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Bauabzugsteuer – was ist das, und wer bezahlt sie?

Die Bauabzugsteuer ist eine Quellensteuer auf Bauleistungen. Auch Vermieter können davon betroffen sein. Wer muss die Steuer bezahlen – und warum gibt es sie überhaupt?

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Bauabzugsteuer – was ist das, und wer bezahlt sie?

Wer unternehmerisch tätig ist und Arbeiten an oder in einem Haus verrichten lässt, muss seit 2002 in bestimmten Fällen 15 Prozent des Rechnungsbetrags einbehalten und an das Finanzamt abführen. Das ist die sogenannte Bauabzugsteuer, die zur Gruppe der Quellensteuern gehört. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Auftraggeber lediglich 85 Prozent des Rechnungsbetrags an das ausführende Bauunternehmen überweisen darf. Geregelt ist dies im „Gesetz zur Eindämmung illegaler Betätigung im Baugewerbe“. Allerdings werden die 15 Prozent nicht zusätzlich zur sowieso fälligen Umsatzsteuer erhoben. Vielmehr handelt es sich um eine Art Vorauszahlung, die der Auftraggeber sozusagen für das von ihm mit den Arbeiten betraute Bauunternehmen an das Finanzamt überweist

Warum gibt es die Bauabzugsteuer?

Eingeführt wurde die Bauabzugsteuer, um illegale Beschäftigung im Baugewerbe zu unterbinden oder zumindest einzudämmen. Zudem erfüllt sie den Zweck, dem Fiskus seinen Anspruch auf die Einkommensteuer sowie die Körperschaftsteuer des Bauunternehmens zu sichern. Und natürlich auf die Lohnsteuer der bei der Ausführung des Auftrags eingesetzten Mitarbeiter. Die offizielle Bezeichnung dafür lautet „Sicherung von Steueransprüchen bei Bauleistungen“. Nachzulesen sind die Regelungen zur Bauabzugsteuer in Abschnitt 7 des Einkommensteuergesetzes (§§ 48 bis 48d EStG).

Wichtig:

Sie sind Arbeitnehmer und haben kein zusätzliches Gewerbe, sind also nicht unternehmerisch tätig? Dann müssen Sie auch keine Bauabzugsteuer einbehalten und an das Finanzamt abführen, wenn Sie Ihr Eigenheim renovieren lassen. Und zwar egal, wie hoch die Kosten für die Bauarbeiten ausfallen. Das gilt auch für den Fall, dass Sie Vermieter von höchstens zwei Wohnungen sind.

Wer muss die Bauabzugsteuer bezahlen?

Die Bauabzugsteuer von 15 Prozent des Rechnungsbetrags müssen Unternehmer im Sinn von Paragraf 2 des Umsatzsteuergesetzes an das Finanzamt abführen. Demnach gilt als Unternehmer, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt, um Einnahmen zu erzielen. Dazu zählen auch Kleinunternehmer. Ob die Unternehmer mit ihrer Tätigkeit Gewinne oder Verluste erzielen, ist dabei unerheblich. Zudem sind Vermieter von der Bauabzugsteuer betroffen, wenn sie mehr als zwei Wohnungen vermieten. Keine Bauabzugsteuer wird fällig, wenn die Bauleistungen im betreffenden Jahr nicht mehr als 15.000 Euro bei Vermietern und 5.000 Euro bei Unternehmen kosten. Das ist in dem Fall die sogenannte Bagatellgrenze. Ausschlaggebend ist der Rechnungsbetrag inklusive der Umsatzsteuer.

Wichtig: Die Bauabzugsteuer muss nur dann einbehalten und an das Finanzamt überwiesen werden, wenn die Bauleistung an Gebäuden des auftraggebenden Unternehmens oder bei Vermietern für die vermieteten Wohnungen ausgeführt wird. Lässt ein Unternehmer oder ein Vermieter hingegen sein Eigenheim renovieren, dann erfüllt die Bauleistung einen privaten Zweck, und somit wird keine Bauabzugsteuer fällig. Wird das Gebäude, das beispielsweise renoviert wird, teilweise privat und teilweise für unternehmerische Zwecke genutzt, müssen die Kosten aufgeteilt werden. Für die Bauleistungen, die für den unternehmerisch genutzten Teil anfallen, wird die Bauabzugsteuer fällig, für den Rest aber nicht.

Übrigens:

Ob Sie als Unternehmer eine inländische oder eine ausländische Firma mit einer Bauleistung betrauen, spielt keine Rolle. Die Bauabzugsteuer ist in beiden Fällen zu entrichten.

Ist eine Freistellung von der Bauabzugsteuer möglich?

Ja, eine Freistellung von der Bauabzugsteuer ist möglich – allerdings gilt das nur für Bauunternehmen und nicht für Sie als Auftraggeber. Soll heißen: Wenn das von Ihnen beauftragte Bauunternehmen eine Freistellungsbescheinigung vorlegt, müssen Sie keine Bauabzugsteuer einbehalten und ans Finanzamt abführen.

Bauunternehmen können beim für sie zuständigen Finanzamt eine Freistellung vom Steuerabzug beantragen. Dem wird das Finanzamt aber nur zustimmen, „wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint“, wie es in einem Merkblatt des Bundesfinanzministeriums heißt. Darin sind sämtliche Voraussetzungen für eine Freistellung vom Steuerabzug und viele weitere Informationen zur Bauabzugsteuer aufgeführt. Das Merkblatt finden Sie hier.

Wichtig: Als Auftraggeber müssen Sie sich vom Bauunternehmen die Freistellungsbescheinigung vorlegen lassen und sollten eine Kopie verlangen – und zwar bevor Sie die Rechnung begleichen.

Übrigens:

Das jeweilige Finanzamt rechnet die einbehaltene Bauabzugsteuer dem ausführenden Bauunternehmen natürlich auf seine Steuer an. Dazu muss dieses lediglich einen Abrechnungsbeleg des Auftraggebers einreichen. Sie als Auftraggeber überweisen die einbehaltene Steuer sozusagen nur vorab als Steuervorauszahlung für das von Ihnen beauftragte Bauunternehmen.

Beispiele für die Errechnung der Bauabzugsteuer

Über der Bagatellgrenze: Sie vermieten sechs Wohnungen und lassen daran Renovierungsarbeiten mit einem Auftragsvolumen von 20.000 Euro durchführen. Damit ist die sogenannte Bagatellgrenze von 15.000 Euro überschritten. Und wenn die Baufirma nicht über eine Freistellungsbescheinigung für den Steuerabzug verfügt, müssen Sie 15 Prozent der Rechnung einbehalten und an das Finanzamt abführen. Das sind dann 3.000 Euro Bauabzugsteuer. Der Baufirma überweisen Sie somit lediglich 85 Prozent des Rechnungsbetrags, also 17.000 Euro.

Unter der Bagatellgrenze: Sie vermieten sechs Wohnungen, haben aber auch noch eine zusätzliche Wohnung, die von Ihnen selbst genutzt wird, also privat. Zwar liegt der Rechnungsbetrag bei 20.000 Euro, allerdings entfallen davon 8.000 Euro auf Ihre eigene Wohnung. Für Bauleistungen an Ihrer Privatwohnung müssen Sie keine Bauabzugsteuer abführen. Bleiben also 12.000 Euro (20.000 – 8.000 Euro) für die vermieteten Wohnungen – aber auch dafür wird keine Bauabzugsteuer fällig, weil der Rechnungsbetrag die Bagatellgrenze von 15.000 Euro unterschreitet.

Wichtig:

Lohnsteuerhilfevereine dürfen bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit nicht beraten. Das regelt das Steuerberatungsgesetz (Beratungsbefugnis, § 4 Nr. 11 StBerG). Wenn Sie Fragen zu Ihrer Selbstständigkeit haben, wenden Sie sich am besten an einen Steuerberater oder eine Steuerberaterin.

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Dies ist ein redaktioneller Text des Redaktionsteams der VLH. Es erfolgt keine Beratung zu Themen, die außerhalb der steuerlichen Beratungsbefugnis eines Lohnsteuerhilfevereins liegen. Eine Beratungsleistung im konkreten Einzelfall kann nur im Rahmen der Begründung einer Mitgliedschaft und ausschließlich innerhalb der Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG erfolgen.