen
    Sie als alleinstehender Rentner – für Eheleute gilt der doppelte Euro-Betrag – müssen 26,5 bis 38,7 Prozent Einkommensteuer zahlen.
  • Ab 250.731 Euro Jahreseinkommen
    Sie als alleinstehender Rentner – für Eheleute gilt der doppelte Euro-Betrag – zahlen den Spitzensteuersatz von 45 Prozent.

Ein Beispiel: Walter bekommt aktuell 18.000 Euro Rente im Jahr. Weil er 2005 in Rente gegangen ist, muss er 50 Prozent davon versteuern. Das sind 9.000 Euro. Walter und seine Ehefrau haben keine weiteren Einnahmen und liegen damit unter dem jährlichen Grundfreibetrag von 17.304 Euro für Ehepaare. Sie müssen keine Einkommensteuer zahlen.

Wäre Walter unverheiratet, würde er mit 9.000 Euro Jahresrente knapp über dem Grundfreibetrag von 8.652 Euro für Singles liegen. Für 348 Euro müsste Walter Einkommensteuer zahlen, also ungefähr zwischen einem und 7 Prozent. (Ein Hinweis zu unserem Beispiel: Rentenanpassungsbeiträge bleiben hier unberücksichtigt.) 

Übrigens:

Würde Walters Ehefrau vor ihm sterben, dann behielte er den Grundfreibetrag für Ehepaare im Todesjahr seiner Frau und auch im darauffolgenden Jahr.

Dank Rentenerhöhung plötzlich steuerpflichtig - was nun?

2015 wurden die Renten erhöht und eine weitere Rentenerhöhung ist für 2016 geplant. Einige Rentner fürchten nun, dass sie durch die Rentenerhöhung plötzlich Steuern zahlen müssen. Doch diese Sorge ist meisten unbegründet.

Ein Beispiel: Bernhard ist Single, wohnt in Mannheim und bekommt 1.400 Euro Rente im Monat. Da er vor 2005 in Rente gegangen ist, muss er 50 Prozent seiner Rente versteuern, also 700 Euro. Das sind 8.400 Euro im Jahr. Damit liegt er 2015 eigentlich unter dem Grundfreibetrag von 8.472 Euro. Er muss keine Steuern zahlen.

Im Sommer 2015 werden jedoch die Renten für die alten Bundesländer um 2,1 Prozent angehoben (neue Bundesländer 2,5 Prozent). Mit der Rentenerhöhung bekommt Bernhard nun 29,40 Euro mehr, also insgesamt 1429,40 Euro im Monat. Damit steigt sein Jahreseinkommen auf 8488,20 Euro:

Jan. – Juli: 1.400,00 Euro Rente x 6 = 8.400,00 Euro

Juli – Dez.: 1.429,40 Euro Rente x 6 = 8.576,40 Euro

8.400,00 Euro + 8.576,40 Euro = 16.976,40 Euro / 2 = 8.488,20 Euro

Bernhard übersteigt den Grundfreibetrag 2015 nun um 16,20 Euro. Damit ist er zunächst zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Es bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Bernhard auch Steuern zahlen muss, denn von seinen Jahreseinnahmen kann er jetzt noch Krankheitskosten, Spenden und sogar Werbungskosten etc. abziehen.

Muss ich als Rentner zusätzliche Einnahmen versteuern?

Ja, besteuert werden zum Beispiel Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, aus selbständiger oder nicht selbständiger Arbeit, aus privaten Renten und Kapitaleinnahmen.

Genau wie Arbeitnehmer können allerdings auch Sie als Rentner Ihr zu versteuerndes Einkommen senken: Bestimmte Kosten dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung eintragen, das Finanzamt zieht diese Kosten von Ihrem Jahreseinkommen ab und nur der Rest wird versteuert.

  • Sonderausgaben
    Dazu gehören zum Beispiel Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung oder auch zur privaten Haftpflichtversicherung und Spenden. Mehr dazu in unserem Steuer ABC Was sind Sonderausgaben?.
  • Außergewöhnliche Belastungen
    Dazu gehören zum Beispiel Arzt- und Medikamentenrechnungen, Krankheits-, Pflegeheim- oder Beerdigungskosten. Mehr dazu in unserem Steuer ABC Was sind außergewöhnliche Belastungen?.
  • Werbungskosten
    Dazu gehören zum Beispiel Gewerkschaftsbeiträge, Bearbeitungsgebühren aus Kreditzinsen oder Beratungskosten für die Erstellung Ihrer Steuererklärung. Mehr dazu in unserem Steuer-Tipp Rentner können Werbungskosten von der Steuer absetzen.
  • Altersentlastungsbetrag
    Rentner, die über 64 Jahre alt sind, können mit dem Altersentlastungsbetrag Ihr zu versteuerndes Einkommen um maximal 1.900 Euro im Jahr senken. Wie hoch der Altersentlastungsbetrag für Sie ausfällt, hängt von Ihrem Geburtsjahr ab. Haben Sie zum Beispiel im Jahr 2009 Ihren 64. Geburtstag gefeiert, erhalten Sie einen Altersentlastungsbetrag von maximal 1.520 Euro. Die komplette Übersicht dazu vom Bundesjustizministerium können Sie hier einsehen: § 24 Altersentlastungsbetrag. Wichtig: Für alle, die nach dem 1. Januar 1975 geboren sind, entfällt der Altersentlastungsbetrag.

Übrigens:

Wenn Sie als Rentner einen Minijob - auch 450-Euro-Job genannt - ausüben, müssen Sie darauf keine Steuern zahlen. Anders kann das aussehen, wenn es um einen sozialversicherungspflichtigen Nebenberuf geht. Alle Details dazu erfahren Sie in unserem Artikel Wie viel darf ich als Rentner hinzuverdienen?.

Zahle ich als Rentner auch Soli und Kirchensteuer?

Ja, wie alle übrigen Steuerzahler in Deutschland kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und 8 bis 9 Prozent Kirchensteuer zur Einkommensteuer hinzu. Weitere Details zu Kirchensteuer und Soli erhalten Sie in unserem Überblick Das wird Arbeitnehmern vom Lohn abgezogen.

Betrifft die Rentenbesteuerung nur die gesetzliche Rente?

Nein, die Rentenbesteuerung gilt nicht nur für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und die Hinterbliebenenrente. Schlechte Nachrichten auch für private Altersvorsorgler: Auch die Riester-Rente oder die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist im Rentenalter voll steuerpflichtig und wird mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

Übrigens:

Sie als Rentner können etliche Steuervorteile nutzen. Sollten Sie Unterstützung dabei brauchen, können Sie sich über unsere Beratersuche eine Beraterin oder einen Berater auswählen und im persönlichen Gespräch beraten lassen.