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Kann ich Beerdigungskosten von der Steuer absetzen?

Trauerfeier, Todesanzeige, Grabstätte: Wenn das Erbe geringer ist als die Beerdigungskosten, können Hinterbliebene die Kosten von der Steuer absetzen.

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Kann ich Beerdigungskosten von der Steuer absetzen?

Beerdigungskosten können Sie als außergewöhnliche Belastung absetzen, wenn Sie die Kosten aus rechtlichen Gründen übernehmen müssen oder aus sittlichen Gründen freiwillig gezahlt haben und der Nachlass nicht ausreicht.

Was das jeweils genau bedeutet, erfahren Sie im Folgenden:

Was ist eine Verpflichtung aus rechtlichen Gründen?

Erben sind rechtlich verpflichtet, die Kosten der Beerdigung zu übernehmen. Ein Beispiel: Rüdigers Vater hinterließ ihm nach seinem Tod 15.300 Euro. Rüdiger übernahm als Alleinerbe die Beerdigungskosten von 9.780 Euro. In der Steuererklärung kann er die Beerdigungskosten nicht absetzen, weil sie komplett mit dem Nachlass des Verstorben gedeckt sind. Zum Nachlass gehört übrigens das gesamte Vermögen des Verstorbenen – neben Bargeld also beispielsweise auch Immobilien, s.u.

Was ist eine Verpflichtung aus sittlichen Gründen?

Ein Verwandter, der nichts erbt, ist zivilrechtlich nicht verpflichtet, Beerdigungskosten zu übernehmen. Es entsteht aber eine sittliche Pflicht, wenn die nähere Umgebung – wie Verwandte, Nachbarn oder Freunde – die Kostenübernahme erwartet. Der Nichterbe könnte zwar Kostenersatz vom Erben verlangen, häufig ist das allerdings nicht möglich.

Ein Beispiel: Anitas Oma stirbt. Ihre Mutter erbt die Möbel und rund 1.000 Euro. Als Hartz IV-Empfängerin kann sie das Geld für die Beerdigung aber nicht aufbringen. Anita fühlt sich deshalb verpflichtet zu zahlen. Sie trägt die Beerdigungskosten als außergewöhnliche Belastungen in Ihrer Steuererklärung ein und legt die Hartz IV-Bescheinigung ihrer Mutter bei. Wichtig: Das Finanzamt entscheidet bei einer Verpflichtung aus sittlichen Gründen immer nur "nach den näheren Umständen des Einzelfalls", also individuell.

Übrigens:

In manchen Fällen muss ein sogenannter Unterhaltsverpflichteter die Kosten für die Beerdigung übernehmen. Unterhaltsverpflichtet sind zuerst Ehegatten, dann die erwachsenen Kinder, gefolgt von den Eltern, den Geschwistern, Großeltern und Enkeln. Ein Unterhaltsverpflichteter muss auch dann für die Kosten aufkommen, wenn er oder sie das Erbe ausgeschlagen hat. Gut zu wissen: Von Bundesland zu Bundesland gibt es hierzu unterschiedliche Regelungen, festgelegt im "Bestattungsgesetz der Länder".

Einen schnellen Überblick zum Thema Beerdigungskosten gibt Ihnen auch unser Video:

Wie errechne ich die Beerdigungskosten, die ich absetzen kann?

Für die Steuererklärung müssen Sie alle Beerdigungskosten zusammenzählen. Davon ziehen Sie das Erbe ab. Der Betrag, der übrig bleibt, tragen Sie in Ihrer Steuererklärung ein: Das ist die Summe, die Sie von der Steuer absetzen können. Unsere Tabellen zeigen Ihnen, was zu den Beerdigungskosten zählt und wie sich das Erbe zusammensetzt.

Beerdigungskosten
Kosten durch Tod Beerdigungsinstitut, Arztkosten, Totenschein, Sterbeurkunde, Überführung, Todesanzeige, Totenwäsche, Sarg, Urne, Kreuz, Leichenschau, Einäscherung, Seebestattung, Danksagung, Porto, Fahrtkosten
   
Kosten für Trauerfeier Blumenschmuck für Sarg, Trauerhalle und Kirche, Gebühren für die Trauerhalle und Kirche, Kränze, Gestecke, Pfarrer, Küster, Organist, musikalische Darbietung, Trauerredner, Sargträger, Fahrtkosten
   
Kosten für Grabstätte Grabstätte, Gebühren für Nutzung der Grabstätte, Vorbereitung des Grabs, Grabstein, Grabdenkmal, Inschrift, Grabgestaltung, Erstbepflanzung, Grabpflege
   
Sonstiges Darlehenszinsen zur Finanzierung der Bestattungskosten, Zahlungsrückstände des Verstorbenen (Miete, Strom, usw.), Reinigung der Wohnung
Erbe
Nachlass Barvermögen, Bankguthaben, Wertpapiere, Lebensversicherung (ohne fremde, bezugsberechtigte Person), Sterbegeldversicherung, Immobilien (Verkehrswert), Schmuck usw.
   
Gelder außerhalb des Nachlasses Lebensversicherung (wenn Sie die bezugsberechtigte Person sind), Schadensersatz von Dritten (bei Tod durch Fremdverschulden), Erstattungsleistungen vom Arbeitgeber oder von Dritten (zum Beispiel Beihilfe)

Kann ich Kosten in unbegrenzter Höhe angeben?

Nein, das Finanzamt erkennt Beerdigungskosten nur in "angemessener Höhe" an. Seit 2003 gilt die Angemessenheitsgrenze von 7.500 Euro.

Sind auch die Kosten der Grabpflege absetzbar?

Das niedersächsische Finanzgericht hat mit Urteil vom 28. Februar 2009 entschieden, dass die Grabpflege nicht als haushaltsnahe Dienstleistung anzusehen ist (Aktenzeichen 4 K 12315/06). Anders läge die steuerliche Absetzbarkeit, wenn sich das Grab auf dem Grundstück des Haushalts und nicht auf dem Friedhof befände. 

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